Nix Neues, oder? Karfreitagsbitte die Xte…

Vielleicht ist es ungewollte Marketinghilfe, aber rechtzeitig zum Erscheinen des Buches:

„… damit sie Jesus Christus erkennen“: Die neue Karfreitagsfürbitte für die Juden

( Herausgegeben von Walter Homolka und Erich Zenger
Herder, Freiburg; Auflage: 1 (Mai 2008 )
ISBN-13: 978-3451299643)

welches einige sehr interessante Artikel rund um die große Debatte um die geänderte Karfreitagsfürbitte sammelt, meldet sich der Bischof von Rom mit einer deutlichen Positionierung seiner Haltung zurück und gibt damit dem, diese Woche beginnenden Katholikentag und allen wieder, zaghaft begonnen Dialogbemühungen ein deutlichen Tritt gegen das Schienbein:

Benedikt XVI.: Kirche muss missionarisch sein

Papst Benedikt XVI. hat den Rechtsanspruch der Kirche auf Mission bekräftigt. Der Taufbefehl Jesu an seine Jünger stelle einen „verpflichtenden Auftrag für die ganze Kirche und für jeden einzelnen Christgläubigen“ dar, sagte Benedikt XVI. bei einer Begegnung mit Vertretern päpstlicher Missionswerke am Samstag im Vatikan. Er nannte die Bekehrung zugleich ein „unverzichtbares Recht“. Dieses gründe in der Religionsfreiheit und schließe soziale wie politische Aspekte ein.
Der Auftrag, die Menschheit zu evangelisieren, bleibe „weiterhin dringend und notwendig, sagte der Papst. Die Menschen warteten auf Christus. Es sei die Liebe, die Christen dazu treiben müsse, allen Menschen unbefangen und mutig „die rettende Wahrheit“ zu verkündigen. Jede Ortskirche repräsentiere das auserwählte Volk unter den Heiden, so Benedikt XVI. Den „Keimen der Zersetzung unter den Menschen“, die von der Sünde herrührten, stelle jede lokale Kirche eine Einheit schaffende Kraft entgegen.

(Radio Vatikan 17.05.2008)

In einem Gespräch unter Freunden, brachte es heute Abend eine muslimische Teilnehmerin auf den – nicht ganz unprovokativen – Punkt:

Die Äußerungen des Papstes in seinem stoischen Sendungsbewusstsein erinnert sie des öfteren an Aussagen wie „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ – man müssen nur deutsch mit katholisch ersetzen …

Ich möchte den deutschen Papst mit der Zitierung der Dame nicht in die Nähe von Nazis rücken, will aber verdeutlichen dass Juden, und in letzter Zeit wohl auch vermehrt Muslime, unter der Vehements mit der Benedikt wenig Respekt für andere Religionen zeigt, leiden und die Hilflosigkeit, die daraus entsteht, aufzeigen. Es ist ja nett und schön, wenn Katholiken an der Basis und Kurienkardinäle die Arme offen und ausgebreitet zum Dialog hinhalten, aber wenn mehrere Wochen Dialog zwischen den ersten Ereignissen und den letzten Äußerungen des Papstes keine Veränderungen in der Haltung des selbigen bewirkt haben, dann verwundert es mich nicht, dass Kardinal Kasper niemanden findet, der mehr bereit ist, „Bitten an ihn heranzutragen“ (und mit Verlaub, allein diese Aussage ist schon ein Hohn für alle, die sich innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche für eine Rettungsaktion des angeschlagenen Dialoges eingesetzt haben):

Kurienkardinal Walter Kasper schließt eine Korrektur an der neu formulierten tridentinischen Karfreitags-Fürbitte offenbar nicht aus. „Es kann schon nochmals daran gearbeitet werden“, sagte Kasper in einem Interview der in Ulm erscheinenden „Südwest-Presse“ (Montag). Eine solche Bitte sei aber „offiziell nicht an uns herangetragen worden“. Deshalb gebe es momentan auch keine entsprechenden Überlegungen. Änderungen habe es aber im Laufe der Geschichte „immer mal wieder“ gegeben. (DomRadio)

Nicht im Buch, aber trotzdem spannend zu Lesen – meine älteren Beiträge zum Thema 🙂

Nachtrag: Kaum hatte ich meinen Artikel fertig, habe ich bei Chajm auf Sprachkasse einen passenden weiteren Atrikel entdeckt, der die Diskussion um eine weitere Dimension erweitert: HIER LESEN

3 Gedanken zu „Nix Neues, oder? Karfreitagsbitte die Xte…

  • 19. Mai 2008 um 09:04
    Permalink

    Der Vergleich mit Nazi-Deutschen ist hart und möglicherweise ungerecht, drängt sich aber gerade bei den Äußerungen und Handlungen dieses Papstes auf. Nicht nur ist er Deutscher, sondern war auch in der Hitlerjugend. Es ist tragisch, mitansehen zu müssen, wie er verblendet ewig gestriges Gedankengut vertritt (und damit meine ich nicht „nationales“ Gedankengut, sondern konservativ bis rechts der Kirche).
    Da war sein Vorgänger, der die Vernichtung von Juden als Zeitzeuge miterlebt hat und den diese Gräuel sein Leben lang begleitet hat, anders. Er war glaubhaft in seiner Ernsthaftigkeit und seinem Bemühen um Wahrhaftigkeit.
    An Dialogen mit Juden scheint nun dieser neue Bischof von Rom kein Interesse zu haben, und wenn er mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinden reden sollte, dann sagt er ihm im Vorfeld bereits, was er von ihm hält. Ich bin mehr bestürzt als empört.
    Es fehlt nicht mehr viel, und er ruft zu Pogromen auf – rein liturgisch natürlich und nicht so gemeint.

  • Pingback: studi-vz, karftreitagsfürbitte und antisemitismus «

  • 24. Juli 2008 um 23:07
    Permalink

    Chajim, ich halte es für verfehlt, diese Aussagen auf die Nazivergangenheit des Papstes zu schieben. Richtiger wäre es doch eher andersherum:
    Di katholische Kirche – die Kirche überhaupt ist doch, ebenso wie der Islam und auch das antike Judentum – vom Selbstverständnis und Wesen her zutiefst missionarisch. Und das beinhaltet doch gerade die grundlegende Auffassung, daß man selbst das absolute Heil und den einzig wahren Glauben vertrete. Wäre eine Ablehnung der Mission da nicht theologisch vollkommen inkonsequent?
    Deshalb bin ich in der Tat der Auffassung, daß es „Dialog“ zwischen Religionen, die davon überzeugt sind, die absolute Wahrheit zu vertreten, nicht geben kann – und bitte, wie soll ein fruchtbarer Dialog zwischen Judentum und Christentum aussehen?
    Was möglich sein sollte, ist respektvoller Umgang untereinander – aber ob rechthaberisches Sendungsbewußtsein nicht da schon ein schweres Hindernis darstellt…?

    Ich glaube, das sind Fragen, die sich zuallererst jeder selbst zu stellen hat – die aber eben verlangen, daß man sich selbst und seinen Glauben relativiert, was meiner bescheidenen Meinung nach sowieso die einzige Haltung ist, die einem Menschen im Dialog mit anderen (und mit G-tt sowieso) zukommt.
    Und um den Bogen zum Nationalsozialismus zurück zu schlagen: Ist eine Katastrophe wie sie der Nationalsozialismus mit Shoa und Krieg darstellt nicht fast schon die logische Konsequenz, wenn man diese religiösen Absolutheitsideen Politik werden läßt?

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