Schabbat Zav: Es liegt buchstäblich in unseren Händen

Der Wochenabschnitt in dieser Woche ist inhaltlich eine Fortsetzung des letzten Wochenabschnitts. Er führt die Anleitungen zu den Opfern fort und erklärt genau, welche weiteren Opferarten es gibt und wie sie dargebracht werden sollen. Am Ende folgt, nach den theoretischen Unterweisungen, der nächste wichtige Schritt, auf dem Weg zur Errichtung der neuen Gottesdienstordnung. Aaron und seine Söhne werden von Mosche „ordiniert“. In der einzigartigen Zeremonie werden die neuen Priester vor das ganze Volk gestellt und in die neuen Kleider gehüllt. Aaron erhält das Brustschild, die Krone und die URIM und TURIM – die Orakelsteine.

Der nächste Schritt ist die Salbung mit Öl. Daher kommt übrigens das Wort Meschiach – Messias. Es bedeutet salben oder im übertragenen Sinne „der Gesalbte“.

Der Wochenabschnitt erwähnt ebenfalls ein wichtige Speisevorschrift, die vielen Juden bis heute wichtig ist:

Lev 7.26 Ihr sollt auch kein Blut essen, weder vom Vieh noch von Vögeln, überall, wo ihr wohnt.
Lev 7.26 Где бы вы ни жили, не ешьте кровь ни птиц, ни животных.

Wir leiten von diesem Vers ab, dass Fleisch geschächtet werden muss, damit es „Koscher“ ist. Aber woher kommt diese besondere Aufmerksamkeit für das Blut? Die meisten Kommentatoren stimmen darüber überein, dass es zwei Gründe für das biblische Verbot gibt:

Der erste hat etwas mit der Verwendung von Blut in anderen Kulten der damaligen Zeit zu tun. In diesen Kulten wurde Blut zum Beispiel verzehrt (getrunken), da man glaubte, dass man dadurch die Kraft und Stärke der Tiere übernehmen würde und von Krankheiten geheilt werden könnte. Oftmals gab es noch eine weite Komponente, nämlich die, dass man mit den Blutopfern die Götter beruhigen bzw. bestechen wollte. Daher waren in diesen Kulten auch Menschenopfer keine Seltenheit.

Die zweite Erklärung besagt, dass das Blut der Sitz der Seele eines jeden Lebewesens ist. Während wir Menschen zwar Fleisch in bestimmten Maßen essen dürfen, bleibt das Blut tabu, weil die Seele einzig und alleine Gott gehöre.

Irgendwo zwischen den beiden Argumenten liegt die Erklärung von Nachmanides (Nachmanides war ein jüdischer Arzt, Rabbiner, Philosoph und Dichter aus Katalonien 1194-1270). Er glaubte, dass der Verzehr von tierischem Blut uns animalischer machen würde, also dass wir uns dadurch weniger menschlich und ethisch verhalten würden.

Auch wenn ich Nachmanides nicht in dem Punkt zustimmen würde, dass wir durch den Verzehr von Blut irgendwelche tierischen Eigenschaften annehmen, so sehe ich aber, dass die Vorschrift etwas mit Ethik zu tun hat und der Art, wie wir mit unserer Umwelt umgehen sollen.

Das vergießen von Blut ist oft gleichbedeutet mit dem Tod des Tieres oder eines Menschens. Wenn wir nun dem Blut von Tieren eine besondere Beachtung schenken, führen wir uns sehr eindrucksvoll vor Augen, dass wir Tiere töten, wenn wir sie verzehren wollen. Die Tora verbietet Blut zu essen, da es einen „heiligen“ Bestandteil in sich trägt, der Leben ermöglicht – die Seele –.

Das Schächten ist ein aufwendiger Vorgang. Man kann Tiere nicht in einer Nebensache töten. Auch wenn die Meisten von uns heute nicht mehr mitbekommen, wie ein Tier geschlachtet wird und viel zu häufig Fleisch, auch wenn es Koscher geschlachtet wird, noch lange nicht garantiert, dass die Tiere mit Würde behandelt wurden, können wir trotzdem aus diesem kleinen Gebot etwas für uns ableiten: Es liegt buchstäblich in unseren Händen, was wir essen. Wir können bewusst Essen einkaufen. Zum Beispiel Fleisch von kleinen Bauern, die ihre Tiere nicht in Tierfabriken großziehen. Früchte, die nicht zweimal um die Erde geflogen wurden, bis sie in unseren Supermärkten landen und andere Lebensmittel, von dem wir wissen, dass auch die einfachen Arbeiter in der Landwirtschaft ordentlich bezahlt wurden. Es gibt diese Dinge und sie sind oft nicht teurer als andere Lebensmittel. So kann jeder von uns einen Beitrag leisten und für sich selbst den alten biblischen Gesetzen eine ganz moderne Bedeutung geben.

Schabbat Schalom

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