S.K.H. Prinz Hassan bin Talal von Jordanien الحسن بن طلال

(c) by Adrian Michael Schell

 so lautet der korrekte name des diesjährigen preisträgers des abraham geiger preises, der ihm am 4.märz. (also vor zwei tagen) abends in der bayerischen vertretung in berlin überreicht wurde. für das geiger kolleg war es ein riesen event, zu dem sich über 530 personen angemeldet hatten, plus pressevertreter. nach der ordination der ersten rabbinerstudenten im september 2006 wahrscheinlich das zweitgrößte in der geschichte des kollegs.

vor vertretern aus politik (die laudatio hielt wolfgang schäuble, weitere gäste waren u.a. bundestagspräsidentin a.d. rita süssmuth, einige bundestagsabgeordnete – ich habe volker beck gesehen) der kirchen, u.a. bischof huber, vielen vertretern der muslime und jüdischer gruppierungen und gemeinden (nathan kalmanowicz sprach für den zentralrat der juden) wurde prinz hassan für sein engagement für den jüdisch-muslimischen dialog gewürdigt. in der begründung der jury heißt es :

„Die Ehrung von Prinz Hassan als langjährigem Präsidenten der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden und des Club of Rome würdigt seinen Mut, mit dem er für Pluralismus, Dialog der Kulturen und Verständigung zwischen Juden, Muslimen und Christen eintritt. Der Ausgleich zwischen islamischer und westlicher Welt ist ein bedeutendes Anliegen des Prinzen in einer Zeit des Auseinanderdriftens. Wo andere die Differenzen betonen, hebt Prinz Hassan die kulturellen und religiösen Gemeinsamkeiten hervor.“

am beeindruckensten für ich war an diesem abend tatsächlich der prinz selbst, der in einer sehr intelligenten rede die aufmerksamkeit genau auf auf die stellen lenkte, die für ein gemeinsames „tikkun olam“ die ausgangsbasis und das ziel darstellen.

[um mehr bilder zu sehen, bitte eines der bilder anklicken]
nachfolgend einige auszüge seiner rede (die komplette rede kann hier in deutscher fassung nachgelesen werden, oder in englischer fassung hier):
[die ganze rede habe ich auch mitgeschnitten und auf youtube gestellt. die filme sind am ende dieses beitrages]
 

(c) Adrian Michael Schell… Abraham Geiger, nach dem dieser Preis benannt ist, war nicht nur ein Wunderkind, ein überaus fähiger Historiker und ein Mann von immensem Mut und Intellekt, sondern trat vor allen Dingen für drei grundlegende Prinzipien ein: die Gewissens- und Glaubensfreiheit, die akademische Freiheit und die politische Freiheit der gesamten Menschheit. …

… Um es mit den Worten von Imam Shatibi zu sagen: „Nu’adhem al-juwaame’ wa nahtarem al-furooq“- wir betonen die Gemeinsamkeiten und respektieren gleichzeitig die Unterschiede. Ich rede hier keinesfalls Gegenüberstellungen oder einer Synthese das Wort. Ich bevorzuge es, durch Analogieschlüsse zu lernen, was Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit erfordert, nicht nur hin-, sondern auch zuzuhören. Wir alle haben – Gott weiss – genug Monologe über den Dialog ertragen. …

… Als Muslime, Juden und Christen unterliegen wir alle dem gemeinsamen Erbe des spirituellen Dienstes unter ein und demselben Gott. Leider teilen wir auch die Sünde der Abweichung von den wahren Grundlagen des Glaubens. Ironischerweise untergraben viele Personen in dem Bemühen, die Traditionen und Sitten unserer gemeinsamen Zivilisation zu bewahren, die Grundfesten, auf denen sie aufgebaut wurde. Die Kinder Abrahams sind von ihrem Weg abgekommen. …

… Die Herausforderung für uns alle besteht darin sicherzustellen, dass die Auswirkungen der technologischen Entwicklung, der sozialen Veränderungen und der Globalisierung nicht zu einer weiteren Entrechtung oder Verunsicherung von Teilen unserer Gesellschaften führen. Ich bin der Meinung, dass wir diese Herausforderung mit Einigkeit und Zusammenhalt angehen und dabei Kraft aus unserem Glauben und aus unseren gemeinsamen Werten schöpfen müssen. Unser zukünftiges Wohlergehen hängt von einem ganzheitlichen Herangehen an Menschlichkeit und das Sicherheitsbedürfnis des Einzelnen ab, das notwendigerweise die stummen Opfer oder die „zum Schweigen gebrachte Mehrheit“ einschließt. …

… Im Kern geht es hier um eine Frage der Identität, und in diesem Bereich können Menschen mit gemeinsamer Erfahrung als religiöse Gemeinschaften einander behilflich sein, sich ohne Assimilation auf metaphysischer Ebene (bzw. ohne jede Aufgabe ihrer Loyalität gegenüber Gott) in vollem Umfang als loyale Mitglieder der Zivilgesellschaft einzubringen. Der Koran gemahnt uns, dass Verschiedenheit und Vielfalt als Bereicherung begrüßt werden sollten und voll und ganz unter die göttliche Vorsehung fallen. …

… Auch in meiner Heimatregion muss die religiöse Sphäre die gesellschaftliche ergänzen. Die Politisierung und die Degradierung unserer religiösen Hierarchien und unserer heiligen Städte haben einen Freiraum für diejenigen geschaffen, die in einem Klima des Fanatismus und der Intoleranz gedeihen. Heutzutage sind Gemeinwohl und Selbstlosigkeit aus der öffentlichen Ordnung verschwunden. Der Grundsatz des Zakat, einer der fünf Pfeiler des Islam, der den Gläubigen verpflichtet, einen bestimmten Anteil seines Vermögens in den Aufbau einer Zukunft für die Armen zu investieren, wurde durch den Nationalstaat gekippt, ohne an Ersatz oder die Folgen zu denken, und schlechtgeredet, indem er mit Terrorismus in Zusammenhang gebracht wurde.

Solange dieses gefährliche Missverhältnis nicht erkannt und angegangen wird, werden die Kanzelprediger und selbst ernannten Heiligen, die verzweifelte und verlorene Seelen umgarnen, weiter unsere Geschichte, unseren Glauben und unsere Bedürfnisse verdrehen und entstellen – mit schrecklichen Konsequenzen. Deren Zunft des Hasses feierte, genährt durch die Entfremdung und Entmündigung, die so leicht zu religiösem Fanatismus führt, in den vergangenen Jahren fröhliche Urständ’…

… Das politische Kräftespiel in unserer Welt ignoriert die existenziellen Bedürfnisse und die Realitäten von Menschen, die sich am Boden befinden. Petropolitik, also Ölpolitik, ist seit langem an die Stelle von Politik für Menschen getreten, und Demokratisierung in meiner Heimatregion wird mit großem Argwohn betrachtet. Demgegenüber hat das internationale Buchstabengebräu von Kürzeln, wie PfP für ‚Partnership for Peace‘, Euromed für ‚Euro-mediterrane Partnerschaft‘ oder OSZE für ‚Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa‘, die jeweils den Regierungen zur Abstimmung bei neuen Herangehensweisen an Sicherheitsfragen dienen sollen, kaum irgendeine Bedeutung für Menschen am Rande des Abgrundes. …

… In den ersten Jahren dieses neuen Jahrtausends hat die Menschheit eine Welt geschaffen, in der von egoistischen Politikern und aufgebrachten Massen die Unterschiede zelebriert werden. In diesem Zeitalter des inhaltslosen Geredes und der Schönfärberei sind wir weniger geneigt zu glauben, dass es in der Geschichte unserer Völker noch mehr Gemeinsamkeiten gibt als Kampf und Trennung. Unsere gemeinsamen Traditionen können uns jedoch noch so viel mehr lehren. …

… Jede Religion zelebriert das Konzept der „Wahrheit“ im Glauben. Doch für jeden aufgebrachten Gläubigen, der sich nicht die Zeit genommen hat, um seiner Seele Nahrung zu geben und sein spirituelles Erbe zu untersuchen, verliert die Wahrheit ihre Bedeutung, und die Gewalt wird sanktioniert. Gewalt und Glauben sind für Juden und Muslime unvereinbare Gegensätze, und durch eine Entstellung des Glaubens gerechtfertigte Gewalt ist vielleicht die größte Bedrohung für den Frieden in unserer Region und unserer Welt. …

soweit der kurze auszug der rede. die rede hielt der prinz übrigens mehrheitlich in deutscher sprache. die ganze rede habe ich mit meinem foto aufgezeichnet. auf grund der länge ist sie in vier teilen bei youtube gespeichert (bitte entschuldigt die wackler).

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=zyjxtRPnSvI]

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=pBN6fRMJFd0]

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=3-4NWiZ_Vyw]

[Youtube=http://de.youtube.com/watch?v=Gy2zCfaEGFE]

weiterführende links:

abraham geiger kolleg

website von prinz hassan

wikipedia

presseberichte:

WUPJ

2 Gedanken zu „S.K.H. Prinz Hassan bin Talal von Jordanien الحسن بن طلال

  • 7. März 2008 um 02:15
    Permalink

    …aber BITTE!

    Ein „Prinz“ von der Briten Gnaden, dessen Familie zusammenhangslos (und ggf. brutal, vgl. „schwarzer September“) über ca. 75% von Palästina herrscht… Ob noch lange?

    Je mehr man sich von solchen Fehlentwicklungen distanziert, umso besser. Korrekt heißt es übrigens „Transjordanien“ (im Ggs. zu Cisjordanien bzw. Westpalästina).

  • 9. März 2008 um 11:08
    Permalink

    Multi-Religious Statement

    Condemning Violence Targeting a Jerusalem Yeshiva

    We—Muslim, Jewish, and Christian—decry the violent attack targeting the Mercaz Harav Yeshiva in Jerusalem this week. The murder of eight students is a tragedy for all people of faith.

    We strongly condemn this act of violence at a Jewish religious seminary.

    Such aggression contributes to the vicious cycle of violence that has tormented Israel-Palestine and the region. Gaza has been under Israeli military attack for a week. Dozens of Palestinians have died on Israel’s southern border with the territory, where militants have launched Qassam rocket attacks into Israeli southern towns for more than a month. Just this week, international human rights groups announced that the desperate humanitarian conditions in Gaza are the worst they have been since 1967.

    Holy places must not be abused to incite violence or express hatred.Attacking holy spaces is one way that extremists violently abuse religion. Moderate voices are increasingly unheard. All who oppose violence must not remain silent or be indifferent toward human suffering.

    The way to advance peace in the region is for religious communities to cooperate, forging an alliance grounded in the moral principles shared by every faith tradition. As Muslim, Jew, and Christian, we are all bound by a common heritage of spiritual struggle under one God. Our collective voice and moral authority is greater than each of us standing alone. Together, we can help calm the rising hostilities and soothe the wounded and the grieving. Each of us is responsible for the well-being and safety of the other. This is a notion of “shared security” that Religions for Peace has helped advance in the international community.

    Together, we can work to build the peace that each of us finds so sacred—and so desired.

    Signed,

    HRH Prince el Hassan bin Talal

    President Emeritus, Religions for Peace, Jordan

    Rabbi Dr. Walter Homolka

    Principal of Abraham Geiger College at the University of Potsdam,

    Germany

    Dr. Hans Küng

    President, Global Ethic Foundation, Switzerland

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