Überlegungen zu Tasria

Einige Überlegungen zum Wochenabschnitt Tasria
und Shabbat HaChodesch 5768

Nachdem wir in den letzten Wochen in diesem Teil der Torah sehr viel über den Bau des Heiligtums und über Vorschriften für die Priester erfahren haben, wenden sich die Anweisung nun „uns“ zu, sie erklären, wie ein religiöses Leben für jeden einzelnen Juden aussehen sollte. Letzte Woche z.B. wurden die Speisegesetze (Kashrut) erklärt. Und in dieser Woche erfahren wir, wie die Israeliten mit bestimmten Krankheiten umgehen sollen. Mit einer kleinen Ausnahme zu Beginn des Abschnittes, der die Reinheit von Frauen nach der Geburt eines Kindes thematisiert, wird genau geschildert, wie ein Priester, ein Kohen, Menschen untersuchen soll, die eine Hautkrankheit haben, und woran er eine „gutartige“ oder „ansteckende“ Form dieser Krankheit erkennt. Wir erfahren aber nicht, wie man die Krankheit behandeln soll, sondern nur, ob die betreffende Person rein oder unrein ist.

Ich frage mich jedes Mal WARUM?

Warum lesen wir nicht, das der Priester zum Beispiel eine Salbe zubereiten und dem Patienten geben soll, oder dass der Patient eine besondere Therapie braucht. Gerade für uns Juden gilt doch, dass das Heilen von Krankheiten die absolut höchste Priorität genießt. Vielleicht geht es aber um gar keine Krankheit im wirklichen Sinne? Bis heute gibt es keine richtige Übersetzung für den Namen der beschriebenen Krankheit; in der Bibel ist von „Tzara’at“ die Rede. Und keiner weiß so richtig um welche Krankheit es sich dabei handeln könnte – auch Mediziner nicht, die sich darüber den Kopf zerbrochen haben.

Vielleicht hilft uns bei der Suche nach einer Antwort ein erneuter Blick in die Torah und die Wochenabschnitte, die unseren in dieser Woche umgeben. Unsere Parasha ist eingebettet in Handlungsanweisungen, Mitzwot, die uns heiligen, also rein vor G`’tt und unseren Mitmenschen machen. Und die beschriebene „Krankheit“ ist etwas, das eine Unreinheit sichtbar werden lässt. Es gibt zum Beispiel eine Stelle in der Torah, in der Miriam sich über Moshe lustig macht und schon bekommt sie diesen Ausschlag.

Wenn jemand von dem Ausschlag geheilt ist, so soll er oder sie, wie wir ebenfalls erfahren, ein „Sündopfer“ darbringen. Normalerweise erwartet man aber doch, dass man sich eher mit einem „Dankeschön“ an G’tt wendet, und nicht mit einem „Entschuldigung, es tut mir Leid“.

Wenn ich das Ganze auf heute übertrage, dann glaube ich, dass uns verdeutlicht werden soll, dass unsere Handlungen Konsequenzen haben, und diese sich nicht verheimlichen lassen. Und, dass wir manchmal nicht selbst fähig sind, unsere Handlungen bis in die letzte Konsequenz zu überblicken, und wir daher Hilfe von anderen brauchen, um wieder den richtigen Weg zu finden. „Tzara’at“, diese Krankheit, steht möglicherweise für leichtfertiges, unüberlegtes Handeln, das uns schnell isolieren kann. Aber so wie der Priester regelmäßig den Kranken von neuem untersucht und nach einer Zeit der Patient wieder „rein“ sein kann, nach dem er das „Sündopfer“ gebracht hat, so ist auch für uns der Weg zurück nie verschlossen. Im Judentum sprechen wir von „Teschuwa“, der Umkehr, die immer möglich ist, wenn man seinen Fehler erkennt, und sich dafür entschuldigt.

Es ist nicht immer einfach, seine Fehler und „Sünden“ selber zu sehen, aber deshalb sind wir eine Gemeinschaft, in der wir immer jemanden finden können, der uns dabei hilft. Damals waren es die Priester, heute sind es unsere Freunde, Familienmitglieder oder Mitglieder unserer Gemeinde.

Der kommende Shabbat hat einen besonderen Namen. Er heißt Shabbat „Ha Chodesch“ [der Monat], weil man an ihm einen besonderer Monat ankündigt, den Monat „Nissan“, in dem wir Pessach feiern, die Befreiung aus Ägypten.

Viele jüdische Ratgeber empfehlen, spätestens jetzt damit anzufangen, das eigene Haus, oder die Wohnung für Pessach vorzubereiten. Es bleiben nur noch gute zwei Wochen, bis zum ersten Sederabend, um die Wohnung „rein“ zu machen, um Brotreste zu finden, alles zu putzen und alle Lebensmittel, die nicht „kosher le Pessach“ sind, aus der Wohnung zu bringen.

Ich persönlich glaube nicht, dass es sehr schlimm ist, wenn wir nicht jeden Krümel finden, und wenn wir Lebensmittel aufheben, die aus Mehl bestehen. Im Gegenteil, Essen wegzuwerfen, ist meiner Meinung nach schlimmer. (Und Dinge symbolisch zu verkaufen ist eine für mich eine sinnentleerte Handlung, eine Ausrede, entweder ich schaffe alle Lebensmittel vorher aufzubrauchen, oder nicht. Wenn nicht, dann ist es nun mal so und ich sollte dazu stehen).

Aber: sind nicht unsere Wohnungen auch ein Abbild unserer Seele? Zeigen sie nicht, wie wir uns fühlen, und ob wir uns wohlfühlen? Es gibt vielleicht nicht nur das eine „Chametz“, das wir suchen sollen, sondern auch im übertragenen Sinn „Chametz“ in unserem Herzen, Dinge, die wir gesagt oder getan haben, und die uns „verunreinigt haben“.

In der Torah lesen wir viel zur Reinheit von Menschen, aber es gibt z.B. auch einen kurzen Abschnitt zu Häusern, die „Ausschlag“ bekommen können. Auch in diesem Fall glaube ich nicht, dass Häuser „krank“ werden können, aber sie können doch „unrein“ sein, vor allem dann, wenn wir nicht im Reinen mit unserer Umwelt sind. Und vielleicht ist es daher wichtig, nicht nur unsere Wohnung zu reinigen, sondern auch unser Innerstes.

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