brücken bauen

die tage habe ich wieder einmal an einer dialog-veranstaltung teilgenommen. diesmal war ich nicht der „aktive jude“, der ausgefragt wurde, sondern eher stiller beobachter.

ein christlicher teilnehmer, mit großem kreuz um den hals, stellte nachfolgende frage, die ich zum anlass nehme, hier meine überlegungen dazu mit euch zu teilen:

können missanische juden ( jews for jesus) als brücke zwischen christen und juden dienen?

vorweg: messianische juden sind keine juden, auch wenn es ihre selbstbezeichnung nahelegen möchte. sie glauben an jesus als messias und sind somit schlicht und einfach christen. mir stellt sich also folgerichtig die frage, ob jener christ einen anderen christen benötigt um eine brücke zu mir, bzw. zu juden im allgemeinen zu bauen. wenn dem so ist, kann er gerne auch einen solchen christen zu rate ziehen, obwohl mir ein katholik lieber wäre.

ich befürchte aber, dass jener mann etwas anderes meinte, als einen speziellen weg der kontaktaufnahme. gemeint war, ob nicht messianische juden, die sich ja der ideen zweier religionen bedienen, als vorbild dienen könnten, um aus zweien eins zu machen. und hier kann ich seine frage NUR mit einem nein beantworten.

ich bin gegen gleichmacherei und einheits-was-auch-immer. beide religionen stehen für sich und haben ihre eigenen festen fundamente, auf denen sie ruhen. und chrsiten sollten sich der ihrigen fest bewusst sein, so wie juden der eigenen. denn wenn beide seiten sich selbst sicher sind, dann kann auch ein wirklicher dialog stattfinden, der zu einer echten brücke wird. es ist wie im wirklichen leben. wenn beide uferböschungen fest verwurzelt sind, hält auf ihnen auch eine brücke. versucht man aber aus beiden böschungen einen überweg zu bauen, wird er vom wasser weggespült. übrig bleiben zwei auf dauer beschädigte flussseiten.

Ein Gedanke zu „brücken bauen

  • 24. Dezember 2006 um 21:09
    Permalink

    annebarbara hat gesagt…
    Habe mal eine Frage: Du schreibst, daß messianische Juden keine Juden sind, sondern Christen. Ich verstehe das nicht ganz. Meines Wissens nach ist doch Jude, wer eine jüdische Mutter hat. Hat sich an dieser Regelung etwas geändert?

    1:13 PM

    Chajm hat gesagt…
    Ein Jude, der einer anderen Religion folgt, ist nur in dem Maße jüdisch als dass er eine spirituelle Verpflichtung behält, zu bereuen und zum Judentum zurückzukehren. Solange jedoch sein Glauben götzendienerisch und dem Judentum fremd ist, kann er sich selbst nicht einen Juden nennen.

    9:48 PM

    arabrabenna hat gesagt…
    Was alles umfaßt das Judentum? Meiner Information nach gibt es doch etliche jüdische Sekten. Wie ist das mit denen? Und die säkularen Juden?
    Und wer entscheidet das? Oder ist das jetzt eure ganz persnliche Meinung?

    9:08 AM

    Adi hat gesagt…
    jüdische sekten? meines wissens gibt es im judentum keine gruppierungen, die ich als sekte bezeichnen würde. es gibt einige hauptströmungen (chassidisch, orthodox, konservativ und progressiv – und alle schattierungen dazwischen).

    in wiki steht folgende definition zum thema sekten: Eine Sekte bezeichnet im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig eine religiöse Organisation, die durch ein Schisma oder die Abspaltung von einer etablierten Religion entstanden ist.

    bösartig könnte man sagen, dass das christentum aus einer jüdischen sekte entstanden ist, aber das ist sicher der geschichte nicht sehr gerecht.

    wenn du mehr über das judentum erfahren, empfehle ich dir sehr das buch von marek halter – siehe mein blogg.

    9:57 PM

    Adi hat gesagt…
    noch zum thema „messianische juden“.

    judentum ist mehr als nur die geburt/konversion, sondern auch der glaube, die art wie man handelt und lebt.

    im judentum steht der glaube an den messias/an das messianische zeitalter diamentral dem christlichen vertändnis entgegen. es gibt einen ganz netten witz, der aber in seinem kern sehr genau die wahrheit trifft. wenn alle juden an zwei shabbat-tagen hintereinander shabbat halten, dann kommt der messias. das bedeutet, dass juden aktiv an der herbeiführung des messianischen zeitalters mitwirken müssen (!). jeder von uns muss umkehren und für seine verfehlungen selbst einstehen und aktiv an deren beseitigungen beteiligt sein. es wird kein messias für uns kommen und diese „sünden“ für auf sich nehmen. noch war einer da, der es schon einmal gemacht hat.

    wer also an dieses messianische modell glaubt, stellt gleich mehrere grundpfeiler des judentums auf den kopf (glaube, handeln, lebensweg). er nimmt sich sozusagen aus der familie.

    über den weg der umkehr hat chajm ja schon geschrieben. ansonsten sei noch gesagt, dass ich niemanden verurteile, wenn er einen anderen glaubensweg beschreitet. aber er/sie sollte wissen, dass jede entscheidung konsequenzen hat. und ein bisschen von dem und ein bisschen von dort geht nicht. hopp oder topp. es gibt kein bisschen schwanger und kein bisschen jüdisch. wer das in seine entscheidung einbezieht, dem gebührt mein respekt.

    10:13 PM

    Chajm hat gesagt…
    Adi hat ja schon vieles beantwortet; deshalb nur eine kleine Anmerkung: Jüdischsein ist keine Sache des Blutes, wenn man Christ (beispielsweise) wird, dann ist man kein Jude mehr, hat aber die Option auf Tschuwah (Rückkehr). Das wird häufig (mit Absicht?) durcheinandergeworfen, weil viele der Begriff „Am Jisrael” – „Volk Jisrael” verwirrt…

    11:53 PM

    arabrabenna hat gesagt…
    Danke, daß ihr meine Fragen ernst nehmt! Meine Fragen zu den „Messianischen Juden“ haben einen kongreten Hintergrund. Bei einer Reise nach Israel lernten wir ein solches Ehepaar kennen. Sie hatten vorher nicht als Juden gelebt. Dann bagannen sie, die Bibel zu lesen, begannen an Jesus zu glauben und erst dann wurde ihnen ihr jüdischer Ursprung bewußt. Sie gingen nach Israel und leben dort ganz nach den jüdischen Gesetzen wie orthodoxe Juden, haben eine Armenspeisung aufgebaut und helfen auch noch anderweitig Bedürftigen. Auf diesem Hintergrund hatte mich Adi´s Aussage betroffen gemacht.

    6:56 AM

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