friedensterroristen

eine persönliche stellungnahme

natürlich bin auch ich schockiert. die eskalation vor dem  gaza-streifen berührt mich in vielfacher hinsicht und macht mich  hilflos. hilflos, weil kein argument helfen wird, um das was geschehen  ist, nämlich den tod von menschen, rückgängig zu machen ist, und  hilflos, weil es nicht möglich ist, jemals objektiv das zu beschreiben,  was passiert ist.

die reaktion deutscher medien und die vieler meiner freunde ist eindeutig: israel hat überreagiert und hat sich völkerrechtswiederig verhalten. israel hat dringend beötigte hilfe für den gaza-streifen blockiert. und und  und. wie soll ich auf solche vorwürfe reagieren, wenn ich, wie viele andere auch, nur die halbe wahrheit als die ganze ansehen möchte.

mein erster facebook-eintrag drückte daher aus, was mir sofort mein bauchgefühl sagte: deutsche medien sind opfer von friedensterroristen geworden. friedensterroristen haben es mal wieder geschafft, israel an den pranger zu stellen.

friedensterroristen ist natürlich ein hartes wort, da es eigentlich einen nicht vereinbaren gegensatz ausdrückt, er drückt aber genau aus, was mir durch den kopf geht, wenn ich die aktion „free-gaza“ näher betrachte: terroristen interessieren sich nicht für menschen. um ihre ziele durchzusetzen gehen sie ggf. über leichen. und genau dies ist hier geschehen. sie haben einen einsatz für den frieden missbraucht, um einen krieg gegen israel zu führen.

in israel steigt die angst vor einem neuen krieg. menschen wie du und ich sehen recht negativ in die zukunft. sie sehen israel zunehmend isoliert und in eine ecke gedrängt, aus der es sich nicht mehr selbst befreien kann. sie haben angst, dass auf dem höhepunkt dieser isolation israel militärisch angegriffen wird und niemand da sein wird, der israel zur seite steht. alle werden sagen, israel hat das ja selbst zu verantworten.

aber ist dem wirklich so?

meiner meinung nach hatte die aktion „free gaza“ nie zum ziel, hilfsgüter in den gaza-streifen zu bringen. es ging den organisatoren ausschließlich darum, israel zu provozieren, handlungen zu erwirken, die medientauglich gegen israel eingesetzt werden können. in zeiten von massenmedien braucht es keine waffen mehr, um einen staat sturmreif zu schießen. es gibt keinen grund daran zu zweifeln, dass die israelische regierung die hilfsgüter nicht auf dem landweg in den gaza-streifen hätte bringen lassen. eine echte hilfsorganisation hätte sich, zum wohle der ihr selbst auferlegten maxime „menschen zu helfen“ darauf eingelassen. menschen in gefahr zu bringen, oder gar willentlich einem bewaffneten konflickt auszusetzen ist keine eigenschaft für eine friedensorganisation.

ja, ich glaube, dass die aktivisten sich, vergleichbar der hamas, zivilisten bedienst hat, um das zu erreichen, was sie wollten. und nein, ich glaube nicht, dass alle 700 aktivisten terroristen sind, vielen kann ich einfach nur naivität vorwerfen. wer geglaubt hat, mit einer solchen aktion den friedensprozeß in eine neue, positive richtung zu lenken, hat die dimension des konfliktes nicht im geringsten erkannt.

die situation der menschen im gaza streifen ist nicht  menschenwürdig. es muss schnell eine lösung gefunden werden. dies geht  aber weder mit der axt, noch gegen den willen von ägypten und israel. eine zweistaatenlösung lässt sich nicht auf dem rücken von menschen erzwingen.

mehr lesen: u.a. auf: http://www.sprachkasse.de/blog/2010/05/31/das-flottillendesaster, auf http://www.arzenu.de, und auf http://ronyitzchak.wordpress.com/2010/05/31/die-sache-mit-dem-frieden/

16 Gedanken zu „friedensterroristen

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  • 31. Mai 2010 um 12:22
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    Andreas schrieb mir auf FB:
    „Adrian,
    der Begriff „friedensterroristen“ geht einfach zu weit. Israel versucht seit geraumer Zeit den Gazastreifen, in dem es seine Besatzung aufgegeben hat, abzuriegeln. Dazu hat Israel kein Recht. Es gibt keine einzige v… Mehr anzeigenölkerrechtliche Norm, auf die Israel eine solche Abriegelung stützen kann. Deshalb ist sie mehrfach und von einer Vielzahl von Staaten verurteilt worden. Bei aller Kritik, die man an Hamas haben muss, muss sich auch Israel an Recht und Gesetz, in dem Fall Völkerrecht, halten.“

    meine Antwort:
    andreas, nein, er beschreibt leider genau das, was die ursache f… Mehr anzeigenür diese katastrophe ist. unter dem deckmantel für frieden einzutreten, haben terroristen eine aktion gegen den staat israel gestartet. es geht darum, den staat israel zu isolieren und nachhaltig zu schwächen, um ihn in (wahrscheinlich) naher zukunft militärisch anzugreifen. man nennt dies sturmreif schießen. in zeiten von internet und massenmedien geschieht das halt durch spektakuläre mittel. die waffen sind dabei keinesfalls gleich. israel ist eindeutig die schwächere seite, da anti-israelismus (und antisemitismus) willkommene kampfesbrüder sind.

    und lass bitte völkerrecht aus dem spiel. es ist ein nettes wort, ohne wirkliche bedeutung und vor allem ist völerrecht nicht an menschen interessiert. wo sind die empörten kämofer für die unterdrücke bevölkerung in nord-korea. seit jahren hungern dort die menschen und kein linker abgeordneter setzt sich in ein boot um lebensmittel zu bringen.

    der gaza streifen ist immer noch kein unabhängiger staat. er steht unter verwaltung von israel, nachdem ägypten kein interesse mehr daran hat. er wird durch eine terror-organisation regiert, die unter anderem die freiheitsrechte von frauen auf das übelste beschnitten hat.

    ja, den menschen muss geholfen werden. aber bitte nicht durch schwachsinnige aktionen, die niemanden helfen sollen, außer dem eigenen ego zu dienen. wenn die linke, bzw. die beiden abgeordneten wirklich etwas für die bevölkerung in gaza tun möchte, dann sollte sie die mittel der politik, die ihnen als volksvertretern zur verfügung stehen, nutzen und sich nicht einer terroristischen vereinigung anschließen. ich bleibe dabei.

  • 31. Mai 2010 um 12:38
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    Adi hat vollkommen recht. Was wir hier sehen ist der Versuch, Israel (wieder einmal) an den Pranger zu stellen. Es stimmt mich traurig, dass wir jetzt schon nicht mehr von den Opfern reden. Wer waren sie? Wo kamen sie her? Und dann, wie steht es um die Menschen in Gaza? Warum tut Hamas nichts für sie? Was motiviert die Verantwortliuchen dort, ihre Bevölkerung leiden zu lassen? Ich verstehe es nicht und finde es schwer zu rechtfertigen. Ja, wir haben es hier mit einer neuen Dimension des Terrorismus zu tun. Unter dem Denkmantel für „Frieden“ zu sein (für den wir übrigens alle sind) wird zu Gewalt und Straftaten gegriffen. Wer wirklich an Frieden interessiert wäre, würde den Dialog suchen und nicht auf Konfrontation gehen und dadurch Menschenleben gefährden. Und wer Menschwenleben gefährdet, ist letztendlich auch für die Konsequenzen verantwortlich.

  • 31. Mai 2010 um 13:07
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    Mehr aus FB:

    ANDREAS:
    Den Menschen ist anscheinend geholfen, wenn man sie verrecken l… Mehr anzeigenässt.

    Ich war in Israel, kanne das Land und die Geschichte. Aber dir hat anscheind die Religion die Sinne vernebelt. Du konntest doch früher klar denken. Lies doch mal was die Schiffe an Bord hatten. Klar ist der Terrorismus der Hamas abzulehnen, aber die Bevölkerung dafür zu strafen und Hilfsgüter in internationalen Gewässern anzugreifen. Wenn das 700 terroristen waren, warum hat man sie dann nicht mit den guten deutschen U-Booten, die Israel hat, versenkt. Dann wäre Ruhe gewesen! Keiner wäre mehr auf die Idee gekommen auch nur in die Nähe zu kommen.

    Hallo Adrian, wach auf, du gehst den Fundamentalisten in Israel auf den Leim. Höre dich mal bei den Israelischen Friedensaktivisten um.

    PEER:
    @andreas: ist das jetzt als anti-israelismus getarnte religionskritik? wenn nicht, solltest du wissen, dass gerade eine ordentliche debatte um talmud oder halacha insgesamt die sinne auf’s beste schärfen kann und man da ohne klaren geist schnell auf der strecke bleibt … du magst deinen marx gelesen haben, aber seine opium-these trifft nicht immer

    ANDREAS:
    @ Peer: Siehste, dass ist genau das Problem. Jede Kritik, ob an der Religion oder an der Regierung, wird einem als anti-israelismus ausgelegt. Ich liebe Israel, Israel ist ein tolles Land mit tollen Menschen. Dazu geh… Mehr anzeigenören Juden, Drusen und auch Palestinenser usw.. Ich habe gute Freunde in Israel und auch bei den israelischen Gewerkschaften. Deshalb kann ich aber an der Politik und an Handlungen der israelischen Regierung trotzdem Kritik üben. Man kann doch nicht 1,5 Millionen Menschen unter Kollektivstrafe stellen. Die Kritik übe ich genauso an den Amerikanern -ohne anti-amerikanisch zu sein, an der deutschen Regierung -ohne gleich auswandern zu müssen, an der palestinensischen Regierung, der Hamas und wie die Gruppen alle heisen, die endlich den Staat Isreal anerkennen müssen, aber auch an der israelischen Regierung. Und das hat nichts mit Opium zu tun, sondern mit Menschenrechten und Menschenwürde, die man versuchen sollte weltweit zu achten.

    ADRIAN:
    andreas. meine religion hat nichts mit meinem politischen sachverstand zu tun. (wenn ich nicht ein paar klardenkende freunde bei den linken h… Mehr anzeigenätte, wäre ich jetzt versucht zu sagen, dass dein eintritt bei den linken, deinen politischen sachverstand geschadet hat, so denke ich einfach nur, dass dich gerade deine gefühle ein wenig auf dem falschen fuss erwischt haben. überlege mal, was es bedeutet, einem juden vorzuwerfen, politisch zu handeln)

    ich habe nirgens geschrieben, dass ich die menschen in gaza verrecken lassen möchte. daran ist niemand hier in israel interessiert.

    ich glaube aber, dass die aktivisten von free gaza wirklich kein interesse an den menschen in gaza hat und ich befürchte, dass sie schlicht und einfach gut-meinende menschen instrumentalisiert hat. noch einmal, die hilfsgüter sollten von aschdod über den landweg nach gaza gebracht werden. wenn das wirklich das ziel der aktivisten war, warum haben sie das nicht gemacht. es hätte für medienaufsehen gereicht. aber lieber wollte man alles daran setzen, mit dem kopf durch die wand zu gehen. ich glaube es wäre den aktivisten am liebsten gewesen, ihr boot sei versenkt worden.

    die internationale gemeinschaft könnte längst eine lösung gefunden haben, wäre sie wirklich an den menschen interessiert. und linke anti-israeliten wären gut beraten, sie würden nicht nur hamas-quellen glauben und noch mehr gut beraten, sie würden die selben maßstäbe für alle konflikt-parteien ansetzen. menschen-rechte gelten nämlich für alle menschen.

    das problem, du hast nicht kritik an meiner politischen überzeugung genommen, sondern an meiner religion. du hast ganz klar eine antisemitische stereotype benutzt.

    niemand hat was dagegen, wenn du israel kritisierst. und genauso sollte es mir in einer debatte erlaubt sein, auf sachlicher ebene zu antworten.

    in dem augenblick, in dem du … Mehr anzeigenmeinen glauben als argument benutzt, handelst du unsachlich. ließ dir noch einmal durch, was du geschrieben hast und vielleicht leuchtet dir dann ein licht auf. ich hoffe es zumindest

  • 31. Mai 2010 um 19:26
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    und noch einmal:

    andreas:
    Die gleiche „antisemitistische Stereotype“ benutze ich bei den Evangelikalen in Amerika (Nord- und S… Mehr anzeigenüd-) genauso, wie in Deutschland bei Katholiken und Evangelikalen und auch bei Anhängern des Islam. Das ist für mich ein religiöser Fundamendalismus, der die Sinne vernebelt. Nicht gegen Religion, aber wenn die das ganze Leben bestimmt….. Entschuldige, wollte deine religiösen Gefühle nicht beleidigen. Aber kann es nicht sein, dass du dich da in was hineinsteigerst, was du gar nicht bemerkst? Kommt mir von aussen zumindest so vor.

    Adrian wäre ich ein fundamentalist, wie du es beschreibst, dann hätte ich nicht geschrieben, was ich geschrieben habe. dann würde es mir nicht um die menschen im gaza streifen gehen, dann würde ich in der westbank leben und palästinenser als untermenschen wahrnehmen. dann würde ich nicht gleichberechtigung für frauen im gazastreifen fordern. dann würde ich nicht für eine zweistaatenlösung plädieren. dann wäre mir die blockade durch ägypten egal.

    alle meine beiträge sprechen die selbe sprache: den menschen im gaza streifen muss geholfen werden. die aktion „free gaza“ war in allen aspekten kontra-produktiv was die hilfe für die bevölkerung dort angeht. die hilfsgüter kommen jetzt dort nicht an, oder erst viel später, politische kanäle sind nachhaltig beschädigt worden, israel ist in eine ecke gedrängt worden, aus der es sich nur mit einem gewaltschlag befreien konnte.

    nein, diese aktion hat nur populisten genützt. und wie immer sind populisten nicht an menschen interessiert. mit dieser aktion wird ein krieg vorbereitet. die kriegsangst ist in israel deutlich höher als in den vergangenen monaten. israel soll isoliert werden und genau darauf habe ich hingewiesen und weise ich hin.

    und all meine argumente sind die, die ich als mensch sage. klar als religiöser mensch, der ein ethisches judentum vertritt. wirf mich bitte nicht in einen topf mit denen, die religion benutzen, um menschenverachtende ziele zu verfolgen.

    ANDREAS:
    Die Aktion wurde auch bei uns kontrovers diskutiert, und zwar vor dem Angriff.

    http://bak-shalom.de/index.php/2010/05/29/gazahilfe-per-schiff/

    Wenn du also ein ethisches Judentum vertreten willst, dann bezeichne Menschen, die sich f… Mehr anzeigenür den Frieden einsetzen wollen nicht als FRIEDENSTERRORIST. Ob diese Aktion richtig war, ist eine ganz andere Frage. Ich gehe davon aus, dass die allermeisten dies mit guten Absichten gemacht haben. Und wenn du die sachliche sieite vertreten willst, dann musst du auch an die israelische Regierung diie Frage nach dem WARUM stellen. Gerade in Israel gibt es zu diesen Fragen viele Populisten. Auf die sollte man auch nicht hereinfallen.
    Immerhin gab es auch in Israel Politiker die sagten: „lass sie doch einfach durch“ Das wäre souverän gewesen und dann hätte man die Diskussion auch sachlich führen können. Auch, ob man so populistisch der Hamas hilft.

    Mit dieser Aktion hat sich Israel leider selber ein Stück isoliert, wenn man sich die Berichte der Presse, selbst befreundeter Staaten anschaut.

    ADRIAN:
    andreas, wo ist der unterschied zwischen meiner stellungnahme und dem artikel des bak. vielleichtzeitlich, da der eine vor, und der andere nach der eskalation geschrieben wurde und in der wortwahl. ja, ich habe provoziert, um der debatte eine gewisse sch… Mehr anzeigenärfe zu geben. ich bin auch der meinung, das provokationen teil einer politischen debatte sein dürfen, solange sie nicht zur entwürdigung einer einzelnen person oder gar zu ihrer gefährdung führen. das unterscheidet mich von den drahtzieher der aktion, welche willentlich menschen einer gefahr ausgesetzt haben, um einen staat politisch zu destabilisieren. für mich liegt es nahe, an terrorismus zu denken. frieden war nicht das ziel.

    ja, ich glaube, dass die aktivisten sich, vergleichbar der hamas, zivilisten bedienst hat, um ihr zu erreichen. und nein, ich glaube nicht, dass alle 700 aktivisten terroristen sind, vielen kann ich einfach nur naivität vorwerfen. wer geglaubt hat, mit einer solchen aktion den friedensprozeß in eine neue, positive richtung zu lenken, hat die dimension des konfliktes nicht im geringsten erkannt.

    ein land, dass seit seiner gründung im kriegszustand lebt, kann kaum noch souverän reagieren. und ja, es gibt in israel auch stimmen, die sagen, dass der gaza-abzug ein fehler war. die toten der letzten jahre hätten sich dadurch verhindern lassen. die politische situation im gaza-streifen trägt leider viel mehr die handschrift der internationalen gemeinschaft, als es vielen lieb ist. solange diese nicht für den schutz der zivilbevölkerung in israel eintreten kann, muss die israelische regierung alles in ihren möglichkeiten stehende anwenden, um dies sicherzustellen. du würdest das von der hessischen landesregierung auch erwarten, wenn aus bayern gefahr für dein leben bestehen würde. (obwohl ich die überlegung für nachdenkenswert halte, glaube ich, dass die israelische regierung damals mit dem gaza-abzug einen richtigen schritt gewagt hat.)

    ob mir die lage in gaza gefällt? nein. ich würde mir wünschen, dass die internationale gemeinschaft sich für einen entmilitarisierten gaza-streifen einsetzt, friedenstruppen bereit stellt und sich für eine entradikalisierung stark machen würde. warum dies nicht schon längst geschehen ist, weiss ich nicht, da fehlt mir der überblick. aber wer weiss. vielleicht begreifen jetzt alle seiten, dass sich etwas ändern muss.

  • 2. Juni 2010 um 18:16
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    „mein erster facebook-eintrag drückte daher aus, was mir sofort mein bauchgefühl sagte“
    Du scheinst überhaupt sehr oft mit dem Bauch zu denken, Adrian.

    „meiner meinung nach hatte die aktion “free gaza” nie zum ziel, hilfsgüter in den gaza-streifen zu bringen.“
    Wo ist der Beweis für diese Annahme? Meiner Meinung nach ist es weitaus realistischer, davon auszugehen, daß die Flotilla-Organisatoren eine mehrspurige Strategie verfolgten. Ihr übergeordnetes Ziel ist doch offensichtlich die Abschaffung der Gaza-Blockade. Durch die Entsendung der Hilfsgüterflotte konnten sie dabei nur gewinnen: Entweder würde Israel die Schiffe durchlassen, eventuell nach einer Kontrolle auf Waffen, oder es würde in Anwesenheit der zahlreichen Journalisten zu einer Enterung durch Militärstreitkräfte und Umdirigierung nach Aschdod kommen. Beide Möglichkeiten wären PR-Erfolge für die Organisatoren gewesen, da sie die Aufmerksamkeit der Welt auf die willkürliche Art, mit der Israel die Hilfslieferungen behandelt, gelenkt hätten.

    Nun, unter den gegebenen Umständen, da ja wirklich klar sein mußte, daß die Flotille Aufmerksamkeit erregen würde, wäre es für die Israelische Regierung die sinnvollste Reaktion gewesen, möglichst medienwirksam korrekt und untadelig mit den Aktivisten umzugehen. Dies hätte den Kritikern sämtlichen „Wind aus den Segeln“ genommen. Doch stattdessen enschied man sich, wieder einmal, für einen Hardline-Kurs und für einen offenen Akt von Piraterie (nein, der Überfall fand nicht innerhalb irgendeiner deklarierten Blockadezone statt!) und brutalem Vorgehen, selbst auf den fünf Schiffen, auf denen die Situation nicht eskalierte. Und beim Entern des zahlenmäßig am stärksten besetzten Schiffes machte man haarsträubende taktische Fehler, die zum Handgemenge und zum Einsatz von Feuerwaffen führten, mit dem Resultat, daß nun 9 Menschen tot sind und über 30 verwundet. Nein, tut mir leid, aber da von vornherein die ganze Aktion illegal war, können die Angreifer auch kein Recht auf Selbstverteidigung geltent machen. Die Verantwortung für diese Tragödie tragen die Israelis, und die Versuche, die Schuld auf die Opfer abzuschieben, sind zynisch und geschmacklos.

    Abgesehen davon ist es einfach lächerlich, daß die stärkste Militärmacht des Nahen Ostens mit Stöcken, Wasserschläuchen und Schleudern (!) „bewaffnete“ Passagiere als „gefährliche Terroristen“ bezeichnet. Man hat wohl ganz offensichtlich die Geschichte des „gefährlichen Terroristen“ David vergessern, der sich auch gegen einen überlegenen Gegner mit einer Schleuder zur Wehr setzte. Welche Ironie!

    Nun, immerhin sind wir einig, daß sich einiges ändern muß. Da aber keine Änderung gegen den Willen den Israelischen Regierung möglich ist, und diese keinerlei Willen zum Kompromiß erkennen läßt, wird die allererste Änderung wohl die der Regierungskoalition sein müssen. Ich meine, es ist mal wieder Zeit für Neuwahlen. Und wenn bei Labor noch Menschen mit Rückgrat verblieben sind, dann schmeißen sie Barak jetzt raus und beenden die Unterstützung für die gefährlichen, unverantwortlichen Hardliner Netanyahu und Lieberman. Das wäre auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

  • 2. Juni 2010 um 18:46
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    gray, ich bin ein mensch und habe gefühle. im unterschied zu vielen mache ich es deutlich, wenn dem so ist. manchmal ist übrigens ein gutes bauchgefühl nicht zu verachten.

    über die legalität der aktion kann gestritten werden und das überlasse ich gerne experten. meine recherchen sagen sowohl als auch. ich bin mir sicher, dass es im laufe der zeit eine eindeutigere positionen geben wird. piratenüberfall ist der neueste kampfbegriff. er ist ein netter pr-begriff. ich würde ihn bis zu einer wirklich erfolgten einschätzung der situation genauso wenig gebrauchen, wie die derzeit kusierenden begriffe von selbstmordterroristen und angeblichen märtyrern, die die schiffe begleitet haben.

    provokation ist provokation und nur ein sehr naiver mensch glaubt wirklich, dass ein staat, der seit seiner gründung in kriegszustand lebt, sich nicht provozieren lässt. stell dir vor, im irak würde ein bus vollbesetzt mit friedensaktivisten und hilfsgütern auf die sicherheitszone der dortigen regierung fahren, ohne zu bremsen, einfach nur so, weil man der welt zeigen will, dass die anhänger von hussein im heutigen irak unterdrückt werden. wie würden die dortigen militärs reagieren.

    wenn die welt wirklich etwas aus dieser tragödie gelernt hat, dann fordert sie statt änderungen in der israelischen regierung, endlich friedenstruppen, die die verwaltung des gaza-strefens übernehmen. nicht die israelische regierung ist das problem, es ist die hamas, die mit ihrem andauernden krieg gegen die eigene bevölkerung und gegen die israelische bevölkerung jede denkbare regierung in jerusalem unter zugzwang setzt.

  • 2. Juni 2010 um 19:56
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    „manchmal ist übrigens ein gutes bauchgefühl nicht zu verachten.“ D’accord. Aber wenn immer möglich, sollte man das Bauchgefühl anhand der Fakten überprüfen. Der erste Eindruck kann oft falsch sein.

    „nur ein sehr naiver mensch glaubt wirklich, dass ein staat, der seit seiner gründung in kriegszustand lebt, sich nicht provozieren lässt“
    Sicher. Aber es gilt immer die Verhältnismäßigkeit der Reaktion zu beachten. Ein bewaffneter Überfall, der Todesopfer in Kauf nimmt, wird generell nicht als verhältnismäßige Reaktion auf eine bloße Provokation angesehen. Das hätte selbst der Netanyahu-Regierung klar sein sollen.

    „stell dir vor, im irak würde ein bus vollbesetzt mit friedensaktivisten und hilfsgütern auf die sicherheitszone der dortigen regierung fahren, ohne zu bremsen“
    Stell dir vor, Piraten würden im Mittelmeer ein Passagierschiff kapern und einen Juden erschießen! Wie würde die öffentliche Reaktion wohl aussehen? Da müssen wir gar nicht rumrätseln, nur einfach nachlesen! Die Welt war sich einig in der Verdammung der Terroristen, die die Achille Lauro uberfallen haben, und im Bedauern über den tragischen Tod des völlig unschuldigen Leon Klinghoffer. Die gleiche Welt, die jetzt den Tod der neun Friedensaktivisten bedauert! Natürlich sind die beiden Fälle wenig vergleichbar, aber entscheidend ist, das eine Mal war Israel mit der Welt einer Meinung, das andere Mal nicht. Zeigt das nicht, das hier ein doppelter Standard angewandt wird?

    „friedenstruppen, die die verwaltung des gaza-strefens übernehmen“
    Das wäre überlegenswert. Aber solange die Israelische Regierung eine solche Lösung ablehnt, weil man die Kontrolle nicht aus der Hand geben will und der UN nicht traut, bleibt das rein theoretisch.

  • 2. Juni 2010 um 20:39
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    Allerdings, wieso muß es denn eine Übernahme durch die UN sein? Soweit gehen doch noch nicht mal die Flotillaorganisatoren mit ihren Forderungen! Was ist denn gegen eine Lockerung der Blockadebestimmungen zu sagen, die das Embargo auf diejenigen Waren beschränkt, die wirklich ein echtes Sicherheitsrisiko darstellen? Wasserfilter, Elektroaggregate und Koriander (!) sind doch ehrlich nichts, was die Sicherheit des Staates Israel gefährden würde! Jeder weiß, das die harschen Bestimmunungen, die nur etwa 20% der Hilfslieferungen durchließen, ein Versuch der Israelischen Regierung war, die Gaza-Bewohner zur Abkehr von der Hamas zu bewegen. Dieser Versuch ist völlig gescheitert, und hat ganz im Gegenteil zu einer Verhärtung des Widerstandes geführt. Eine Änderung dieser inhumanen Blockadepolitik würde daher überhaupt keine negativen Konsequenzen für Israel haben, sondern eher zu einem besserem Image führen.

    Allerdings wäre es mit einem Gesichtsverlust der Regierung verbunden, und ich vermute, dies ist der Grund für die hartnäckige Ablehnung durch Netanyahu und Konsorten…

  • 3. Juni 2010 um 14:44
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    Wir haben wohl das selbe „Bauchgefühl“! Ich bin nicht gerade ein Fan der gegenwärtigen israelischen Regierung, kann es aber sehr gut verstehen, dass sie es nicht zulassen können, die Blockade zu lockern. Man hat in den letzten Jahren gesehen, welche Gefahr für das Fortbestehen Israels aus dem Gaza-Streifen ausgeht. Als Jerusalem vor knapp 4 Jahren einseitig beschlossen hat, den Gaza- Streifen zu räumen, hofften insgeheim alle, dies könnte endlich ein Zeichen auch für die radikalen Islamisten sein, ihren Plan, Israel zu vernichten und die Juden zu vertreiben, aufzugeben. Statt diese Chance zu nutzen, wählten die Terroristen einen anderen Weg. Sie schmuggelten Waffen und beschossen tagtäglich die für sie erreichbaren israelichen Städte mit Raketen. Israel hat sie oft genug gewarnt bis zum Gaza-Krieg, für den die Weltgemeinschaft dann aber wieder Jerusalem veranwtortlich gemacht hat. Ich möchte einen Staat sehen, der tatenlos zusieht oder so mild reagiert, wie Israel, wenn es um die Vernichtung seiner Existenz geht! Würde in Berlin, Paris oder London die gleiche Gefahr bestehen, hätten sie schon alles in Schutt und Asche gelegt. 9/11 hat allein für zwei Kriege gesorgt, aber Israel soll gemütlich zusehen bis der Staat vernichtet wird. Wenn Jerusalem die Blockade aufhebt, wie die UN es fordert, ist dem Waffenschmuggel Tür und Tor geöffnet, was automatisch zum nächsteg Krieg führt. Es gibt nur dann eine Lösung, wenn die Radikalen eindlich einsehen, dass sie nur Seite an Seite mit Israel Frieden finden können!

    Abschließend fällt mir noch eine nette Anekdote eines Freundes aus der Zeit der 2. Intifada ein. Er war als Soldat in den besetzen Gebieten. Bei einer Aktion von Steinewerfern, nahmen er und seine Kameraden einige jugendliche Steinewerfer fest. Sie saßen mit ihnen an einer Strassenecke als von einem die Mutter erschien und ganz freundlich mit den Soldaten über die Freilassung seines Sohnes verhandelte. Plötzlich entdeckte sie ein ausländisches Kamerateam. SIe warf sich zu Boden, welzte sich im Dreick und schrie: „sie wollen meinen Sohn töten, Hilfe!“ – das Team nahm die Bilder auf und gung weiter. Als die weg waren stand sie wieder auf, als wäre nichts gewesen, fing an zu lächeln und verhandelte freundlich weiter. Die Bilder, die in die Welt getragen wurden, zeigten natürlich nur die sich am Boden welzende Mutter, die um das Leben ihres Sohnes bangt! – so viel zu PR-Arbeit. Ist doch nett, dass Israel immer schuldig ist, was auch immer geschehen wird! Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Welt solnge nicht ruhen will, bis tatsächlich alle Juden getötet wurden! Schade eigetlich!

  • 3. Juni 2010 um 15:18
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    Gray, um deine Worte zu verwenden: Jeder weiß, dass die Hamas kein Interesse an einer Lösung mit der UN hat. Und selbst wenn, wären die verbündeten Muslim-Brüder ganz und gar nicht daran interessiert.

    Es würde nämlich einen Machtverlusst für sie darstellen. Wahrscheinlich würden sogar wieder Menschenrechte einkehren. Die arabische Welt ist an keiner Lösung des Gazakonfliktes interessiert. Es ist ein willkommener Schauplatz auf den sie zeigen können, um von eigenen innerstaatlichen Problemen abzulenken. Nach dem Motto: Warum jammert ihr, denen da geht es noch viel schlimmer. Die Hilfen für den Gaza-Streifen kommen fast ausschließlich von der EU und Israel. Ägypten hat erst jetzt im Zuge des Konfliktes die Grenzübergänge geöffnet, um nicht versehentlich in das Schussfeld des internationalen Israel-Bashings zu gelangen, hat aber bis dato nun wirklich sich nicht mit Ruhm bekleckert. (Ökonomisch sind die Tunnel für Ägypten natürlich viel interessanter, kann man doch doppelte oder vielfache Preise für Produkte nehmen). Dass die Türkei jetzt so massiv gegen Israel vorgeht hat ökonomische Gründe. Nachdem der Westen, d.h. vor allem die EU, entschieden die Türkei von ihrem Sandkasten vertrieben haben, orientiert sie sich Richtung Osten. Weder Russland noch die arabische Welt sind große Israel-Freunde. Also weg mit dem alten Verbündeten.

    Ja, ein UN Friedensplan könnte tatsächlich eine Lösung sein, aber nur für die Palästinenser und Israel. Blockiert wird nicht, wie Du so steif und fest behauptest durch Israel, sondern durch die arabische Welt.

    Zu Hilfslieferungen ist bereits so viel veröffentlicht, dass ich kaum noch was dazu sagen muss. Der Gaza-Streifen erhält wie keine zweite Region dieser Welt Tag für Tag Hilfsgüter. Die Menschen in Nordkorea oder in Dafur z.B., würden sich freuen, wenn sie nur ein Bruchteil dessen in solcher konstanten Weise erhalten würde. Das rechtfertigt nicht die Abriegelung, aber es hilft Dir vielleicht das Ganze in einer gewissen Relation zu sehen.

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  • 6. Juni 2010 um 07:08
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    „bist du dir da so sicher, dass die Israelische Regierung hier blockiert?“

    -> „But at this point, Jerusalem has reportedly rejected setting up an international force to check ships seeking to deliver humanitarian aid to Gaza. “That didn’t work in Lebanon or at the Rafah crossing, and it’s doubtful it will work in this case,” the official said.“
    http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/un-proposes-former-new-zealand-pm-head-gaza-flotilla-probe-1.294376

    Kopfarbeit schlägt Bauchgefühl! 😀

  • 6. Juni 2010 um 07:44
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    „Man hat in den letzten Jahren gesehen, welche Gefahr für das Fortbestehen Israels aus dem Gaza-Streifen ausgeht.“
    Also, man hat auch jahrzehntelang gesehen, welche Gefahr für Europa aus dem Warschauer Pakt ausging! Wenn man solch eine Situation nicht ändern kann (und was will Israel da tun, 1,5-2 Millionen Menschen umbringen?) muß man sich damit so gut als möglich arrangieren. Abgesehen davon, die Gefahr geht doch in erster Linie von den Hardlinern der Hamas aus, und in zweiter Linie von der immer noch großen Unterstützung in der Bevölkerung für diese. Da sollte man doch wohl versuchen, die Hamas zu marginalisieren, indem man die Gaza-Einwohner von den Vorteilen friedlicher Lösungen überzeugt. Dies hat Israel versucht, leider, wie üblich, in völlig unsensibler Weise und mit Gewalt. Man war doch allen Ernstes der Meinung, man sollte die Blockade benutzen, um das Leben der Bevölkerung möglichst miserabel zu machen und damit einen Sturz der Gaza.Regierung zu erzwingen! Die Einfuhr aller möglichen Waren des täglichen Bedarfs wurde blockiert, unter anderem Wasserfilter, Trockenfrüchte, Spielzeug, Medizin und sogar Gewürze (!). Die einseitige „Diät“ (so wird es sogar von Israelischen Politkern bezeichnet!) die durch Israel auferlegt wurde, hat in Gaza nachgewiesenermaßen zu Fehlernährung und Krankheiten geführt.

    Das politische Ziel wurde aber (völlig absehbar!) nicht erreicht, ganz im Gegenteil hat es die Menschen mehr gegen Israel aufgebracht, die Fronten verhärtet, und der Hamas Zulauf beschert. Nach drei Jahren dieser gescheiterten Politik wird es höchste Zeit für ein Umdenken, was aber an der Sturheitder Netanyahu-Regierung scheitert. So sieht’s doch aus, es geht überhaupt nicht um das Waffenembargo (wofür der Rest der Welt doch Verständnis hat), sondern um einen möglichen Gesichtsverlust für die Regierung!

    „9/11 hat allein für zwei Kriege gesorgt, aber Israel soll gemütlich zusehen bis der Staat vernichtet wird.“
    Herrgottnochmal, immer diese fürchterliche, absolut überzogene Dramatisierung! Hier steht nicht die Existenz des Staates Israel auf dem Spiel, die durch die stärkste Militärmacht des Mittleren Ostens, in allianz mit der stärksten Militärmacht der Welt, und zusätzliche Nuklearwaffen zu Abschreckung gesichert ist! Gaza-Zivilisten, die mit Wasserfiltern und Rollstühlen „bewaffnet“ sind, und Trockenfrüchte werfen, sind doch wohl kaum eine existenzielle Bedrohung! Es geht darum, daß die inhumane und daher sogar illegale Blockade gelockert wird und künftig tatsächlich nur noch Waffen, Munitiion und Sprengstoffe von dem Gebiet ferngehalten werden. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in Gaza, der die Spannungen verringert, dazu führt, das die Menschen mehr Zeit und Energie für Job und Geschäft aufwenden müßen (und weniger für politische Versammlungen!), und vor allem wieder etwas zu verlieren haben ist doch völlig in Israel’s langfristigem Interesse, und die beste „Existenzsicherung“! Das würde die moderaten Kräfte fördern, und den Extremisten Unterstützung kosten. What’s not to like?

    Der einzige Nachteil ist ein kurzzeitiger Gesichtsverlust für die Israelische Regierung, die damit praktisch eingestehen müßte, daß die Blockadepolitik gescheitert ist. Sieht denn irgendjemand hier das als einen zu hohen Preis an für eine neue, friedensorientierte Strategie, die die Anzahl der Feinde verringert, und noch dazu ethisch richtig ist?

  • 6. Juni 2010 um 08:48
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    „Die Hilfen für den Gaza-Streifen kommen fast ausschließlich von der EU und Israel“
    Bitte gib doch mal einen Link an, der die Hilfe für den Gaza-Streifen aus Israel belegt. Meines Wissens gibt’s von Israel nichts umsonst, Strom und Wasser werden in Rechnung gestellt und (wohl von der EU oder UN) bezahlt.

    „Ägypten hat erst jetzt im Zuge des Konfliktes die Grenzübergänge geöffnet, um nicht versehentlich in das Schussfeld des internationalen Israel-Bashings zu gelangen, hat aber bis dato nun wirklich sich nicht mit Ruhm bekleckert.“
    Richtig. Man fürchtet offensichtlich (und wohl auch zurecht), daß die Hamas-Anhänger auch in Ägypten negativen Einfluß ausüben könnten. Dies zeigt übrigens meiner Meinung nach, daß auch die arabischen Länder durchaus ein Interesse an einer friedlichen Lösung für Gaza und die Westbank haben, da die Radikalisierung auch für sie innenpolitisch zum Problem wird. Zudem ist Ägypten natürlich auch vertraglich an Israel gebunden, und kann nicht einfach so eine andere Blockadepolitik fahren. Schon die temporäre Öffnung war im Grunde nicht legitim.

    „Dass die Türkei jetzt so massiv gegen Israel vorgeht hat ökonomische Gründe.“
    Also, da sehe ich eher machtpolitische und auch innenpolitische Gründe als vorragnig. Aber, was soll’s? Israel läßt sich doch genauso nur von den eigenen, vermeintlichen Interessen leiten. What’s good for the goose is good for the gander.

    „Ja, ein UN Friedensplan könnte tatsächlich eine Lösung sein, aber nur für die Palästinenser und Israel. Blockiert wird nicht, wie Du so steif und fest behauptest durch Israel, sondern durch die arabische Welt.“
    Na Mensch, worum geht’s denn hier? Um die Interessen Saudi Arabiens? Nein, natürlich um eine Lösung für die Palästinenser und Israel! Und wenn solch eine Lösung (die dann hoffentlich auch wirtschaftliche Zusammenarbeit beinhaltet, um Verbindungen zwischen den Völkern zu stärken) dazu führt, das die Palästinenser ihren eigenen Weg gehen, der unabhängiger von den arabischen Nachbarstaaten ist, dann wäre das doch ein Riesengewinn für Israel! Teile und herrsche.

    Leider wird ein UN Friedensplan zur Zeit eben von Israel hintertrieben (wie das im vorigen Kommentar genannte Zitat zeigt). Man will eben keinerlei Einschränkung der eigenen Handlungsfreiheit durch die Einbeziehung der UN hinnehmen. Und solange man in Israel jeden Palästinenser als Teroristen sieht, anstelle zu versuchen, die friedliche Mehrheit der Leute für sich einzunehmen, ist leider eine bessere, langfristig friedensorientierte Lösung nicht in Sicht. Da jeder einzelne Raketenabschuss durch quertreibende Extremisten zu einer Kollektivstrafe gegen alle Palästinenser führt, wird es immer wieder zu einer Verhärtung der Fronten kommen. Es ist ein Trauerspiel.

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