wehrhaft

welche rolle spielt die bundeswehr in den augen angehender rabbinerinnen und rabbiner? können, sollen junge juden in der bundeswehr dienen?

heute hatten wir geigerstudenten besuch durch den wehrbeauftragten des deutschen bundestages. okay, nicht in unseren räumen, sondern in den räumen der uni potsdam, aber, es war sein ausdrücklicher wunsch, uns zu treffen und so gab es dieses lehrreiches aufeinandertreffen heute vormittag.

lehrreich deshalb, weil es interessant ist, wie ein politiker seine rolle in der bundeswehr sieht und wie er sie gegenüber rabbinerstudenten präsentiert. er legte einen großen schwerpunkt auf die geschichte seiner position und die demokratische verankerung der bundeswehr. leider bestand nicht die zeit – und es war vielleicht auch nicht der passende zeitpunkt – um seine sichtweise zu erfragen, ob er einen demokratie-defizit bei einigen (ost)deutschen einheiten/soldatinnen sehe und damit einen gefahrenherd für die gesamte demokratische struktur der bundeswehr. insbesondere im hinblick auf eine eventuelle berufsarmee würde mich das schon interessieren. beim nächsten mal vielleicht …

lehrreich aber war dieses treffen aber vor allem für mich, weil die beiden fragen vom anfang so noch nie an mich gestellt wurden und durchaus wichtig für einen rabbiner in deutschland sind. wie sehe ich mich als jude in deutschland, kann ich mir vorstellen, meinen eigenen sohn, meine eigene tochter in der bundeswehr zu haben? wie reagiere ich, wenn ein mitglied meiner gemeinde zur bundeswehr will? natürlich kann ich – mit gutem gewissen -antworten, dass jeder diese entscheidung selbst für sich treffen soll und muss, aber, ganz selbstkritisch, das genügt nicht.

die bundeswehr ist tatsächlich ein wichtiger bestandteil unserer demokratischen grundordnung und so wie ich deutschland als ganzes für eine gefestigte demokratie halte, so mache ich auch bei der bundeswehr keine ausnahme. jedoch glaube ich schon lange nicht mehr daran, dass sie wirklich eine armee aus der mitte der gesellschaft ist. zu wenige wehrpflichtige sind noch ein teil des ganzen, zu viele dieser wehrpflichtigen vermitteln den eindruck, dass soldat „spielen“ wirklich das ist, was sie wollen. ist das kritische potential noch in der bundeswehr, oder nur noch im zivildienst zu finden. reicht ein wehrbeauftragter aus, um dies auszugleichen? wenn es eine berufsarmee geben wird, wie verhindern wir, d.h. die gesellschaft, das sie sich nicht von uns entfernt und wieder zu einem staate im staate wird?

gerade im zusammenhang mit dem libanoneinsatz der bundeswehr zeigt sich, dass deutschland eine armee braucht, die bereit ist, verantwortung zu übernehmen. und ich meine hier nicht „international eine rolle zu spielen“, sondern ausschließlich verantwortung für israel und seine existenz. wir in deutschland und zwar nicht nur die jüdische bevölkerung, müssen in der ersten reihe stehen, wenn israel bedroht wird. amos oz hat es so formuliert (frei aus meinem kopf) „deutschland hat die moralische verpflichtung, die lücke zu füllen, die es – auf grund des massenmords an den juden – gerissen hat“. rückblickend auf den eiertanz, den es um den einsatz im / vor dem libanon gab, hätte ich mir deutlich mehr erwartet. hamas, hisbolla und co sind eine gefahr für israel und damit direkt auch für unsere werte, die die grundlage der bundeswehr sind. wir können und sollten unsere werte nicht (nur) am hindukusch verteidigen, sondern zuerst in und um israel.

Rabbiner Homolka und der Wehrbeaftragte Reinhold Robbe

Rabbiner Homolka im Gespräch mit dem Wehrbeauftragten Reinhold Robbe

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