Dewarim: Gerechtigkeit entsteht niemals aus Vorurteilen

Unser Wochenabschnitt für diese Woche heißt „Dewarim“ – „Worte“. Er ist der erste Wochenabschnitt aus dem fünften und letzten Buch unserer Tora. Das ganze Buch enthält eine Serie von Reden, die Moses an die Israeliten richtet, kurz bevor sie in das versprochene Land einziehen werden, und ihre Wüstenwanderung beenden können.

Moses zeichnet nicht nur noch einmal die lange Reise seit dem Auszug aus Ägypten nach, sondern wiederholt die ethischen Werte und Errungenschaften, die das junge Volk in den vergangenen 40 Jahren erhalten haben. Wir lernen von den Schwierigkeiten, die jede Gesellschaft in Angriff nehmen muss, und wie die Leitlinien der Tora helfen können, diese Schwierigkeiten zu bewältigen. Moses berichtet auch, wie er und auch Gott große Zweifel hatten, ob die Kinder Israels die Erwartungen, die beide an sie hatten, auch erfüllen könnten. Die Erzählungen sind voll von Verzweiflung, Mahnungen und am Ende doch immer wieder auch voll von Hoffnung. Moses und Gott geben die Kinder Israels nicht auf.

Moses‘ Reden auf den Punkt gebracht, enthalten sie für mich eine wichtige Botschaft: Wir sollen niemals aufhören, uns immer für eine gerechte Gesellschaft einzusetzen, und wir sollten auch niemals die Hoffnung verlieren, dass wir dieses Ziel erreichen können. Oder mit den Worten der Tora gesprochen: „Zedek, Zedek tirdof – Lema’an Tich-jeh … Der Gerechtigkeit und nur der Gerechtigkeit sollst du nachjagen, damit du lebst … (Dtn 16.20)“

Dies ist mein Verständnis vom Judentum. Natürlich geht es auch um Gott, aber noch viel mehr darum, wie wir miteinander umgehen, denn gerade hierin drückt sich meiner Meinung nach unser eigentlicher Respekt vor Gott aus. Die Lehre des Judentums ist, dass jeder Mensch „b-Zelem Elohim – ein Ebenbild Gottes“ ist. In unserem Morgengottesdienst singen wir jedes Mal das Gebet „Elohai Ne’shama She natata bi tehora hi“ und drücken damit unsere Dankbarkeit aus, dass jeder von uns eine reine Seele von Gott erhalten hat – jeder von uns, jeder Mensch hat eine solche, reine Seele. In jedem von uns steckt etwas Göttliches und macht uns zu etwas Besonderem.

Und so ist es für mich auch sehr logisch, dass genau mit diesem Thema, der Gleichheit aller, auch die Abschiedsreden von Moses beginnen. Er ermahnt die Israeliten, dass vor Gericht jeder gleich ist. Egal ob arm oder reich, egal ob aus einfachen oder adligen Verhältnissen. Jeder darf sprechen und jeder muss gehört werden. „Hört genau zu“ ermahnt Moses das Volk. Dieser kleine Abschnitt lehrt uns, dass es wichtig ist, nicht vorschnell zu urteilen, denn Gerechtigkeit entsteht niemals aus Vorurteilen.

Schabbat Parashat Devarim, Schabbat Chazon
Schacharit Tora Lesung: Devarim 1:1-3:22
Schacharit Haftara: Isaiah 1:1-1:27 Dies ist die dritte Haftara der Mahnung.

Mincha Tora Lesung: Deuteronomy 3:23-4:8

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.