Pessachputz für die Seele

In manchen jüdischen Häusern ist zurzeit einiges los. Regale werden ausgeräumt, es wird in den kleinsten und hintersten Ecken Staub gewischt, einige Kinder räumen zum ersten Mal seit Wochen wieder ihr Zimmer auf und so weiter. Es ist wirklich viel los, wenn jüdische Familien sich entscheiden einen großen Pessach-Putz zu machen.

Der Pessachputz soll symbolisch dafür stehen, dass wir für ein besondere, religiöse Zeit REIN werden sollen. Das kann zum einen physisch sein. Wir entfernen altes Essen, Krümel, Chametz aus unseren Taschen und Wohnungen, aus Synagogen. Es bedeutet aber auch, dass wir uns spirituell reinigen sollen. Ein knappes halbes Jahr nach Jom Kippur ist es eine gute Möglichkeit, eine erste Bilanz zu ziehen und zu schauen, was wir in den letzten Monaten getan haben und ob das noch unseren Vorsätzen von Jom Kippur entspricht.

Tasria-M’zora

In den Wochenabschnitten Tasria-M’zora lesen wir über Rituale zur Wiederherstellung von Reinheit, nachdem eine Person an einer besonderen Hautkrankheit erkrankt war. In den beiden Wochenabschnitten wird ausführlich beschrieben, wie diese Krankheit erkannt werden konnte (durch die Priester). Nach eindeutiger Identifizierung der Krankheit, wurde die erkrankte Person so lange aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, bis die Krankheit wieder abgeklungen war. Um wieder in die Gemeinschaft zurückkehren zu können, musste ein Opfer erbracht werden, welches die spirituelle Reinheit des Erkrankten wieder herstellte.

Was ist „Tzara’at“

Kommentatoren der Torah stellten sich immer wieder die Frage, was diese Krankheit sein konnte, woher sie kam und wie man von ihr geheilt werden konnte. Was ist „Tzara’at“, diese Hautkrankheit?

Moses Maimonides, der als Arzt mit Sicherheit auch andere Beischreibungen für die Ursache der Krankheit hätte anführen können, schloss sich den Kommentatoren vor ihm an. Er hielt fest, dass „Tzara’at“ nicht ein natürliches Phänomen sei, sondern ein Ergebnis von Lashon ha’ra, übler Nachrede, Gossip ist.

Üble Nachrede gilt in der jüdischen Tradition als schwere Sünde. Oftmals fängt sie klein an, hat aber umso größere Folgen. Um die großen Auswirkungen von Gerüchten darzustellen, vergleichen die Rabbiner des Jerusalemer Talmuds „Lashon Ha’ra“ mit einem Mörder, der in Syrien steht und in Rom jemanden umbringt.

In der Bibel wird beschrieben, dass jemand, der an dieser Hautkrankheit erkrankt war, nicht mehr in das Heiligtum kommen konnte. Er oder sie waren für den G’ttesdienst unrein. Ovadiah Sforno, ein jüdischer Kommentator aus dem frühen 15.Jahrhundert erklärt, dass der vorrübergehende Ausschluss aus der Gemeinschaft dazu dienen soll, dass der oder diejenige dadurch Zeit haben sollte, die Tat zu reflektieren und T‘schuva zu machen, also sich bei den Menschen, die sie verletzt haben und bei G’tt zu entschuldigen. So wie Tzara’at, die Hautkrankheit, zu Isolation führte, führt auch üble Nachrede dazu, dass man am Ende alleine ist. Und nur Umkehr, das Eingeständnis, dass man etwas falsch gemacht hat und die Bitte um Vergebung bringen einen wieder zurück in die Gemeinschaft.

Pessachputz für die Seele

Das Pessachfest, dass wir in wenigen Tagen feiern, ist das Fest, an dem wir feiern, dass wir freie Menschen sind, keine Sklaven von Pharao und keine Sklaven von anderen Dingen, die uns unfrei machen. Eigene Sünden, z.B. das Verbreiten von Gerüchten engen uns dabei ein. Wir können mit einem schlechten Gewissen nicht wirklich freie Menschen sein. Deshalb ist es so wichtig, dass wir vor Pessach putzen – und am besten ist es, wenn wir in uns selbst damit anfangen.

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