frag doch mal die maus

die mausgestern habe ich bei unseren nachbarn ein schulbuch ihres sohnes gesehen, welches den schülern einen ersten einblick und überblick über die religionen geben soll. neben einem allgemeinen teil zu religionen, in dem fragen nach „wie sieht G’tt“ aus bis zu den engeln beantwortet werden, werden die großen weltreligionen vorgestellt und fragen in einfacher art und weise beantwortet. die sprache erinnert sehr an die sendung mit der maus und ist daher in meinen augen für die zielgruppe perfekt (es ist ab 8 jahren).

aber leider gibt es einen groben schnitzer, der mir beim durchblättern des buches sofort unangenehm aufgefallen ist und der meines erachtens einem professor für praktische theologie – dem autor roland rosenstock also – nicht passieren dürfte. es geht um den G’ttesnamen. auf fast allen seiten zum judentum wird immer wieder der name als J…. ausgeschrieben. expliziet wird dies als Sein name dargestellt, das Shma Israel wird mit J… ausgeschrieben usw.

das einige unverbesserliche alt-theologen noch mit der vorstellung hausieren gehen, dass dies der name G’ttes sei, ist eine traurige wahrheit, lässt sich aber nicht ändern, aber ein junger theologe (abi 1985, promotion 2001 und berufung zur juniorproffesur 2003) sollte inzwischen mehr über das judentum gelernt haben, als so daneben zu hauen. und selbst wenn es ihm nicht bewusst war, so hätte ein freundschaftliches gespräch mit einem rabbiner oder (jüdischen) studenten oder jüdischen gemeindemitglied oder gar nur ein blick in eines der vielen bücher über das judentum, schnell das offensichtliche klar gemacht. im judentum wird der name G’ttes nicht ausgeschrieben.

übrigens, ein kind von 8 jahren versteht das sehr gut. man bräuchte in dem buch nur die frage stellen: „warum schreiben und sprechen juden den namen von G’tt nicht aus, bzw. schreiben ihn so merkwürdig?“ und an stelle J… könnte man gut Adonai schreiben und man würde zeigen, dass man die anderen religionen, die man vorstellt auch wirklich respektiert.

mehr zum autor und zum buch findet ihr auf den folgenden links:
http://www.bistum-essen.de/1739+M53b51bd2f4d.html
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/115909/
http://www.randomhouse.de/book_new/edition.jsp?edi=202759

über den autor

Frag doch mal … die Maus – Fragen zu Gott, der Welt und den großen Religionen
Roland Rosenstock
Originalverlag: cbj
Mit Fotos / Illustrationen von Antje von Stemm

Ab 8 Jahren
Gebundenes Buch, 192 Seiten, 16,5 x 24,0 cm
Mit farb. Illustrationen
ISBN: 978-3-570-13132-9

5 Gedanken zu „frag doch mal die maus

  • 28. Januar 2008 um 21:12
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    Abgesehen vom Tetragramm, das es (als solches) notabene nur in hebräischer Sprache gibt, sind die fremsprachigen Schreibweisen „G’d“, „G’tt“ usw. ein durchaus neues Phänomen, das frühestens vor wenigen Jahrzehnten ins Englische und auf diesem Umweg schließlich auch ins Deutsche importiert wurde.

    Wir haben hier also, wie in vielen anderen Fällen auch, mit lauter Pseudofrömmigkeit zu tun, die – entschuldige die Redlichkeit – vollkommen lächerlich wirkt. Weiteres dazu findest du in den Kommentaren zu diesem Beitrag.

  • 28. Januar 2008 um 21:17
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    Und apropos „ein blick in eines der vielen bücher über das judentum“: In jüdischen Texten, die vor dem Krieg in deutscher Sprache gedruckt wurden, steht prachtvoll und glänzend „Gott“ geschrieben. Desgleichen übrigens auch in heutigen jüdischen Texten, wenn auch in (immer?) weniger, aufgrund der besagten Pseudofrömmigkeit.

  • 29. Januar 2008 um 13:57
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    Ich stimme Yoav zu. HaShem auf Hebraeisch ist ja noch OK, danach verstehe ich die theologischen Motivationen der G’tt und G’d Schreiber nicht mehr. HaShem auf Englisch (oder halt Deutsch zubenutzen, klingt immer leicht „yeschiwisch“ fuer meine Ohren. Ich stelle hier in England allerdings fest, dass immer mehr (auch durchaus saekulare Schulbuecher) Publikationen auf „G-d“ zurueck fallen.

  • 29. Januar 2008 um 15:44
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    meine kritik an dem schulbuch ist, dass die das tetragramm ausgeschrieben haben mit einer mischung aus vokalen, die a. umstritten ist und b. wirklich nicht der jüdischen tradition enstpricht.

    ich kritisiere nicht, ob jemand Gott oder G’tt schreibt. das bleibt jedem selbst überlassen und seinem verständnis.

    das schulbuch hat jedoch die aufgabe, den sensiblen umgang mit dem G’ttesnamen darzustellen, da es ein wichtiges merkmal im judentum ist. und das ausschreiben erinnert mich wirklich an besserwisserische (‚tschuldigung) alttestamentarier, die mal den juden zeigen wollen, was ihre forschung ergeben hat, wie der name nun richtig ausgesprochen wird. für mich steckt da ein erhebliches maß an überlegenheitsgebärden drin, die gleichzeitig von mangelndem respekt zeugen.

    das deutsche wort Gott ist sicher keine korrekte wiedergabe des tetragramms (weder in der buchstabenanordnung noch lautmalerisch) und damit erfüllt es meiner meinung nach die gleiche funktion wie Adonai oder HaShem (im gegensatz zu dem oben beschriebenen). dies ist meine meinung. ich benutze aber trotzdem diese verkürzte schreibweise in meinem blog und in anderen foren, weil ich es so gewohnt bin und ich weiss, dass es andere anders sehen und ich ihre gefühle in diesem zusammenhang respektiere.

  • 2. Februar 2008 um 23:02
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    hm kleine anmerkung:

    mir war beim lesen von „j…“ wirklich nicht klar ob da nun „jott-punkt-punkt-punkt“ oder eine zweifelhafte schreibweise des gottesnahmens verwendet wurde |
    ist ein bisschen irritierend wenn man nicht selbst mit der gottesnamens-problematik so vertraut ist |
    erst durch die kommetar wurde ich mir sicher das zweiteres gemeint ist

    das wollt ich blos sagen 😉

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