Shilo – Westbank

Letzten Shabbat habe ich in Shilo verbracht. Shilo ist eine der älteren jüdischen Siedlungen in der Westbank. Geographisch gesehen, liegt dieses kleine Dorf genau in der Mitte dessen, was wahrscheinlich mal das Staatsgebiet eines palästinesischen Staates sein wird.

Ortseingang zu Shilo.
Ortseingang zu Shilo. Shilo ist eine offene Siedlung, d.h. es gibt keinen Zaun oder Mauer um die Stadt

Nach meinen Tour mit Encounter nach Bethlehem, war es mir wichtig, noch vor meiner Rückreise auch einen Shabbat in einem Settelment zu verbringen. Ich wollte wissen, wer diese Menschen sind, die sich entscheiden haben, in diesen Siedlungen zu leben. Wer diese Menschen sind, die immer wieder auf so dramatische oder eindrucksvolle Weise, den Lauf der Politik zu beeinflussen wissen. Als es sich angeboten hat, mit einem neuen Freund, dessen Eltern in Shilo leben, einen Shabbat zu verbringen, habe ich spontan zugesagt.

Eine Unbekannt war damit nämlich eliminiert. Es gab für mich einen direkten Ansprechpartner und ich wusste, wie ich in die Siedlung kommen würde und vor allem wie ich bleiben könnte. Die Siedler sind nämlich sehr wachsam und nur bedingt gastfreundlich. Hinkommen und ein Zelt aufschlagen ist eher – sagen wir mal – unerwünscht.

SamariaMit einem kugelsicheren Bus ging es ab Jerusalem in Richtung Ariel. Mit 12 Scheckel (2,40 Euro) ist die Busfahrt extrem preiswert – erstaunlicherweise sind Fahrten in die Westbank staatlich subventioniert. Zum Vergleich, eine Einmalfahrt innerhalb Jerusalems kostet 6.20 NIS (1,20 €).  Die Fahrt führt aus Jerusalem raus durch eine landschaftlich schöne Gegend. Die Gegend ist fruchtbar und daher schon seit Jahrtausenden besiedelt. Der Bus passiert einige arabische Dörfer und Städte (Ramalla) und hält in einigen Siedlungen bevor man in Shilo ankommt. Ein Blick durch die Reihen der Mitreisenden zeigt eine Mischung aus jungen Menschen inklusive einiger Soldaten, die ebenfalls auf dem Weg nach Hause zu sein scheinen. Ultraorthodoxe, oder „Hutträger“ sind eher die Ausnahme. Mann trägt gehäkelte Kippot in unterschiedlichen Größen und Frau ggf. ein Kopftuch. Frauen und Männer sitzen zusammen und die vorherrschende Sprache ist Ivrit.

Synagoge in Shilo
Eine der Synagogen in Shilo hat die Form des Stiftzeltes.

Manchmal ist es erschreckend, wie sehr Vorurteile von der Wirklichkeit geprägt sind. Eines meiner Vorurteile über Siedler war, dass sie immer mit geladenen Waffen rumlaufen. Richtig. Viele tun es. So auch der Vater von meinem Freund, der uns an der Bushaltestelle abgeholt hat: Der freundliche Mensch der uns gegenüber trat hatte natürlich eine Pistole. Nicht irgendwie heimlich, oder verborgen, sondern gut sichtbar. Waffen sind ein Thema, eines über das man(n) gerne redet, eines, bei dem man gerne mit seinem Wissen angibt, und eines was allgegenwärtig ist. Auf der Straße, in den Häuser und ja, auch in der Synagoge sieht man Menschen mit Waffen. Von der Pistole bis zum Maschinengewehr. Gerade in der Synagoge zu Shabbat ein Bild, dass ich mir so nie Vorstellen wollte und das, man mag mich naiv nennen, einfach nicht zusammen passt.

Überaus herzlich und positiv habe ich die Gastfreundschaft meiner Gastfamilie und weiterer Menschen, mit denen ich in Kontakt war, in Erinnerung. Man merkt, dass die Menschen in Shilo eine Gemeinschaft bilden und für einander da sind. Da bei meiner Gastfamilie kein Zimmer frei war, wurde ich spontan bei Nachbarn untergebracht. Und obwohl jene mich während des ganzen Aufenthalts nur für ein paar Minuten gesehen habe, hatten sie kein Problem damit, mich, also einen Unbekannten, im Haus zu haben – jemand der erst Nachts gegen Mitternacht zurück gekommen ist (das Essen am Shabbat Abend war lang und gut)  und am nächsten Tag von 7.30 bis Shabbat Ausgang schon wieder verschwunden war. Das Vertrauen, dass die Nachbarn keinen Verrückten in ihr Haus einladen ist groß.

Tel Shilo
Tel Shilo - hier was über Jahrhunderte das zentrale Heiligtum der Israeliten nach der Landnahme. Auf der rechten Seite des Hügels stand das Mischkan (Stiftszelt)

Das moderne Shilo liegt auf einer Erhebung, die zusammen mit anderen Hügeln ein kleines Tal umfassen, in dessen Mitte eine niedrige Erhebung liegt. Jene kleine Erhebung ist das antike, biblische Shilo. Das erste spirituelle Zentrum Israels nach der Landnahme. Hier stand für über 350 Jahre das Stiftszelt mit der Bundeslade. Hier tanzten die Frauen in Weiß zu Tisha-be-Av. [Mehr zu Shilo hier]. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich die Nähe zu diesen antiken, für die jüdische Geschichte so wichtigen Orte, sehr beeindruckt hat, und, dass das Beten mit Blick auf einen so heiligen Ort (die meisten Forscher sind sich einig das dies der genauen Standpunktes des Stiftszeltes war), eine ganz andere Dimension bekommt. Ja, gerade der nördliche Teil der Westbank, Samaria, hat eine wichtige Bedeutung für Juden und meine persönliche Begegnung mit dem Land macht es für mich verständlicher, warum man auch diese Dimension nicht aus dem Blickfeld verlieren darf, wenn man über politische Lösungen spricht***.

Es mag eine Antwort auf die Frage sein, warum sich einige Familien entschlossen haben, sich in Shilo niederzulassen  (derzeit sind es rund 250-300). Es mögen aber auch die Preise sein, für die man sich hier Grundbesitz erwerben kann, (aber andererseits, darf man nur in Shilo siedlen, wenn die Dorfgemeinschaft dem zugestimmt hat. Ziel ist es, eine ideologisch einheitliche Gruppe zu haben, so mein Eindruck). Letztendlich kann ich es nicht beantworten, was diese Menschen dazu gebracht hat, hierher zu kommen, da wir das Thema bei all unseren Gesprächen geschickt umschifft haben.

Arabische und jüdische Siedlungen, Tür an Tür
Arabische und jüdische Siedlungen, Tür an Tür

Für mich war es eine erste, wichtige Begegnung. Ich habe die Zeit dort genossen, auch wenn ich immer wieder mit vielen widersprüchlichen Gefühlen umgehen musste. Die Schönheit der Landschaft, die Magie der Orte, das scheinbar friedliche zusammenleben von Juden und Arabern (die Orte sind ja nur wenige Kilometer auseinander), und auf der anderen Seite, die Bewaffnung der Menschen, der spürbare Hass auf die Menschen auf der anderen Seite und eine große Einsamkeit (die jüdischen und arabischen Siedlungen liegen zwar nebeneinander, aber die Gräben dazwischen sind scheinbar unüberbrückbar). Ich kann mir nicht vorstellen, hier zu leben, aber ich kann mir vorstellen hierher zurückzukommen, um Menschen wiederzusehen, die mich herzlich willkommen geheißen haben.

*** [Ich glaube weiterhin, dass eine Zweistaaten-Lösung eine politische Lösung des Konfliktes bringen kann, aber der Preis, den alle Juden dafür zahlen, ist hoch. Die Gegend um Shilo ist DAS Kernland des jüdischen Volkes. Es ist wahrscheinlich, dass das Volk Israel aus einem Bergvolk genau aus jener Gegend (mit)entstanden ist. Während viele biblische Erzählungen letztendlich rein religiöse Wahrheiten sind (was ihren Wert NICHT schmälert), ist dies eine Tatsache, die eine historische Wahrheit ihr Eigen nennen darf. Wenn Juden dieses Land verlassen müssen, dann ist das meiner Meinung nach nicht eine Nebensächlichkeit, nicht etwas, dass von unbedeutender Relevanz ist, es ist ein unermesslich hoher Preis, den Juden bereit sein werden, für Frieden zu bezahlen. Der Gegenwert kann daher auch nur Frieden sein. Alles andere wäre eine Niederlage für die Welt.

7 Gedanken zu „Shilo – Westbank

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  • 15. Mai 2010 um 15:05
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    „gerade der nördliche Teil der Westbank, Samaria, hat eine wichtige Bedeutung für Juden“
    Für die Palästinenser etwa nicht? Und übrigens, wie sieht’s denn mit Galiläa (auf israelischem Gebiet!) aus, auch wichtig? Dort ist auch noch Platz zum Ansiedeln, es gibt es sogar einen Mangel an jüdischen Siedlern, wie von denen beklagt wird, die sich Sorgen über einen „zu großen“ Anteil von Arabischen Israelis machen. Aber statt dessen wird lieber illegal in der Westbank gebaut! Ist das nicht hirnrissig?

    „Die Gegend um Shilo ist DAS Kernland des jüdischen Volkes“
    Tja, und? Soll das ein Argument dafür sein, sämtliche Völkerwanderungen der Geschichte rückgängig zu machen? Wo soll das hinführen?

    „es ist ein unermesslich hoher Preis, den Juden bereit sein werden, für Frieden zu bezahlen“
    Jetzt mal nicht übertreiben! Von der Staatsgründung bis 1967 sind die Israelis gut ohne Samaria ausgekommen. Und nach internationalem Recht ist die Landnahme durch die Siedler dort illegal. Also, man kann nicht mit etwas „bezahlen“ das einem nicht gehört.

    „aber andererseits, darf man nur in Shilo siedlen, wenn die Dorfgemeinschaft dem zugestimmt hat“ Und so was wird von dem demokratischen Staat Israel, der immer vehement bestreitet, daß es Diskrimierung gibt, auch noch gefördert! Irrsinn.

    „Letztendlich kann ich es nicht beantworten, was diese Menschen dazu gebracht hat, hierher zu kommen, da wir das Thema bei all unseren Gesprächen geschickt umschifft haben.“
    Na, toll. Eine ganz zentrale Frage, gar nicht erst angesprochen. Und, wenn ich richtig verstehe, absichtlich nicht angesprochen? Warum? Angst vor den Konsequenzen einer Diskussion darüber? Man muß doch nicht gleich in Streit geraten, aber fragen kann man doch mal. Versteh ich nicht, diese Unterlassung. Ohne eine Erklärung für die Motive der Siedler fehlt dem Artikel doch ein entscheidender Aspekt. Schade.

  • 16. Mai 2010 um 15:02
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    Gray:

    1. ich schreibe hier meine subjektive meinung zu einer situation, wie ich sie erlebe.
    2. wenn du meinen beitrag genau gelesen hast, wirst du hoffentlich verstanden haben, dass ich mich ganz klar für eine zwei staaten lösung ausgesprochen habe.
    3. was mich an der öffentlichen, gerade unter der deutschen linken geführten debatte stört, ist dass jeder den palästinensern gefühle, emotionen und mitgefühl entgegenbringt, während juden zu objekten dekradiert werden. ich habe nicht bestritten, dass palästinenser eine beziehung zu dem land haben, noch habe ich irgendwo gesagt, dass sie nicht teil der dortigen bevölkerung sein sollen. was mir wichtig ist, ist klar zu machen, dass es AUCH eine beziehung von juden zu diesem teil der erde gibt. das wird schnell in der juden/israel-schelte vergessen.
    4. das demokraphische „problem“ was du beschreibst gilt für eine einstaatenlösung. um es auch ganz klar zu sagen, die gefahr einer zweistaatenlösung ist, dass vertreibungen auf BEIDEN seiten sehr wahrscheinlich sind. juden, die auf dem gebiet des zukünftigen palästinensischen staates leben werden wahrscheinlich das land verlassen müssen und ich will es nicht ausschließen, dass es auch umgekehrt zu bevölkerungsbewegungen kommen wird. meine hoffnung ist, dass diese nicht erzwungen werden und dass es eher zu einem „natürlichen“ austausch von bevölkerungsteilen kommen wird. und vergiss nicht, juden haben in der westbank auch schon vor 1948 gelebt, wie araber in dem heutigen teil israels.
    5. argument …völkerwanderung. nein, natürlich nicht. aber bewusstsein für geschichte und deren folge. (was ist ursache und was ist eine folge).
    6. 1967: wenn ich die situation in israel mit den hunderten von beispielen in der weltgeschichte vergleiche, könnte ich zu folgendem schluss kommen. israel hätte 67 das land annektieren sollen, die dortige bevölkerung vertreiben und punkt (fast immer hat eine siegermacht bei einer landeroberung die lokale bevölkerung durch loyale eigene ausgetauscht, nordzypern bis ostpreußen, assyrien bis kosovo). wäre wahrscheinlich völkerrechtlich die sauberste lösung gewesen, aber, das ist zum glück ist so nicht passiert, sonst gäbe es heute gar keine grundlage mehr, über die verhandlen könnte.
    und machen wir uns nichts vor, die zeit ist der stärkste gegner einer zweistaatenlösung. fakten sind längst geschaffen worden und neue entstehen. es gibt genügend kräfte auf beiden seiten(und nicht nur auf israelischer seite), die gegen eine zweistaatenlösung sind. in palästinensischen schulbüchern z.B. gibt es bis heute keinen staat israel (auch nicht in den grenzen von 1967). den kindern soll ganz klar beigebracht werden, dass die lösung nur ein einziger palästinensischer staat sein kann.
    manchmal glaube ich, eine friedenslösung wäre schon längst gefunden worden, wenn nur israelis mit palästinensern verhandeln würden, ohne auf die vielen interessen anderer staaten drum herum rücksicht nehmen zu müssen oder ausgesetzt sein zu müssen.
    6. demokratidefizit: eher ein überbleibsel des guten alten sozialismus‘ und mal so richtig basisdemokratisch.
    und natürlich gibt es in einem demokratischen staat diskriminierungen. ich persönlich halte es für vernachlässigbar, ob nun jemand in eine siedlung ziehen darf oder nicht, es gibt nun wirklich größere probleme. (und wenn ich dich richtig verstanden habe, willst du ja gerade, dass der staat grundsätzlich jeden zuzug verbietet, was ja auch nicht unbedingt in eine demokratie passt). zwei kleine beispiele zur demokratie in deutschland: bis heute ist der islam keine anerkannte religionsgemeinschaft in deutschland. rund vier millionen menschen werden in deutschland staatlich sanktioniert diskriminiert. beispiel zwei: jüdische zuwanderer aus den GUS staaten durften sich auch nicht aussuchen, wohin sie ziehen wollten, wenn sie auf staatliche hilfe angewiesen waren oder sind. es gab und gibt gründe dafür, die nachvollziehbar sind, und trotzdem war/ist es gegen das recht auf freie wohnortwahl. (und noch ein beispiel: ich höre immer mal wieder, dass es in demokratischen parteien so etwas wie quoten eingrführt worden sind. huch, da wird ja in staatstragenden organisationen böse diskrimminiert.) demokratie bedeutet nicht, dass jeder seinen willen bekommt und durchsetzen kann.
    7. ja, ich verstehe, dass viele fragen offen geblieben sind. nach meinem besuch in shilo habe ich sogar mehr, als vorher. das ist auch gut so. es gibt mir die möglichkeit zurückzukehren und neue fragen zu stellen. und nein. ich falle nicht beim ersten mal mit der tür ins haus und ja, ich respektiere meine gastgeber als menschen, die mir, einem unbekannten ihr haus geöffnet haben. ich bin dort nicht als ein journalist hingefahren, sondern als freund, der neugierig darauf ist, menschen kennenzulernen und nicht zu belehren. beobachten, zuhören und zurückhalten ist meiner meinung nach der weg, auf dem sich menschen begegnen sollten.

  • 17. Mai 2010 um 14:24
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    Nur einige Klarstellungen, die wichtigsten Punkte:

    1. „ich schreibe hier meine subjektive meinung zu einer situation, wie ich sie erlebe“
    Ist doch klar! Aber man darf doch wohl trotzdem einige Punkte kritisieren, die man anders sieht.

    2. „dass ich mich ganz klar für eine zwei staaten lösung ausgesprochen habe“ klar, habe ich mitbekommen. Trotzdem finde ich, der Hinweis auf „jüdische Kernland“ ist ein falsches Argument, das vor allem Siedler benutzen. Aber, richtig, die Zwei Staaten Lösung muß komen, besser früher als später, denn der fortschreitende Landraub durch die Israelis macht die politische Lösung immer schwieriger und sorgt für mehr Konfrontation statt weniger. Ohne Lösung muß es zwangsläufig irgendwann zu einem großen Knall kommen, mit Zehntausenden von Toten.

    4. „das demokraphische “problem” was du beschreibst gilt für eine einstaatenlösung. um es auch ganz klar zu sagen, die gefahr einer zweistaatenlösung ist, dass vertreibungen auf BEIDEN seiten sehr wahrscheinlich sind.“
    Nun, das demographische Problem tritt eben auch lokal auf, z.B. (wie erwähnt) in Galiläa, wo es in einigen Gebieten 80% Arabische Israelis gibt, was natürlich Einigen in der Minderheit nicht passt. Auch die höhere Geburtenrate des Arabischen Teils der Bevölkerung wird von rechten Israelis als langfristiges Konfliktpotential gesehn. So z.B. von Livni, die meines Erachtens zu Unrecht für Ihre angebliche Verhandlungsbereitschaft gelobt wird. Tatsächlich möchte sie nach eigener Aussage bei einer Zweistaatenlösung die Arabischen Israelis in die Westbank abschieben! Ist doch ungeheuerlich, so was.

    Was die Siedler angeht: Nachdem diese sich jahrelang illegal Land angeeignet haben, und auch sonst sich nicht gerade als gute Nachbarn benommen haben, können sie nicht auf viel Toleranz durch die Palästinenser rechnen. Juden werden wohl auch kaum Bürger des palästinensichen Staates werden wollen, und daß jede einzelne Siedlung vom Palästnensischen Staatsgebiet abgetrennt wird, ist weder hinnehmbar noch praktikabel. Da wird es wohl zu einer erheblichen Rückwanderung kommen.

    6. „wäre wahrscheinlich völkerrechtlich die sauberste lösung gewesen“. Wohl kaum, das Völkerrecht hat was gegen ethnische Säuberungen. Und eine solche Vertreibung hätte dann wohl 1973 für ein geschlosseneres Vorgehen der Arabischen Nachbarn gesorgt, mit allen negativen Konsquenzen für Israel. Also, sicher gut, daß es so nicht gekommen ist.

    6b. „ich persönlich halte es für vernachlässigbar, ob nun jemand in eine siedlung ziehen darf“ Freiheit, Freizügigkeit der Wahl des Aufenthaltsortes, vernachlässigbar? Was ist denn mit „ehe nicht alle frei sind, ist keiner frei“? Ist diese Ansicht etwa von vorgestern? Das will ich doch nicht hoffen.

    7. „es gibt mir die möglichkeit zurückzukehren und neue fragen zu stellen“
    Schön, da kann man ja gespannt sein auf den nächsten Bericht! „ich falle nicht beim ersten mal mit der tür ins haus“ Also, ich könnte mir vorstellen, daß die Siedler ganz im Gegenteil recht auskunftsfreudig sind, was die Gründe für ihre Ansiedlung angeht. Ok, heikel wird es, wenn dann Gegenfragen zur eigenen Meinung kommen. Die Zwei Staaten Lösung ist dort sicher nicht populär…

  • 17. Mai 2010 um 21:10
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    1. ich frage mich, wie viel von deiner kritik den von dir ist und wie viel davon einfach nur viel kopierte parolen sind. nachfragen, laut nachdenken und kritik ist wichtig, da es mir hilft, präzieser zu werden oder meine eigenen überlegungen zu überdenken. ich bin bereit zu lernen. aber ich habe keine lust, gegen eine wand zu argumentieren. wo ist deine kritikfähigkeit?


    2. Trotzdem finde ich, der Hinweis auf “jüdische Kernland” ist ein falsches Argument, das vor allem Siedler benutzen.

    nein, ist es nicht, da gerade das ausblenden der dimesion land vor allem durch die „Linken“ dazu führt, dass die debatte nicht ehrlich geführt wird/werden kann. das land hat für uns juden eine bedeutung. es ist schauplatz unserer geschichte. von der entstehung des volkes, bis zur vertreibung, das band, dass fast zweitausend jahre juden miteinander verbunden hat, und heute ein faktor, der maßgeblich die weitere entwicklung beeinflusst.

    die beschäftigung mit dem land alleine den siedlern zu überlassen ist irrsinnig, dumm und gefährlich. ich leite daraus keinen herschaftsanspruch ab, sondern die notwendigkeit, die beziehung zu definieren, ggf. neu zu definieren.

    und das grundsätzliche leugnen, oder infragestellen dessen, das juden eine beziehung zu dem land haben, hat einen höchst negativen beigeschmack, um es mal politisch angemessen zu formulieren.

    „fortschreitende Landraub durch die Israelis“ …
    die situation ist komplizierter, als das man den konflikt und dessen lösung auf nur einen punkt reduzieren könnte. mehr habe ich dazu bereits schon gesagt. ganz persönlich gefällt mir deine wortwahl nicht. er ist ein kampfbegriff und führt nur dazu eine ehrliche debatte zu zerstören.

    4. “Tatsächlich möchte sie nach eigener Aussage bei einer Zweistaatenlösung die Arabischen Israelis in die Westbank abschieben! Ist doch ungeheuerlich, so was.

    tatsächlich möchten die politiker der hamas und viele der fatach alle israelis ins meer werfen, israel auslöschen, und und und. st doch ungeheuerlich, so was. ups, ein kleiner weiterer unterschied fällt mir gerade auf: die israelischen politiker sprechen sich tatsächlich für einen palästinser staat aus, es soll niemand umgebracht werden. ungeheuerlich.

    ja, politiker sprechen viel um stimmen zu gewinnen. es gibt deutsche politiker, die gerne in der extremen rechten fischen, um ein paar mehr stimmen zu bekommen. das deutsche staatsbürger nach den worten jener auch in die türkei oder sonst wohin abgeschoben werden sollen, ist dir vielleicht auch schon zu ohren gekommen.

    es liegt an der gesellschaft so etwas zu regulieren. und an der weltgemeinschaft, einen friedensschluss zwischen beiden seiten zu begleiten. hoffen wir, dass beide seiten nicht versagen.

    Was die Siedler angeht: Nachdem diese sich jahrelang illegal Land angeeignet haben, und auch sonst sich nicht gerade als gute Nachbarn benommen haben, können sie nicht auf viel Toleranz durch die Palästinenser rechnen.

    was ist das den für eine argumentation. die einen dürfen, die anderen nicht? entweder gelten die standarts für alle, oder wir lassen es gleich. wenn ich deine these zu ende spinne, ist es in ordnung, wenn palästinenser israelis umbringen. in einer gesellschaft, die solch ein denken zu ihrem standard macht, möchte ich nicht leben wollen.

    6. “wäre wahrscheinlich völkerrechtlich die sauberste lösung gewesen”. Wohl kaum, das Völkerrecht hat was gegen ethnische Säuberungen.

    das mag sein, aber es hat sie noch nie wirklich verhindert. tibet ist ein nettes beispiel dafür. das völkerrecht ist ein nettes schoßhündchen in der hand der mächtigen. der stärkere diktiert die spielregeln. nenne mir ein wirkliches beispiel, wo das völkerrecht letzendlich vertreibung nach kriegshandlungen hat verhindern können, wenn es nicht im interesse einer der starken achsenmächte war.

    das in israel die karte so oft gezügt wird, liegt an der situation, dass hier nicht nur zwei relativ kleine staaten im konflikt mit einander sind, sondern immer auch systeme. (franzosen gegen engländer, kalter krieg, westen gegen arabische welt usw.)

    6b. Was ist denn mit “ehe nicht alle frei sind, ist keiner frei”? Ist diese Ansicht etwa von vorgestern?

    ja, das ist nämlich demokratie. (und würde man wirklich jedem erlauben in die westbank zu ziehen, der es will, würden wir nicht über 300.000 sprechen, sondern über deutlich höhere zahlen.

    7. Also, ich könnte mir vorstellen, daß die Siedler ganz im Gegenteil recht auskunftsfreudig sind,

    dann komm nach israel und frage auch mal selbst. mach deine eigenen erfahrungen. sprich mit den menschen, den um solche handelt es sich.

  • 18. Mai 2010 um 16:21
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    Danke für deinen Beitrag Adi!

    Eigentlich kommt in den Diskussion immer wieder zu kurz, dass es die Zweistaaten-Lösung längst gibt. Wir haben auf der einen Seite Israel und auf der anderen Seite drei weitere Nachfolger des Mandatsgebiets „Palästina“. Aus Palästina wurde der Staat Jordanien mit einem Bevölkerungsanteil von 75%, der direkt auf die Nachkommenschaft der „palästinensischen Flüchtlinge“ zurück zu führen ist, Gaza mit einer eigenen international nicht anerkannten Regierung und das Westjordanland, das keine politische, noch physische Verbindung zu Gaza aufweist.

    Gerade im Gazastreifen wurde eine ethnische Säuberung an den Juden durchgeführt und in den palästinensischen Autonomiegebieten dürfen sich keine Israelis aufhalten. Ja, sogar in dem souveränen Jordanien (immerhin hat Israel einen Friedensvertrag mit dem Land) dürfen Juden (nicht nur Israelis) keine Immobilien erwerben. Mir erscheint schleierhaft, warum unter den gegebenen Umständen Israel zu weiteren Eingeständnissen bereit sein soll.

    Die einzige Möglichkeit die weitere Konflikte verhindert, wäre ein Gebiets- und Bevölkerungsaustausch. Findet dieser nicht statt, dann werden die Siedlungen weiterhin wachsen, das ist im Völkerrecht übrigens nicht explizit verboten, und es kommt mit der Zeit zu weiteren Ausschreitungen. Die arabischen Staaten sollten verstehen, dass sie am Ende womöglich auf weitere Gebiete ohne ein Anrecht auf Ersatz verzichten müssten.

    Ich sehe nicht ein, warum nur eine einzige Siedlung an die palästinensischen Araber übergeben werden soll, wenn diese ihrerseits nicht für die Sicherheit der Siedler einstehen, ja diese im Gegenteil mit dem Tode bedrohen.

  • 21. Juli 2014 um 10:12
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    Schade, dass ich erst heute auf diese Seite stoße. Solch ein relativ sachliches Streitgespräch ist schon selten. Ich denke aber, in einem künftigen Palästinenserstaat muss es Juden möglich sein, zu leben. Genau, wie heute Araber in Israel leben. Eine Vertreibung oder Umsiedlung hält kein Staatswesen aus und bringt wieder neuen Hass und Zwietracht. Entweder es gibt zwei Staaten mit gemischter, gleichberechtigter Bevölkerung oder es bleibt auf lange Sicht, wie es ist. Und da spielt die Zeit gegen die Palästinenser, denn es werden immer mehr Fakten gegen sie geschaffen. Danach sieht es z.Zt. eher aus.

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