Beth Shalom München braucht unsere Hilfe

Liebe BlogleserInnen,

auch wenn ich nicht mehr in München lebe, ist die Gemeinde Beth Shalom für mich so eine Art „Heimatgemeinde“. Entsprechend hat mich die Nachricht, dass es in der Gemeinde am vergangenen Wochenende einen verheerenden Brand gegeben hat schwer erschüttert. Ursache wahr wohl ein elektrischer Schaden. Die Folge, das komplette obere Geschoss der Synagoge wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man hier von einem Totalschaden sprechen kann. Der Synagogenraum im unteren Geschoss wurde „nur“ durch die Rauchentwicklung für einige Wochen unbrauchbar gemacht. Für G’ttesdienste muss die Gemeinde einige Wochen umziehen, bis sie wieder in die jetzigen Räume zurück kann.

Für die Gemeinde, die momentan eigentlich Geld für einen Synagogenneubau sammelt, kommt die finanzielle Belastung, die durch den Brand entstanden ist, natürlich zu einem unglücklichen Moment. Das Geld aus dem Synagogenbau-Konto darf und kann nicht verwendet werden und viele Spender und Gemeindemitglieder haben sich bereits für ersteres Projekt stark engagiert. Daher poste ich folgenden Aufruf der Gemeinde auch in meinem Blog, in der Hoffnung, dass sich viele neue Unterstützerinnen und Unterstützer finden, die der Gemeinde helfen, möglichst bald wieder in den Räumen, die für so viele Symbol einer religiösen Heimat sind, G’ttesdienste feiern zu können:

Liebe Gemeindemitglieder, Freunde und Förderer von Beth Shalom,

in der Nacht vom 24. auf den 25.09.2010 hat es in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Shalom in München gebrannt. Personen sind G´tt sein Dank nicht zu Schaden gekommen. Aber unsere Gemeinderäume sind stark beschädigt worden und können bis zu deren Instandsetzung leider nicht genutzt werden.

Neben dem Gebäudeschaden ist leider auch ein erheblicher Schaden an unserer Einrichtung und dem Inventar entstanden. Unsere gesamte Bibliothek im Obergeschoss, unsere Küche, Tische, Stühle, die Bilder und auch das Unterrichtsmaterial für unsere Kinder wurden vernichtet bzw. unwiederbringlich in Mitleidenschaft gezogen! Die gesamte Schadenshöhe wird auf weit mehr als Euro 70.000,00 geschätzt. Bis auf die Brandversicherung, die für die Schäden am Gebäude aufkommt, kann unsere Gemeinde leider nicht auf eine Versicherung zurückgreifen, die uns die entstandenen Schäden am Inventar in Höhe von ca. Euro 40.000,00 ersetzen könnte.

Deshalb wenden wir uns heute an SIE, liebe Gemeindemitglieder, Freunde und Förderer. Bitte, unterstützen Sie die Instandsetzung unserer Gemeinderäume mit Ihrer Spende und helfen Sie uns dabei, das verbrannte Inventar soweit wie möglich zu ersetzen, um baldmöglichst wieder für SIE da sein zu können. Vielen Dank – toda raba!
Für den Vorstand
Ihr Thomas Dahmen
1. Vorsitzender

Ab einer Spendensumme von Euro 100,00 stellen wir Ihnen auf Wunsch gerne eine Spendenquittung aus. Bis zu einer Spendensumme von Euro 100,00 gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung.

Spenden Sie bitte an:
Liberale Jüdische Gemeinde München Beth Shalom, Hypovereinsbank München,
Kto.Nr. 467 64 935, BLZ: 700 202 70, Verwendungszweck: Spende Brandschaden Beth Shalom

meilenstein

Geschafft ! den schriftlichen teil des hebraicums hatte ich heute. es kam aus dem ersten buch könige ein „kleiner“ abschnitt zum übersetzen vor und natürlich einige wortanalyen. ich muss sagen, es lief in meinen augen ganz gut, auch bei meinen mitkämpfern. jetzt kommt noch am montag der mündliche teil und ich hoffe, dass dann dieser teil abgeschlossen ist.

 das hebraicum ist aber nur ein teil meiner begründung, dass ich mich hier so rar gemacht habe. der andere teil, und auch da habe ich einen meilenstein geschafft, ist ein erneuter umzug. da münchen in kürze ganz und gar aus meinem lebensmittelpunkt verschwindet 🙁 brauchten wir eine größere wohnung – da wir ab ende april  e n d l i c h  beide in berlin leben und „arbeiten“ werden. das bedeutet aber, dass wir rund um pessach die beiden umzüge (kleine wohnung berlin in große wohnung berlin und wohnung münchen in große wohnung berlin) über die bühne bringen müssen. und dies alles natürlich bis semesterbeginn – ich gebe zu, mein israel-aufenthalt sorgte für zusätzliche engpässe.

aber wie gesagt, auch hier haben wir einen meilenstein geschafft. die neue wohnung in berlin ist bezogen, die alte geräumt. in der neuen ist übrigens chametz-verbot. nur der bierkasten für die umzugshelfer macht mir noch sorgen 🙂

ich wünsche euch schon jetzt shabbat shalom und chag sameach.

mein neuer rabbiner

irgendwie war jom kippur wie letztes jahr – es war anders als im jahr zuvor und trotzdem vertraut.

wir haben einen neuen rabbiner in der gemeinde. und mit neu meine ich nicht, dass er die betreuung der gemeinde erst kürzlich übernommen hat, nein. er ist wirklich ein neuer rabbiner. frisch vom kolleg (böse zungen würden eher sagen, frisch aus dem studio, nach dem ganzen wirbel, den seine ordinierung und die zweier seiner mitstudenten erzeugt hat). mein neuer rabbiner heisst tom und wurde vor nicht mal drei wochen ordiniert. davor war er in unserer gemeinde rabbinerstudent und ein kommilitone von mir.


über die ordination konnte man ja nun wirklich genug lesen. die pressemappe hat den umfang eines kleinen buches und ich finde, dass die ganze aufmerksamkeit zurecht so groß war. wer etwas anderes behauptet, hat eventuell nicht begriffen, dass die ordination keine alltäglichkeit war und eine zu tage getragene bescheidenheit niemanden etwas genützt hätte. man muss investieren, wenn man etwas erreichen will. und das ziel, das das kolleg und der zentralrat hatten ist kein kleines. es geht nicht darum, mal 50,- euro für ne spendendose zu bekommen, sondern die ausbildung von rabbinerinnen und rabbinern in deutschland langfristig zu sichern.

und warum sollte man solch eine ordination von rabbinern eigentlich im kleinen kämmerchen durchführen? wir leben doch nicht auf einer kleinen insel in irgendeinem ozean, abgeschieden von der restlichen zivilisation. wir sind teil der gesellschaft und es ist wichtig, dass wir uns in ihr zeigen; gerade, wenn wir etwas zu feiern haben. dürfen jüdinnen und juden sich nur zu wort melden, wenn es antisemitische übergriffe ereignet haben, wenn nazis irgendwo ein hotel kaufen?

nun ist tom also rabbiner. zu erev rosh ha-shanah stand er dann zum ersten mal vor der gemeinde als rabbiner. genau an diese stelle gehört er. man fühlte, dass die ganze gemeinde an sein erfolg teilhaben durfte, dass er gemeinsam mit uns weiter gehen möchte, dass beide seiten lust haben, nun an die nächsten, neuen aufgaben heranzugehen. mit dieser grundstimmung waren die hohen feiertage in münchen wunderbar untermauert.

ein neuer rabbiner stand vor und trotzdem war er allen sehr vertraut. ich wünsche tom noch einmal von dieser stelle alles gute.

[foto: tom bei der akademischen abschlussfeier in dresden]