Revolutionäre Entscheidung

In einer revolutionären Tschuva hat Rav Ovadia sich für die  Anerkennung von konservativen Konversionen ausgesprochen. Damit hat einer der wichtigsten (wenn nicht sogar der wichtigste) sefardische Posek (jemand, der halachische Entscheidungen fällt) eine bisherige, in der orthodoxen Welt übliche Praxis, aufgeweicht.

Während ultra-orthodoxen Gruppierungen derzeit massiv versuchen, die Ablehnung von nicht-orthodoxen Gijurim (Konversionen) auch für das Recht auf Alija (Einwanderung nach Israel) in staatliches Recht umzuwandeln, schlägt die Entscheidung von Rav Ovadia Yosef genau die andere Richtung ein.

הרב עובדיה יוסף - תצלום: ליאור מזרחי / באובאו
הרב עובדיה יוסף - תצלום: ליאור מזרחי / באובאו

Die halachische Entscheidung, die vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, wurde auf Grund der folgenden Ausgangslage getroffen: Ein junges Paar hat angefragt, ob es heiraten könne. Er ist ein Kohen, d.h. er gehört der „Priester-Kaste“ an. Für Kohanim gelten entsprechend dem jüdischen Religionsgesetzt (der Halacha) besondere Vorschriften, wen er heiraten kann. Unter anderem darf er keine Frau heiraten, die selbst zum Judentum übergetreten ist. In dem beschriebenen Fall war die Mutter der jungen Frau vor einem konservativen Rabbinergericht übergetreten. Die junge Frau ist nach nicht-orthodoxer Auffassung von einer jüdischen Mutter geboren worden und damit jüdisch geboren und somit erlaubt mit einem Kohen die Ehe einzugehen. Rav Yosef hat genau diese Auffassung mit seiner spektakulären Entscheidung bestätigt. Hätte er es nicht getan, hätten die beiden nach orthodoxem Ritus nicht heiraten können.

Egal wie man persönlich zu der Frage steht, ob der Priester-Status und die damit verbundenen Vorschriften noch Zeitgemäß sind, so hat die Entscheidung doch eine Pilotwirkung (hoffe ich zumindest).

Quelle und weitere Informationen hierzu findet Ihr hier, oder in englischer Übersetzung hier

2 Gedanken zu „Revolutionäre Entscheidung

  • 11. März 2010 um 10:02
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    Realistisch betrachtet ist hier nicht von einer „Pilotwirkung“ auszugehen. Denn EINZELentscheidungen dieser Art zugunsten eines KONSERVATIVEN Giyurs (nicht Reform) hat es bereits früher gegeben, ohne daß daraus weitgreifendere und allgemeinverbindliche Konsequenzen für die Zukunft entstanden sind.
    Die nicht-orthodoxen Giyurim werden also in der orthodoxen Welt trotzdem nicht anerkannt bleiben. Und auch bei diesem Fall wäre interessant zu wissen, wer außer Rabbi Ovadja Josef und eine kleine Minderheit in der orthodoxen Welt die junge Frau als halachische Jüdin anerkennt (d.h. ihre Kinder werden möglicherweise bzw. sicher die eine oder andere Schwierigkeit bekommen).
    Auch wird dieser Psak bislang anscheinend in keinem der haredischen Newsspaces diskutiert, was vermutlich auch heißen will, daß er nicht weiter von Interesse ist.

  • 11. März 2010 um 19:27
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    ich finde , dass es endlich an der zeit , eine einheitliche lösung für die giur-unterschiede zu finden.
    macht die ein sog. genannter orthodoxer giur jüdischer ? wohl kaum!
    lern man mehr ? wohl kaum ! mir sind zahlreiche “ orthodoxe “ gerim bekannt , die leider keinen einzelnen hebräischen buchstaben entziffern können.

    meiner meinung nach sollte jeder ger , der es ernsthaft wünscht, sich dem jüdischen volk anzuschliessen willkommen geheissen werden .
    egal ob reform , liberal , konservativ oder orthodox.
    die intention ist das, was wirklich wichtig ist.

    frei nach hillel : „Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu. Der rest ist nur Kommentar .“

    wer sagt , dass ein jüdisches leben im stile des mittelalters dich jüdischer machen , als eine aufgeklärte jüdische traditionelle einstellung?

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