Ist Antisemitismus wieder hoffähig und wie steht die LINKE dazu?

Ich frage mich, ob die Abgeordneten der Linken und die Linke selbst, sicht von den Äußerungen  der Mitorganisatoren der Gaza-Flotille distanzieren werden, oder ob Antisemitismus längst wieder ein legitimes Mittel in der/ deren politischer Praxis ist?
„Denn die unter türkischer Flagge fahrende Mavi Marmara – auf der die israelischen Spezialkräfte attackiert wurden – wurde maßgeblich von der radikalislamischen türkischen Organisation IHH organisiert und finanziert. Deren Vorsitzender Bülent Yildirim hielt vor wenigen Tagen in Istanbul bei der Einweihungszeremonie für das Schiff … eine Rede, in der er unter anderem sagte: „Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina.“Ebenfalls bei der Feierstunde zugegen war Scheich Raed Salah, der Führer der „Abteilung Nord“ der Islamischen Bewegung in Israel. Salah verfügt nicht nur über gute direkte Kontakte zur Hamas, sondern hat in der Vergangenheit auch mehrfach antisemitische Hasspredigten gehalten. Darin führte er unter anderem aus, die Juden seien „Schlächter von schwangeren Frauen und Babys“, „Diebe“ und „die Bakterien aller Zeiten“; zudem bediente er alte Ritualmordlegenden: „Wir sind nicht diejenigen, die ein Mahl von Brot und Käse in Kinderblut essen.“ Der Sieg sei „mit den Muslimen, vom Nil bis an den Euphrat“. Salah war dann auch einer der Passagiere der Mavi Marmara –…“ gefunden auf http://www.sprachkasse.de/blog/2010/05/31/das-flottillendesaster/ – Kommentar von Yael

Werden deutsche Politiker dafür einstehen, dass jüdische Kinder in Deutschland nicht zu Opfern von antisemitischen Hasstiraden werden, oder nehmen sie das in Kauf, da eine kritische Haltung zur eigenen Politik ja weniger populistisch wäre. Muss ein jüdischer Student, wie es leider heute einem Bekannten von mir geschehen ist, sich Beschimpfungen von Mitstudenten gefallen lassen? Nur weil er Jude ist?

Wenn die Abgeordneten der Linken wirklich an einem zivilen Umgang mit Mitmenschen interessiert sind, sollten sie in Deutschland genauso aktiv dafür eintreten wie im Rest der Welt. Ich wünsche mir, dass die Linke genauso Medienwirksam gegen Antisemitismus auf die Straße geht, wie sie gegen Israel eingetreten ist. Es lässt sich nämlich zwischen dem Auftreten der Politiker der Linken, z.B. den Äußerungen des beliebten Herrn Gysi, und den antisemitischen Tendenzen, die nun Jüdinnen und Juden in Deutschland begegnen, erschreckende Ursache-Wirkung-Entwicklungen ableiten.
Bei aller gebotenen kritischen Betrachtung, bei allen Gefühlen, die gerade ausbrechen, bei allen politischen Diskussionen, es darf nicht dazu kommen, dass Antisemitismus, antisemitische Stereotypen, oder gar Gewaltaktionen gegen Teile der (deutschen) Bevölkerung eingesetzt , gebilligt oder gar wieder hoffähig werden.

Meine Forderung ist daher ganz klar und einfach: Die Bundestagsabgeordnete Inge Höger, ihre Kollegin Annette Groth und Norman Paech müssen sich von den antisemitischen Äußerungen ihrer Mitreisenden und Organisatoren umgehend distanzieren und sie müssen entschieden und glaubhaft gegen jede antisemitische Tendenz eintreten. Andernfalls sind sie als VolksvertreterInnen nicht tragbar und machen sich der geistigen Brandstiftung mitverantwortlich.

nachtrag: kritik an israel ist kein antisemitismus – um das klar zu stellen. das habe ich auch nicht behauptet. aber es ist antisemitismus, wenn jemand die auslöschung israels fordert, wenn jemand den tod von juden fordert, wenn jemand die bilder der nazis aufgreift um juden herabzuwürdigen.

und ja, ich erwarte von einer linken partei, dass sie sich von jeglichen antisemitischen äußerungen distanziert, die in ihrem umfeld geschehen, besonders, wenn es ein von ihr gesuchtes umfeld ist. sonst ist ihr parteiprogramm nur heuchelei und sie ist schlimmer als die, die den scheiss aussprechen, denn sie legitimiert es durch tollerierung.

wer behauptet links zu sein, muss auch entsprechend handel

34 Gedanken zu „Ist Antisemitismus wieder hoffähig und wie steht die LINKE dazu?

  • Pingback: Chajms Sicht » Flottille schlägt Wellen

  • Pingback: Tweets that mention Ist Antisemitismus wieder hoffähig und wie steht die LINKE dazu? « סימנייה -- Topsy.com

  • 2. Juni 2010 um 08:29
    Permalink

    Es ist doch bekannt, dass ein grosser Teil der Linke antisemitisch und anitisrael ist. Schon lange und nicht erst jetzt. Auch die Masse der linken, die nichts mit der LINKE zu tun haben sind antisemitisch und antiisraelitisch.
    Die Drei werden sich niemals nie von diesen Terror statements distantzieren. Never!

  • 2. Juni 2010 um 08:42
    Permalink

    Antisemitismus war und ist immer hoffähig, wie sonst ist es zu erklären, dass Israel immer anders be- und vor allem verurteilt wird als alle anderen Staaten. Die Welt hat sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass Juden sich nach gut 2 Tausend Jahren der Verfolgung wehren und nicht mehr darauf warten, wehrlos abgeschlachtet zu werden. Ich kann mich nicht erinnern, wann die Linke gegen die Raketen aus Gaza und Attentate protestiert oder sich gar in Sderot oder Ashkelon gegen die Gewalt an Juden demonstriert hätte! Schade ist nur, dass die gegenwärtige israelische Regierung eine Gabe dafür hat, in jedes Fettnäpfchen herein zu tappen und Israel mehr schadet als nützt, ob sie Recht haben oder nicht.

  • 2. Juni 2010 um 12:29
    Permalink

    English translation of: Is Anti-Semitism once again socially acceptable and what is the position of the LEFT?

    I wonder whether the deputies of the Left and the Left-party herself, will visible go into distance from the comments of the co-organizers of the Gaza flotilla, or whether anti-Semitism, has become again a legitimate tool in the / their political practice?

    „The Mission of the Mavi Marmara was largely organized and funded by the radical Turkish organization IHH . Its chairman Bulent Yildirim held a few days in Istanbul at the dedication ceremony for the ship … a speech in which he said among other things: „Israel behaves, as Hitler’s conduct towards the Jews. Hitler built concentration camps in Germany, and today the Zionist entity is building in Palestine concentration camp.“ He also present at the ceremony, Sheikh Raed Salah, leader of the Northern Division „of the Islamic Movement in Israel“. Salah not only has good contacts with the Hamas, but in the past has also repeatedly held anti-Semitic hate speeches. In one of them he stated, that the Jews are the „Butcher of pregnant women and babies,“ „thieves“ and „the bacteria of all time“, and he also served ancient ritual murder legends: „We are not the ones, who have a meal of bread and cheese in blood of Babys.“
    Salah was then one of the passengers of the Mavi Marmara – … „found on http://www.sprachkasse.de/blog/2010/05/31/das-flottillendesaster/ – Comment by Yael

    Will German politicians also stand before Jewish children in Germany who become victims of anti-Semitic hate speeches, or will they take into account, a critical position to their own policy, even if it is less populistic. Did we reached again the state, where a Jewish student, as it happend today unfortunately to a friend of mine, can be verbal abused by fellow students? Just because he is a Jew?

    When the deputies of the Left are really interested in dealing with a there fellows in a civilized manner, they should be engaged for civil rights in Germany as they are for as in the rest of the world. I hope that „the Left“ just uses their medial power to stand against anti-Semitism, as it has occurred against Israel. It can be drawn between the occurrence of the politicians of the left – eg the expressions of the popular Mr. Gysi – and the anti-Semitic tendencies, which now Jews in Germany are confronted with, shocking developments by analysing the cause and the effect.

    With all understanding for critical consideration, all the feelings, and all political discussions, it must not happen that anti-Semitism, anti-Semitic stereotypes, or even violent actions against parts of the (German) population are being used, approved, or even be presentable again.

    My claim is, therefore, quite clear and simple: MdB Inge Hoeger, her colleague Annette Groth and Norman Paech have to distance themselves immediately from the anti-Semitic comments of their fellow passengers and organizers, and they have to make a firm and credible statement against any anti-Semitic tendency. Otherwise they are as people representatives not sustainable, and they will as intellectual arsonist share the responsibility.

    vindictive: a critique of Israel is not anti-Semitism, but it is anti-Semitism when someone calls the eradication of Israel, when someone calls the death of Jews, when someone picks up the images of the nazis to disparage Jews.

    And yes, I expect from a leftist party that it dissociates itself from any Semitic utterances, what happens in their surroundings, especially if they have been outreached to this surrounding. Otherwise their program it nothing more than a hypocratic paper and they will be worse than those, who speak all the shit, because they legitimizes and tolerate it.

    Who claimed to be a left, has to act accordingly.

  • 2. Juni 2010 um 12:58
    Permalink

    Nun, ich denke, wenn es überhaupt ein Thema werden sollte – und wie schon die Vorkommentatoren bemerkten, ist es bei der Linken nichts neues, dass sie, sagen wir mal Israel nicht sonderlich wohlgesonnen sind und Juden am liebsten in der Vergangenheit betrachten – vermute ich mal, dass dann wiedermal Gysi vorgeführt wird der ja wie es immer so schönt heißt „aus einer jüdischen Familie“ stammt bzw. „jüdische Vorfahren hat“, daher könne er ja per se nicht…blablabla. Und wenn alle etwas kramen, finden sie auch irgendwo einen jüdischen Verwandten, den man dann prima als Rechfertigung anführen kann.
    Kurz, es wird das gleiche wie immer passieren. Eine Distanzierung von den Mitpassagieren o.ä. erwarte ich gar nicht erst, da sie nicht kommen wird. Man wusste doch vorher, mit dem man da friedlich aktiv sein wollte…

    Und für alle, deren mein soch sarkastischer Ton im Magen liegt, ich habe so meine Erfahrungen mit den Vertretern dieser Partei – vor und nach der Wende und bin zugegebenermaßen vorengenommen. Leider wurde ich immer bestätigt. Aber wer weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt….

  • 2. Juni 2010 um 17:18
    Permalink

    @Julia: Das ist schlichtweg Blödsinn. Erstens ist antiisraelisch nicht unbedingt gleichzusetzen mit antisemitisch (viele sind gegen das, was Israel tut, aber deshalb muss man doch keine Juden hassen) und zweitens sind die meisten Linken (unabhängig von der Partei) keinesfalls antisemitisch. Das würde auch gar keinen Sinn ergeben: wer für Gleichheit unter allen ist, kann niemanden ausschließen.

    Ich bin selbst links orientiert und wenn ich dann lese, dass ich ein Antisemit sein soll, dann finde ich das zum Kotzen. Das ist einfach eine dumme Verallgemeinerung und die, die sowas sagen gehen dann oft noch einen Schritt weiter und setzten alle Linken mit Autonomen gleich… prima

  • 2. Juni 2010 um 17:40
    Permalink

    Und was hat das alles mit der Tötung von 9 Menschen zu tun?

  • 2. Juni 2010 um 17:48
    Permalink

    Juna schrieb von der Linken nicht von Linken. Und was „Die Linke“ betrifft, kann ich das aus mehrjähriger Erfahrung unterschreiben.
    Daher erst lesen und dann meckern.

  • 2. Juni 2010 um 17:52
    Permalink

    gray: nur soviel, dass ich nicht will, dass es noch mehr opfer gibt und, dass die berechtigte debatte um den zwischenfall vor gaza nicht dazu genutzt wird, antisemitismus zu verbreiten.

  • 2. Juni 2010 um 18:03
    Permalink

    moritz, ja, die forderung nach differenzierung ist wichtig und berechtigt. deswegen habe ich in meinem artikel deutlich darauf hingewiesen, dass die äußerungen einiger mitreisender antisemitisch sind, undhabe das mit entsprechenden belegen dokumentiert (die kindermord geschichte ist ja nun wirklich unzweifelhaft antisemitisch).

    es ist aber gerade in diesem zusammenhang wichtig, dass ganz klar grenzen gezogen werden und vertreter einer partei, insbesondere wenn es sich um so populäre wie gysi handelt, müssen hier besonders hier handwerk beherrschen. wenn gysi in der öffentlichkeit sagt „die aktion des israelischen militärs war scheisse, aber ich warne davor, juden und israelis mit diesem vorgang in einen topf zu werfen“, hätte er einen deutlichen beitrag gegen die teilweise herrschende antisemitische stimmung getan.

    gleiches gilt für groth,peach und co. wenn sie interviews geben müssen sie, spätestens wenn sie auf die zweifelhafte reputation der mitreisenden und organisatoren angesprochen werden, entschieden gegenposition einnehmen, statt zu relativieren. zudem ist es sehr zweifelhaft, wenn frau groth in einem radiointerview zum besten gibt, dass die israelis weltweit in allen tv-sendern ihre propaganda wiedergeben. es ist das zweifelhafte bild vom juden, der die medien beherrscht, das sie hier bedient. eine bundestagsabgeordnete der linken darf so etwas nicht.

  • 2. Juni 2010 um 19:02
    Permalink

    nach der gestrigen pressekonferenz glaube ich nicht, dass die sich von den äußerungen ihrer mitfahrer distanzieren wedren. dann müßten sie sich nämlich auch gleich von sich selber distanzieren.

  • 2. Juni 2010 um 19:34
    Permalink

    „dass ich nicht will, dass es noch mehr opfer gibt und, dass die berechtigte debatte um den zwischenfall vor gaza nicht dazu genutzt wird, antisemitismus zu verbreiten“

    Soweit sind wir doch einer Meinung. Wobei ich davor warnen möchte, die anti-israelischen (eigentlich, anti-Netanyahu/Lieberman/Barak) Kommentare, die zur Zeit verständlicherweise Konjunktur haben, mit Anti-Semitismus zu verwechseln. Leider nehmen es viele Verteidiger der Regierungsaktion mit der Unterscheidung nicht so genau…

  • Pingback: Untersuchen und nicht Vorverurteilen « סימנייה

  • 10. Juni 2010 um 13:56
    Permalink

    @gray

    ihr schönreden von antisemitischen Äußerungen im Netz, weil angeblich oft „israelkritisch“, die ja nichts neues sind, ist erschreckend. Das ist es in den meisten Fällen nämlich eben nicht. Oft kann man das schon allein an der Wortwahl feststellen. Dabei spielt es keine Rolle, wer in Israel an der Macht ist.

  • 11. Juni 2010 um 16:01
    Permalink

    Yael: Ach wissen Sie, diese ständigen Vorwürfe von anti-semitismus, die beinahe ausnahmslos von der Annahme ausgehen, das das Verhalten des Staates Israel damit nichts zu tun hat, finde ich einfach nur lächerlich. Nehmen Sie z.B. die verstärkte Kritk an Israel im Augenblick: Wollen Sie etwa behaupten, diese wäre auf ein mysteriöses Ansteigen der Vorurteile zurückzuführen, und nicht eine Reaktion auf die sehr reale hardline-Politik der Regierung Netanyahu? Also, wirklich…

  • 13. Juni 2010 um 16:11
    Permalink

    Ihre Naivität ist ebenso erschreckend wie diese ständig überflüssige Anti-Antisemitismuskeule. Adios.

  • 13. Juni 2010 um 16:15
    Permalink

    Ja, ja, alles nur Israelkritiker. 😀

    Antisemiten im Bundestag

    Die Linkspartei hat ein Antisemitismusproblem, das nicht mehr kleingeredet werden kann.Denn die Vorfälle in der Partei, die einem nur mühsam als antiisraelisch kaschierten antisemitischen Weltbild entspringen, nehmen seit Jahresbeginn dramatisch zu.Dabei ist das Muster immer dasselbe: Scheinbar geht es um eine Kritik an Israel, faktisch entpuppen sich die Argumente aber im Kern als antisemitisch. Dies zeigt zuletzt die Teilnahme von zwei aktuellen und einem ehemaligen Bundestagsabgeordneten der Linkspartei auf der Gaza-Flottille und damit das offene Paktieren mit gewalttätigen Islamisten.

    http://www.welt.de/die-welt/debatte/article7964197/Antisemiten-im-Bundestag.html

  • 17. Juni 2010 um 15:10
    Permalink

    „Ja, ja, alles nur Israelkritiker.“
    DAS habe ich NICHT gesagt! Ich habe stattdessen zur sorgfältigen Unterscheidung zwischen berechtigter Israel-Kritik und echtem anti-Semitismus geraten. Vielleicht hätte ich das genauer präzisieren sollen. Aber solange es keine anerkannten Grundregeln zur Identifizierung von Anti-Semitismus gibt, artet jede Unterhaltung über das Thema in eine ergebnislose Grundsatzdiskussion aus, und zu so ener Zeitverschwendung habe ich keinen Bock. Und erzählen Sie mir jetzt nix über den 3-D Test, der ist so weit gefaßt, daß er sogar viele Juden trifft.

  • 17. Juni 2010 um 16:44
    Permalink

    Gray (ist das eigentlich dein richtiger Name?),

    die Frage ist, wohin die Israelkritik führen soll. Leider enthält sie oft eine Botschaft, die letztendlich den Staat Israel in Frage stellt. „Die Ur-Sünde war die Gründung des Staates Israel“. Diese Botschaft kann nicht hingenommen werden und sie ist für mich und auch für viele andere nichts anderes, als Antijudaismus im neuen Gewand. Wenn diese Botschaft von Israelis und /oder Juden kommt, wird sie daher nicht besser. Es gibt auch Amerikaner, die die USA am liebsten von der Landkarte haben wollen. Die Souverenität des Staates Israel steht nicht zur Debatte. Zur Debatte steht, wie ein Friedensplan aussehen kann, der Frieden für die ganze Region in Aussicht stellt.

    Adrian

  • 17. Juni 2010 um 18:37
    Permalink

    Vom wen anerkannt? Von Ihnen? Ist es dann erst richtiger.
    Ich lege die Arbeits-Definition von Antisemitismus
    nach der European Union Agency for Fundamental Rights zugrunde.
    Und was heißt es trifft auch Juden? Dass Juden auch antisemitisch sein können, ist ja nichts neues.

  • 17. Juni 2010 um 23:12
    Permalink

    „Gray (ist das eigentlich dein richtiger Name?)“ – nee, aber zumindest die richtige Haarfarbe! Ist das Pseudonym, das ich durchgehend auf US Blogs benutze, aber auch bei Ha’aretz.

    “Die Ur-Sünde war die Gründung des Staates Israel” – das geht auch mir zu weit. Aber mit denen, die Probleme damit haben, wie das gelaufen ist (ohne Verfassung, und ohne Plan wie mit den Arabern umgegangen werden soll (und daran ist auch die UN schuld)) sollte man doch wenigstens reden. Als Deutscher ist die besondere Problematik natürlich, daß man sich darüber im klaren ist, daß der Holocaust die Ursache für das Palästina-Problem war. Unter anderen Umständen hätte der Staat Israel vielleicht ohne so großes Blutvergießen, und auf einer solideren Grundlage entstehen können. Damit haben wir als Nation nicht nur eine Schuld gegenüber den Juden, sondern auch den Palästinensern, finde ich.

    Und die Debatte, finde ich, sollte nicht nur über die Details eines Friedensplans geführt werden, sondern auch über die langfristige Strategie, wie eine Normalisierung der Beziehung zwischen den Völkern erreicht werden kann. Dabei kann es nicht um Monate gehen, sondern um Generationen. Gesellschaftliche Veränderungen brauchen lange Zeit.

  • 18. Juni 2010 um 09:37
    Permalink

    „die Arbeits-Definition von Antisemitismus nach der European Union Agency for Fundamental Rights“
    ->“Antisemitism is a certain perception of Jews, which may be expressed as hatred toward Jews. Rhetorical and physical manifestations of antisemitism are directed toward Jewish or non-Jewish individuals and/or their property, toward Jewish community institutions and religious facilities.”

    Da muß wohl noch sehr dran gearbeitet werden! Ganz spontan sehe ich schon drei verschiedene Probleme damit: Erstens die völlig unklare Phrase „certain perception“. Ja, welche bestimmte Wahrnehmung denn? Das ist doch gerade der Kern der Sache! Zweitens, bei „Jews“ fehlt der Zusatz „in general“. Beim Anti-Semitismus geht es aber doch um generelle Vorurteile gegenüber Juden. Wer dagegen, sagen wir mal, Michael Friedman haßt, dem fehlt es zwar sicher an Nächstenliebe, aber deswegen ist er noch kein Anti-Semit. Und drittens, was haben denn die Auswirkungen des Anti-Semitismus in der Definition zu suchen? Man kann doch nicht das Pferd beim Schwanz aufzäumen, das ist doch einfach keine rationale Vorgehensweise.

    Also, ich bin unterwältigt. Ganz offensichtlich ist die Arbeit noch in einem sehr frühen Stadium, ganz kurz nach dem brainstorming. Hoffentlch kommt da irgendwann überhaupt noch was Brauchbares bei raus.

  • 22. Juni 2010 um 10:17
    Permalink

    “Die Ur-Sünde war die Gründung des Staates Israel” – das geht auch mir zu weit. Aber mit denen, die Probleme damit haben, wie das gelaufen ist (ohne Verfassung, und ohne Plan wie mit den Arabern umgegangen werden soll (und daran ist auch die UN schuld)) sollte man doch wenigstens reden.

    Wieso ohne Plan? Die Aussage war ganz klar, man will mit den Arabern in Palästina (Palästinenser waren sie nie, siehe UN-Teilungsplan) friedlich zusammenleben! Das ist doch ein Plan und ein (für die Araber) sehr guter noch dazu. Man hat dem Plan auch taten folgen lassen:

    Universitäten, Schulen, Bürgerrechte und Sozialhilfe für alle palästinensischen Araber eingeführt, ja auch für eine Minderheit die arabische Sprache als zweite Staatssprache eingeführt! Was war der Dank dafür? Rund zehn Kriege, arabische Knesset-Abgeordnete, die sich mit Islamofaschisten an einen Tisch setzen und Israel vernichten wollen. Nicht die UN ist Schuld, ganz und gar nicht. Die arabischen Staaten und nicht zuletzt die Menschen in Palästina haben sich das eingebrockt.

    Mit einer Verfassung hat das übrigens überhaupt nichts zu tun, auch Deutschland war besetzt, war geteilt, war unter Druck und hat bis heute keine Verfassung. Trotzdem blüht Deutschland, warum blüht also die palästinensische Autonomie nicht? Wo sind die Milliarden an Dollar, Pfund und Euro? Wo sind die Universitäten, Schulen und Krankenhäuser, die es längst mit wenig Geld geben müsste? Sei prasseln als Kassam-Raketen auf Israel nieder!

  • 23. Juni 2010 um 18:46
    Permalink

    „Die Aussage war ganz klar, man will mit den Arabern in Palästina (Palästinenser waren sie nie, siehe UN-Teilungsplan) friedlich zusammenleben!“
    Ach Unsinn. Man plante ganz klar nur für den Kriegsfall. Irgendwelche Angebote an die Palästinenser, insbesondere solche für ein friedliches Zusammenleben, wurden nicht gemacht. Ganz im Gegenteil wurde dann psychologische Kriegführung betrieben, um möglichst viele „Araber“ aus den Israelischen Gebieten zu vertreiben. Vieles davon kann man verstehen, im Hinblick auf die vorhandenen Spannungen, und die feindliche Haltung der Nachbarstaaten. Aber beschönigen sollte man das nicht! Tatsache ist, schon 1948 gab es viele Extremzionisten, die die Palästinenser nicht im Land sehen wollten. Und die haben ihre Aktionen durchgezogen.

    „Universitäten, Schulen, Bürgerrechte und Sozialhilfe für alle palästinensischen Araber eingeführt“
    Für die arabischen ISRAELIS, meinen Sie wohl! Und das ist doch wohl selbstverständlich, und keine besondere Errungenschaft. Gleichbehandlung für alle Staatsbürger ist ein Kennzeichen einer modernen Demokratie. Allzuweit ist es allerdings in Israel damit nicht her, wenn man mal die tatsächlichen Gegebenheiten betrachtet.

    „arabische Knesset-Abgeordnete, die sich mit Islamofaschisten an einen Tisch setzen und Israel vernichten wollen“
    Solche hetzerischen Verleumdungen haben in einer vernünftigen Diskusion nichts zu suchen. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

  • 28. Juni 2010 um 14:10
    Permalink

    @ Grey

    Es wäre dringend an der Zeit, wenn sie die Geschichte um die Region Palästina genauer studieren würden – sich auf Verfälschungen zu stützen und gewisse wichtige Aspekte einfach auszublenden ergibt dann das, was wir oft als Antisemitismus empfinden.

  • 28. Juni 2010 um 15:37
    Permalink

    ich war ja einige tage nicht online in meinem blog unterwegs und daher ist mir die diskussion ein wenig aus den augen geraten. hier nun kurz ein paar kommentare:

    ursünde staatsgründung: leider gibt es diese theorie, die weit in linken kreisen vertreten ist. ursache allen übels ist die gründung israels. hätte es die nicht gegeben, so die theorie, wäre die welt heute friedlicher. folgt man dieser vorstellung, ist die einzige lösung für den konflikt die beseitigung des grundübels: israel. ich möchte nicht jedem unterstellen, dass er die existentz des staates israel in frage stellen möchte, aber die schlussfolgerung liegt auf der hand. viele, die zwar die theorie direkt oder indirekt in ihrer argumentation verwenden, sollten sich nicht wundern, dass sie damit nur bei antisemiten punkte bekommen. die infragestellung des staates israel ist antisemitismus. (grays theorie, die staatsgründung ist dabei übrigens nur eine unangenehme variante).

    gray: tatsächlich geht es israelischen arabern im vergleich zu vielen arabern in der region überdurchschnittlich gut, wenn wir rein ökonomische maßstäbe anlegen. es gibt diskrimminierungen und die israelische bürgerrechtsbewegung ist sich dessen sehr bewusst und erstreitet stück für stück verbesserungen. wenn wir rein die situation der araber im kernland israels betrachten, steht dies außer frage und eine großzahl von arabern wird dir das bestätigen.
    die situation der araber / palästinenser in der westbank ist bekanntlich schlechter, aber immer noch nicht so dramatisch, wie es nach deinen aussagen klingt. hier muss man aufpassen, nicht opfer von propaganda zu werden. der lebensstandard dürfte nach meiner einschätzung vergleichbar eines osteuropäischen landes sein und damit höher als teilweise im irak,iran, und jordanien.
    die situation im gaza streifen ist wiederum eine andere, aber dazu habe ich schon genug gesagt.
    ich möchte nicht ausklammern, dass es neben den ökonomischen fakten auch psychologische gibt. hier gibt es große „offene wunden“.

    die ausbildungschancen sind erstaunlich gut, für araber und israelis. das schulsystem ist offen und wer dir erzählt hat, dass arabische kinder keinen gleichwertigen zugang zu schulen haben, ist nicht ganz bei der sache. in der westbank gibt es allerdings ein großes problem: die schulen unterstehen politischen einfluss von fatach, hamas oder anderen politischen oder religiösen gruppen. geld für die schulen fließen nach politischen entscheidungen der jeweiligen gruppierung innerhalb der palästinensischen verwaltung.

  • 28. Juni 2010 um 18:36
    Permalink

    Apropos doppelter Standard:

    In Gaza gibt es momentan eine Stromkrise. Was wäre denn wieder mal los, wenn man Israel die Schuld geben könnte (wie sonst üblich)? Richtig: Der Teufel wäre in Europa los.
    In meinen Augen sieht man genau an diesem Beispiel, wie egal der Rest der Welt die Palästinenser sind, solange Israel nicht involviert ist. Diese Verlogenheit ist es, die mich zu der Erkenntnis bringt, dass viel mehr Antisemiten unterwegs sind als es für andere auf den ersten Blick erkennbar ist. Für Menschen, die sich seit Jahren damit intensiv auseinandersetzen ist das schon lange sehr deutlich erkennbar.

    „UNRWA kritisiert innerpalästinensische Kämpfe

    Die schweren Konflikte zwischen den Palästinenserfraktionen erregen zunehmend den Unmut der UNRWA. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sah sich nun veranlasst, zu einer Einstellung der Kämpfe aufzurufen, um eine entstehende Stromkrise im von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen abzuwenden.

    „Es ist so eine Tragödie, dass wir – zusätzlich zu den anderen Krisen, die wir im Gaza-Streifen haben – nun eine Stromkrise haben“, zitiert die Nachrichtenagentur den UNRWA-Direktor in Gaza, John Ging. „Es ist eine unerträgliche Situation hier im Moment, und sie muss schnell gelöst werden. Es ist ein palästinensisches Problem, das von Palästinensern geschaffen wurde und palästinensisches Leiden verursacht. Lassen Sie uns also eine palästinensische Lösung finden.“

    Das einzige Kraftwerk in Gaza, das gewöhnlich 25% des Stromverbrauchs von Gaza liefert, wurde wegen Zahlungsstreitigkeiten zwischen der Hamas und der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) am Wochenende geschlossen.

    Die EU hat ihre Hilfszahlungen zurückgeschraubt und verlangt von der PA, andere Wege der Kostendeckung zu eruieren. Die PA wiederum fordert von der Hamas, sie solle ihren Anteil bezahlen.

    (The Jerusalem Post, 27.06.10)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.