Die kleine Box an der Tür

Ist es in Ordnung, bei entsprechenden Gegebenheiten (zB. Nachbarschaft) in Ausnahmefällen die Mesusah an der Innenseite des Türrahmens der Wohnungstür anzubringen?

Selbstverständlich ja. Fragen der Sicherheit gehen immer vor. Es ist sogar vollkommen in Ordnung, die Mesusah nur an der Wohnzimmertür und den Schlafräumen anzubringen, oder eben nur an der Innenseite des Türstocks zur Wohnung.

Damit meine Antwort etwas verständlicher wird, zunächst noch eine Erklärung zur Bedeutung der Mesusah im Allgemeinen:

Das, was wir generell als Mesusah – מזוזה (Mehrzahl Mesusot) bezeichnen, sind kleine Behältnisse, die an den Türen zu jüdischen Wohnungen, Häusern, Geschäften und Versammlungsorten angebracht werden. Sie können bunt, eckig, kurz, groß, klein, aus Glas oder Metall oder Holz oder Ton sein, selbst gebastelt oder gekauft sein, der Phantasie sind hierbei kaum Grenzen gesetzt. In den Behältern, die hebräisch Beit (Haus) heißen, befindet sich eine kleine Schriftrolle – קלף (Klaf) die handbeschrieben ist. Häufig ist das Beit mit einem Schin (ש) verziert.

Klaf einer Mesusah (Q: Wikipedia)Grundlage für das Gebot zum Anbringen der Mesusah bilden die beiden Torah-Zitat „Du sollst die Worte, die ich dir heute sage, schreiben an die Pfosten deines Hauses und an deine Türe.“, aus dem 5. Buch Moses (Devarim 6:4-9, 11:13-21), die zusammen mit dem „Schma Israel“ (W) auch den Text für die kleine Schriftrolle bieten. In der Reihe der vielen jüdischen Rituale hat auch dieses natürlich die Funktion, zwischen etwas zu unterscheiden. Jeder, der die Wohnung betritt, erkennt an der Mesusah, dass es sich um einen jüdischen Wohnort handelt, mit eigenen Geboten, Riten und Glaubensvorstellungen.

Ich denke aber, dass diese Bedeutung hier eher nebensächlich ist, da neben dieser eher „profanen“ Funktionen die Mesusah auch eine weitere, spirituelle Bedeutung hat. Sie soll uns Juden an den Bund mit G’tt erinnern, an die Mitzwot, die Ausdruck dieses Bundes sind, und an die Beständigkeit des Bundes, den wir von Generation zu Generation weitergeben, und an unser Bestreben, ein jüdisches Haus zu schaffen. Dafür braucht es nicht notweniger Weise eine Mesusah an der Eingangstüre, ich halte es aber für wünschenswert, wenn man eine in der Wohnung hat.

Nachbemerkung:

Immer mal wieder taucht die Frage auf, ob die Mesusah so etwas wie ein Amulet ist, etwas das Unglück vom Haus oder der Wohnung abhalten soll?

Das Klaf (die kleine Schriftrolle) ist fast ausschließlich nur auf einer Seite beschrieben. Auf der anderen Seite befindet sich nur ein Wort: „Schaddai שדי“, ein Name, der für G’tt gebraucht wird (eine häufige Übersetzung ist „Allmächtiger“). Wenn das Klaf richtig zusammengerollt ist, ist „Schaddai“ gut lesbar. Die drei Buchstaben, die dieses Wort bilden, sind auch die Initialen für den hebräischen Satz „שShomer דDaltot יIsrael“ – Hüter der Türen Israels.

Zum Teil wegen dieser Buchstaben, zum Teil, weil generell einige Menschen leichter für Aberglauben empfänglich sind, hat man der Mesusah den Status eines Amulets zugeschrieben. Erstaunlicherweise hat sich bis heute der Aberglaube gehalten, dass eine unkoschere Mesuzah die Ursache für Unglück sei. Ich schließe mich allerdings der generellen Meinung an, dass eine Mesusah nicht als „Schutzschild“ gedacht ist, und daher ein „Fehler“ auch keine Quelle für eine direkte g’ttliche Strafe sein kann.

(Quelle, u.a. auch: MyJewishLearning Dort findet man auch eine Anleitung zur Anbringung der Mesuzah.)

4 Gedanken zu „Die kleine Box an der Tür

  • 1. Dezember 2009 um 18:06
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    Ich denke, so verzichtbar ist die Mesusa nicht. Es steht, dass sie „an die Pfosten eurer Häuser“ gemacht sein soll. Es steht nicht: „wenn ihr unbedingt wollt“ oder „wenn euch kein Schlamassl damit passieren kann“, sondern dass wir sie dort hin machen sollen (müssen?).

    Die Frage ist natürlich, ob sie unbedingt schräg sein, ob es ein längliches Beis sein muss. Das ist natürlich nur rabbinische Auslegung, wie Du völlig korrekt schreibst ist der Kreativität keine Grenze gesetzt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es möglich ist, in einem Haus voller bestens ausgebildeten Hamaskriegern eine Mesusa an den Türstock zu machen, die keiner erkennen kann (z.B. in den Postkasten eingebaut, hinter einer Notiztafel für Gäste, …).

    Fragt sich, ob das sinnvoll ist. Zumindest ein Teil des Sinns ist verloren: wenn man die Mesusa nicht sieht erinnert sie auch nicht. Aber die Mizwe, sie an der Türe zu haben, die ist erfüllt. Und die steht in der Tora, sie zu erfüllen bringt niemanden in Lebensgefahr, daher ist sie absolut verbindlich.

  • 1. Dezember 2009 um 19:07
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    Johannes,

    wenn wir wirklich 100% der torah folgen würden, müssten wir die worte der torah auf die pfosten unserer häuser und tore schreiben. es steht dort nicht, wir sollen sie auf kleine rollen schreiben und dann in kleine häußchen stecken und an die türstöcke nageln. das ist eine rabbinische interpretation, der wir folgen.

    es steht in der torah eindeutig, dass wir leben sollen. die erfüllung der mitzwot sollen uns am leben erhalten und nicht in gefahr bringen. wenn gefahr für unser leben besteht, dann dürfen wir selbstverständlich jede mitzwah brechen (und russisch rulett zu spielen und darauf zu hoffen, dass niemand zu schaden kommt ist in diesem fall absolut dumm). frag deinen rabbiner. und schau, wo und wie du alles mesusot angebracht findest. gerade in israel finden sich die interessantesten beispiele.

    die idee mit der tür kommt meiner meinung nach daher, weil wir garantiert die tür mehrfach am tag passieren und dadurch auch an der mesusa vorbei kommen. zweck der mesusa ist es, uns an den bund mit G’tt zu erinnern (das ist die erfüllung der mitzwa). daher ist es keine gute idee, eine mesusa im postkasten zu verstecken. wir sollen sie ja sehen. also ist die lösung, sie an der innenseite der wohnungstüre oder an der wohnzimmertür anzubringen eine logische und meiner meinung nach auch halachisch zutreffende.

  • 1. Dezember 2009 um 22:30
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    In der Tora steht einmal nicht, ob außen, oder innen. Mit innen kann ich mich also durchaus – als Kompromiss – anfreunden.

    Mir war Dein Artikel einfach nur ein bisschen zu beliebig. „Es ist sogar vollkommen in Ordnung, …“ klang für mich nach: „wenn es halt nicht so gut kommt machen wir einfach keine, ist ja egal“ oder „es ist besser, keine zu machen“. Übrigens denke ich mir, ganz persönlich, wenn Mann keine Tefilim legt (die ja auch gleichzeitig und ebenfalls zwei Mal erwähnt werden), braucht er sich auch der Mesusa wegen keine großen Sorgen zu machen.

  • 1. Dezember 2009 um 22:56
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    okay. ich verstehe deine kritik.

    deinem letzten satz möchte ich aber trotzdem noch ganz gerne (auf die schnelle) widersprechen.

    1. wir wissen nicht, welche mitzwah wichtiger ist und welche weniger wichtig.
    2. tfillin sind ebenfalls nur eine interpretation der torah worte. die worte des ewigen am herzen zu tragen und an der stirn kann pysisch gemeint sein, daher die tfillin, aber auch rein geistig.

    ich habe eine entscheidung für mich getroffen, aber verurteile nicht die entscheidung anderer, wenn sie sich bewusst anders entschieden haben. wir alle sollten uns übrigens sorgen darüber machen, ob das, was wir tun das richtige ist. nur so wird es nicht zu einem beliebigen befolgen von dem was andere uns sagen. (nebenbei, ich lege tfillin und habe mesusot an meinen türen).

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