Streitfall Religion

Unter diesem Motto „Welcher Gott ist zukunftsfähig?“ diskutierten Gestern: Walter Homolka, Rabbiner, Manfred Lütz, Theologe, Psychotherapeut, Asiye Köhler, Islamwissenschaftlerin, Pädagogin, Fiona Lorenz, Pädagogin, Vorsitzende des Humanistischen Verbands Rheinland-Pfalz unter der Moderation von Gert Scobel.

Passend zu den aktuellen „Streitfällen“ hätte dies ein interessanter Abend werden können, immerhin gibt es durchaus Themen, die kontorvers in der Luft hängen, aber irgendwie kam unter den vier keine rechte Streitlust auf.

Mit drei „provozierenden“ Einspielern versuchte das ZDF der Diskussion Nahrung zu geben, aber leider waren diese so platt und nichtssagend, dass sie eher verwirrten als eine Richtung vorzugeben und zum anderen gerade begonnene Kontroversen im Keim erstickten. Es blieb bei einem netten Stelldichein verschiedener Religionsrepräsentanten, die etwa 7-8 Minuten Sendezeit hatten, was zu sagen – ob nun passend oder am Thema vorbei.

Frau Köhler versuchte ihr – zugegeben sehr positives – Bild vom Islam zu übermitteln, scheiterte aber daran, dass dies niemand hören wollte (das Bild, der Islam sei eine ehrenmordbefürwortende Religion konnte sie mangels fehlender Sendezeit und rhetorischer Schlagfertigkeit nicht ausräumen), Manfred Lütz wollte lieber sein Buch verkaufen, sowie die Idee eines undogmatischen (und aus Großherzigkeit) missionarischen Katholizismus und Rabbiner Homolka genoß es sichtlich, dass alle das Judentum irgendwie liebten und keinen rechten Angriffspunkt fanden, auch dem Judentum einen kleinen Kratzer im allgemeinen Religionsbashing mitzugeben. Ach ja, da war auch noch die Vertreterin der Atheisten, die eigentlich nicht die Atheisten vertreten möchte, sondern all die, die eben nicht glauben. Ich erinnere mich, dass sie einen Sitz im Fernsehrat fordert, aber ansonsten war es auch nicht wirklich etwas neues.

Aber vielleicht irre ich mich ja und die vielen Fernsehkameras haben mich von der spannenden Diskussion abgelengt, deswegen schlage ich dringend vor: Schaut Euch die Debatte im ZDF am Donnerstag in der Nacht an, oder nehmt sie auf. Eure Eindrücke interessieren mich.

ZDF Sendetermine:
Donnerstag 22.05.2008 auf Freitag 23.05.2008 (VPS), um 00:15 – 01:00 Uhr im Nachtprogramm
Wdh. am 23.05.2008 04:25 Uhr Nachtprogramm

P.S. Anschließend waren einige noch in einem Kaffee um die Ecke und dieses Gespräch war spannender und erhellender als die 45 Minuten davor. Aber ich will nicht jammern, immerhin war ich mal bei einer Aufzeichnung dabei – und das war wirklich interessant!

10 Gedanken zu „Streitfall Religion

  • 19. Mai 2008 um 23:34
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    Machst Dich aber richtig gut :-)).

  • 20. Mai 2008 um 09:51
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    Hat es einen bestimmten Grund, daß keine Studenten d. AGK bei Limmud waren?

  • 20. Mai 2008 um 12:00
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    Ich frage mich, was die beiden Kimmentare mit dem Thema zu tun haben.
    Ich war auch dabei und kann Adis Eindrücke nur bestätigen. Die Diskussion hätte interessant sein können, wenn mehr Zeit gewesen wäre und man nicht dann, wenn es spannend wurde, abgebrochen hätte. Und dass Herr Lütz nur sein Buch verkaufen wollte, war nur peinlich.

  • 20. Mai 2008 um 17:54
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    Medbrain: Ich persönlich konnte wegen Terminüberschneidungen leider nicht. Ich bedaure es, aber man kann nicht alles machen und überall sein. Für die anderen kann ich nicht sprechen, aber im Grunde geht es den anderen Studentinnen und Studenten hier am Kolleg wie mir.
    Es waren aber einige Dozenten des Kollegs dort (Rabbiner BenChorin, Rabbinerin Marx, Mimi Sheffer, Hartmut Bomhoff).

  • 20. Mai 2008 um 21:25
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    Danke für die Antwort – ich habe schlichtweg keine andere Kommentarstelle gefunden Chayim.

  • Pingback: Streitfall Religion - Reaktion « 5767

  • 25. Mai 2008 um 21:51
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    Ich gewann nicht den Eindruck, daß Herr Lütz nur sein Buch hat verkaufen wollen. Er war mit Größenordnungen der redegewandteste Disskutant.

    Der Moderator hat sich tatsächlich meisterhaft darauf verstanden, jedweden Streit noch im Keime in einem Scheinkonsens gegenseitig vorgegaukelter Verträglichkeiten zu erstricken.

    Auch die Einführung des Atheismus als eine der mitstreitenden Religionen war bizarr.

  • 25. Mai 2008 um 21:54
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    Tschuldigung: „zu ersticken“

  • 26. Mai 2008 um 20:55
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    Okay, vielleicht habe ich das Werben von Herrn Lütz nur zu stark empfunden. Ich muss auch, nachdem ich die Aufzeichung gesehen habe, anmerken, dass er das Buch nicht in die Kamera gehalten hat (ich konnte dies von meinem Platz nicht so richtig sehen). Er hatte es jedoch anschließend in der Hand, so dass ich hier vorzeitig (falsche) Rückschlüsse gezogen habe.

    Ob er so redegewandt war, liegt im Auge des Betrachters, auf jeden Fall hat er viel Zeit in Anspruch genommen.

    Atheismus als Religion – gibt es Teilweise schon, so gibt es Humanistenverbände, sogar jüdische. Wenn der Nenner „Ich glaube daran, dass ich nicht glaube“ als gemeinsamer Nenner ausreichend ist, warum nicht. Ich bezweifle es jedoch. Und nur einen Verein zu gründen um ein paar Pöstchen mehr zu verteilen …

    Derzeit kämpfe ich mich durch Dawkins Gotteswahn. In den nächsten Tagen kommt ein schriftlicher Beitrag von mir hierzu – auf dieser Seite 🙂

  • 26. Mai 2008 um 21:34
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    Bescheidenheit ist nun einmal des Redners Stärke nicht. Ich will damit natürlich nicht behaupten, daß die Bescheidenheit von Herrn Homolka, von der der Mitschnitt ein bederdtes („beschwiegenes“) Zeugnis ablegt, keine falsche ist. Nur würde sich vielleicht nicht ungünstig auf den gesamten Hergang der Diskussion als solcher ausgewirkt haben, wenn er öfter das Wort ergriffen hätte.

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