Rückblick

die semesterferien gehen nun zu ende und rückblickend muss ich sagen, dass „vorlesungsfreie zeit“ tatsächlich der bessere ausdruck ist. es ist einiges in den letzten wochen geschehen und von ferien war nicht immer etwas zu spüren. vielleicht bis auf die tatsache, dass ich morgens eine woche länger schlafen konnte.

in der nun folgenden zusammenfassung möchte ich zunächst mit wien beginnen.

Europäische Rabbinerin wien gab es ein zusammentreffen von rabbinerInnen und mitgliedern der progressiven gemeinden in ganz europa und aus den GUS-staaten. etwa 250 leute trafen sich. drei geiger studenten erhielten für die tagung eine einladung mit stipendium, so dass wir im grunde kostenfrei teilnehmen konnten. die tagung begann mit einer rabbinerkonferenz am vortag. für uns studenten war es ein idealer ort, um erste kontakte zu zukünftigen kollegen in ganz europa zu knüpfen, bzw. diese zu vertiefen (bild eins – ich bin ganz oben rechts noch gerade so zu sehen, leider haben nicht alle auf das bild gepasst).

es gab einen sehr interessanten shiur mit rabbiner rothschild, der der gastgebende rabbiner in wien war. die fragestellung, die er der runde stellte, lautete, wie weit die shoah bis heute das berufsleben von rabbinerinnen und rabbinern in europa dominiert. auf die spitze getrieben könnte man sagen, dass bis heute das jüdische leben geprägt ist, durch die, die ermordet worden sind. „es gibt immer jemanden, für den man jahrzeit sagen muss, es fehlen bedeutende lehrer, häufig fehlt die kritische masse, für einen minyan oder andere veranstaltung usw. – das handeln ist bestimmt, durch die, die fehlen“, so rothschild.

die reaktion darauf war, wie zu erwarten, ein bestimmtes „ja, aber…“. beeindruckt hat mich die reaktion von einem rabbiner – ich glaube er war aus ungarn -, dass die these von emil fackenheim, es gäbe ein 614 gebot, hitler nicht nachträglich gewinnen zu lassen, keine gültigkeit habe, denn dieses würde die definitionshoheit und die begründung für jüdisches leben in europa alleine darauf reduzieren. wir leben als juden nicht in europa, weil es hitler gab und wir ihm dadurch nicht nachträglich zu einem sieg verhelfen wollen, sondern weil wir hier leben und schon immer hier gelebt haben. es ist auch unsere heimat, auf die wir einen anspruch haben. und wir definieren selbst, wie, wo und warum.

mir ist in diesem zusammenhang wichtig, dass rothschild recht hat, wenn er sagt, dass uns lehrer, freunde, menschen fehlen, die uns in unserem leben hätten begleiten können, aber für eine neue generation, die wir rabbinerstudenten auch ausmachen, ist es wichtig zu schauen, was wir haben und wir haben etwas, was so keine generation vor uns hatte: wir sind Meine Geburtstagstorevernetzt mit hunderten von rabbinern und lehrern auf der ganzen welt. ja, uns fehlen progressive rabbinerInnen in berlin und in deutschland, die uns in unserer arbeit begleiten können, aber wenn wir fragen haben, können wir uns z.b. über internet schneller als jemals zuvor unterstützung holen. diese entwicklung ist zum glück unabhängig von hitler und es erstetzt nicht immer das persönliche gespräch, aber es ist ein schatz, der seine eigene strahlkraft hat.

die tagung ansich war geprägt von den üblichen vorträgen und der immer gültigen tatsache, das der vortrag, der workshop, in dem man selbst gerade war, der bessere war. es gab beeindruckende reden und langweilige reports, anregende gespräche und minuten, in denen man sich nach einem bett sehnte. wie schon im vorjahr hatte ich geburtstag während der tagung und wurde mit einer wunderbaren torte beglückt.

G'ttesdienstraum für den Shacharitsonntag früh hatte ich die ehre den shacharit leiten zu dürfen. ich habe hierzu einen siddur aus dem neuen amreikanischen siddur „mishkan tfila“ zusammengestellt. es war das erste mal, dass ich mit dem neuen siddur gearbeitet habe und ich muss sagen, dass es viel spass gemacht hat. es gibt interessante texte und vorschläge für den G’ttesdienst. mehr zu dem neuen siddur könnt ihr hier nachlesen.

hier ein paar eindrücke aus wien:

[rockyou id=109077400&w=426&h=319]

mein blog erlebte in den vergangenen wochen ein wahren höheflug als ich über die karfreitagsfürbitte geschrieben habe. über 700 views alleine für den ersten beitrag und knapp 2600 im ganzen märz. das war schon rekord. übrigens, mein beitrag erschien einige tage vor dem medienhype 🙂

tatsächlich hatte ich auch ein paar tage auszeit anschließend. diesmal waren ziele in deutschland angesagt: schwerin, hamburg, bad segeberg*, und münchen. zu den erlebnissen in bad segeberg werde ich morgen etwas im rahmen eines synagogentests schreiben. natürlich war ich auch wieder in hameln in „meiner“ gemeinde. meine praktikumszeit dort nähert sich vorerst einem ende. im mai werde ich noch zwei mal dort sein. wie es dann weitergeht entscheident sich sicher bald.

(c) by Damaso Reese
(c) by Damaso Reese

derzeit versuche ich, meinen studienplan für die kommenden wochen zusammenzustellen, was definitiv keine leichte aufgabe ist. wir haben deutlich mehr kurse am kolleg, was die möglichkeiten, an der uni kurse in den lücken zu finden etwas einschränkt. zu dem ist in diesem semester das angebot in potsdam etwas eingeschränkter, so dass meine begeisterung momentan nicht so richtig durchschlägt. da ich mich aber im vorletzten semester des BA befinde, ist jetzt auch eher nur noch die pflicht angesagt. es gibt einfach noch ein paar kurse, die ich „absitzen“ muss. leider. so viel für heute.

p.s.: vor knapp 4 wochen habe ich eine neue brille bekommen und es hat sage und schreibe bis montag gedauert, dass es jemand bemerkt hat. so schauen mich die leute an. 🙁 😉

Ein Gedanke zu „Rückblick

  • 13. April 2008 um 00:03
    Permalink

    > häufig fehlt die kritische masse

    Mit diesem Argument, das man häufig von verschiedenen Seiten hört, habe ich Probleme.
    Man sollte sich daran erinnern, dass z. B. die einst bedeutenden
    und seinerzeit international führenden Gemeinden von Worms, Mainz und Speyer („SchUM“)
    weniger Mitglieder hatten als die meisten Gemeinden in Deutschland heute.
    Das Judentum hat nie geglaubt, dass Quantität ein Ersatz für Qualität ist.

    > wir haben etwas, was so keine generation vor uns hatte:
    > wir sind vernetzt mit hunderten von rabbinern und lehrern auf der ganzen welt

    Vielleicht hatten frühere Generation kein Email als Kommunikationform,
    aber das Juden im allgemeinen und Rabbiner im speziellen
    international in engem und regelmäßigem Kontakt standen, ist nun wahrlich nicht neu.

    Gut Woch

    YM

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.