Jeder zählt.

Es ist Halbzeit im Semester und ich muss wirklich sagen, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Das mag kitschig klingen, aber mir kommt es wirklich so vor. Es ist für mich eines der interessantesten Semester, mit viel Input, was aber zur Folge hat, dass mir wenig Zeit übrig bleibt, z.B. für den Blog. Aber es sind ja nun nur noch ein paar Wochen und das schaffe ich sicher locker und sicher auch mit der gleichen Begeisterung.

Neben diesem kleinen Halbzeitbericht möchte ich mit Euch noch eine Idee zum aktuellen Wochenabschnitt teilen:

Paraschat B‘midbar, B’midbar (Num) 1.1 – 4.20
31.5.2008 / 26. Iyar 5768

Vor kurzem kam bei uns mal wieder die Diskussion auf, was ein gültiger Minjan ist. 7 (palästinensicher Minjan), oder 10. Männer und Frauen, nur Frauen, nur Männer. Vielleicht 20. Menschen usw. In unserer Diskussion wurde wichtig, wie viele wir sind. Das die Diskussion nicht neu ist, zeigt ein Blick in den Wochenabschnitt von letzter Woche: Bechukotai (Waijkra 26.8a):

Fünf von euch werden hundert nachjagen, und hundert von euch werden zehntausend nachjagen

וְרָדְפוּ מִכֶּם חֲמִשָּׁה מֵאָה, וּמֵאָה מִכֶּם רְבָבָה יִרְדֹּפוּ

und noch in viel größerem Umfang im Wochenabschitt dieser Woche:

א וַיְדַבֵּר יְהוָה אֶל-מֹשֶׁה בְּמִדְבַּר סִינַי, בְּאֹהֶל מוֹעֵד: בְּאֶחָד לַחֹדֶשׁ הַשֵּׁנִי בַּשָּׁנָה הַשֵּׁנִית, לְצֵאתָם מֵאֶרֶץ מִצְרַיִם–לֵאמֹר.

1 Und der Ewige redete zu Moshe in der Wüste Sinai im Zelt der Begegnung am ersten Tag des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach ihrem Auszug aus dem Land Ägypten, und sprach:

ב שְׂאוּ, אֶת-רֹאשׁ כָּל-עֲדַת בְּנֵי-יִשְׂרָאֵל, לְמִשְׁפְּחֹתָם, לְבֵית אֲבֹתָם–בְּמִסְפַּר שֵׁמוֹת, כָּל-זָכָר לְגֻלְגְּלֹתָם.

2 Nehmt die Summe der ganzen Gemeinde der Söhne Israel auf nach ihren Sippen, nach ihren Vaterhäusern, nach der Zahl der Namen, alles Männliche nach ihren Köpfen!;

ג מִבֶּן עֶשְׂרִים שָׁנָה וָמַעְלָה, כָּל-יֹצֵא צָבָא בְּיִשְׂרָאֵל–תִּפְקְדוּ אֹתָם לְצִבְאֹתָם, אַתָּה וְאַהֲרֹן.

3 Von zwanzig Jahren an und darüber, jeden, der mit dem Heer auszieht in Israel, die sollt ihr mustern nach ihren Heeresverbänden, du und Aaron!

Es ist aber nicht das einzige Mal, dass wir von einer Zählung in der Torah erfahren. In Sh’mot 30:11-15 erfolgt bereits ein solches Gebot:

11 Und der EWIGE redete zu Mose und sprach:
12 Wenn du die Gesamtzahl der Söhne Israel aufnimmst nach ihren Gemusterten, dann sollen sie bei ihrer Musterung ein jeder dem EWIGEN ein Lösegeld für sein Leben geben, damit bei ihrer Musterung keine Plage über sie kommt.
13 Dies sollen sie geben: jeder, der zu den Gemusterten hinübergeht, einen halben Schekel, nach dem Schekel des Heiligtums, zwanzig Gera der Schekel, einen halben Schekel als Hebopfer für den EWIGEN.
14 Jeder, der zu den Gemusterten hinübergeht, von zwanzig Jahren an und darüber, soll das Hebopfer für den EWIGEN geben.
15 Der Reiche soll nicht mehr geben und der Geringe nicht weniger als einen halben Schekel, wenn ihr das Hebopfer des EWIGEN gebt, um für euer Leben Sühnung zu erwirken.

Es gibt jedoch einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Geboten an Moshe. Die erste Zählung erfolgt um die Abgabe für das Heiligtum aufnehmen zu können. Und in diesem Abschnitt? Irgendwie geht es nur um die Zahl, es geht darum festzustellen, wie viele wir sind, bzw. wie stark wir sind.

Die Rabbinen vergleichen die Zählung des Volkes mit dem Zählen des Goldes eines Königs in seiner Schatzkammer. Er liebt sein Gold so sehr, dass er es Tag für Tag zählt (so wie Dagobert Duck), um zu überprüfen, dass kein Taler verloren gegangen ist. Rashi erklärt, dass ein solcher Census nicht nur ein Zeichen für die Liebe G’ttes zu uns Menschen ist, sondern auch eine Zeichen für seine Verantwortung die er uns gegenüber eingegangen ist. Wir können auf G’tt zählen, dass er sich um uns sorgt. Und auch umgekehrt. G’tt zählt auch auf uns Juden. Jeder einzelne von uns ist ein Partner in der Aufgabe des Tikkun Olam. Und wieder wird die Zahl ein Zeichen für die Stärke. Jetzt ist klar, auf wie viele G’tt, bzw. jeder von uns zählen kann.

Und damit schließt sich wieder der Kreis zu unserem Thema Minjan. Was ist ein Minjan für uns und welche Bedeutungen messen wir ihm zu. Egal welche Zahl wir für die entscheidende festlegen, sie markiert einen Punkt in dem wir nicht mehr nur einzelne Beter sind, sondern eine Gemeinschaft, mit einer besonderen Kraft, ab wann wir eine Gemeinde sind. Die Zahl ist damit nicht mehr beliebig und sie bedeutet Verantwortung. Für jeden von uns, da die Gemeinschaft auf jeden einzelnen zählt.

Es gibt eine Stelle in den Prike Avot (3.6), in der das gemeinsame Lernen in unterschiedlicher, zahlenmäßiger Besetzung aufgeführt wird:

רבי חלפתא איש כפר חנניה אומר, עשרה שהיו יושבין ועוסקין בתורה–שכינה עימהן, שנאמר „אלוהים, ניצב בעדת אל“ (תהילים פב,א). ומניין שאפילו חמישה, שנאמר „ואגודתו על ארץ יסדה“ (עמוס ט,ו). ומניין שאפילו שלושה, שנאמר „בקרב אלוהים, ישפוט“ (תהילים פב,א). ומניין שאפילו שניים, שנאמר „אז נדברו יראי ה‘, איש אל ריעהו“ (מלאכי ג,טז). ומניין שאפילו אחד, שנאמר „בכל המקום אשר אזכיר את שמי, אבוא אליך ובירכתיך“ (שמות כ,כ).

6. Rabbi Chalafta the son of Dosa of the village of Chanania would say: Ten who sit together and occupy themselves with Torah, the Divine Presence rests amongst them, as is stated: „The Almighty stands in the congregation of G-d“ (Psalms 82:1). And from where do we know that such is also the case with five? From the verse, „He established his band on earth“ (Amos 9:6). And three? From the verse, „He renders judgement in the midst of the tribunal“ (Psalms 82:1). And two? From the verse, „Then the G-d-fearing conversed with one another, and G-d listened and heard“ (Malachi 3:16). And from where do we know that such is the case even with a single individual? From the verse, „Every place where I have My name mentioned, I shall come to you and bless you“ (Exodus 20:21).

(d.h. einer ist gut, aber 10 ist das Beste). Wieder sind es nur zahlen, aber sie zeigen sehr deutlich, dass jeder einzelne einen Unterschied ausmachen kann. Deswegen ist zählen so wichtig. Weil man sich bewusst werden kann, was schon die kleine Zahl „EINS“ ausmachen kann.

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