A ‘light’ for Israel

Adrian KleinerDear friends,

The news that overwhelms us in the media about the terrorist attacks in Israel saddens me in a myriad of ways. It is hard to withhold my tears over the dead in Jerusalem, and like my fellow Jews across the world, I mourn for the victims of the latest attacks across the whole country.

Less than a year ago I lived in Israel for a while, and walked through the streets of Tel Aviv and Jerusalem daily. I felt safe, and had the feeling that we finally could see a glimpse of a new era for Israel – a place where Jews can live in safety, secure with their neighbours of all creeds. And now? Once again, our friends in Israel are filled with fear when they go out in public. Once again, words have become deadly weapons, as those around us use them to call for violence. Holy sites, places that should actually be filled with peace and security, have become places of grief and terror.
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Ein neues Jahr und ein Sommerloch – Drascha zum Neuen Jahr

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„Und Abraham gab seinem Sohn, der ihm geboren worden war, den Sara ihm geboren hatte, den Namen Isaak. Und Abraham beschnitt seinen Sohn Isaak, als er acht Tage alt war, so, wie Gott ihm geboten hatte.“

Авраам дал новорожденному сыну, которого родила Сарра, имя Исаак. Когда его сыну Исааку исполнилось восемь дней, Авраам обрезал его, как велел ему Бог.

(Bereschit 21.3-4)

In Deutschland gibt es Regeln für alles. Wann die Schule beginnt, wie man sich im Auto auf der Straße verhalten muss, wie die Lebensmittel in Supermärkten verpackt sein müssen. Alles ist geregelt. Und es gibt eine weitere Regel: Im Sommer, also wenn die wichtigsten Politiker des Landes Urlaub machen, dann suchen weniger bekannte Politiker oder Journalisten nach Themen, mit denen sie bekannt werden können. Oft sind das Themen, die wenig Bedeutung haben und nach drei bis vier Wochen auf den Titelseiten unserer Zeitungen wieder verschwinden. Die Politiker aus der zweiten Reihe konnten sich ein bisschen im Scheinwerfer-Licht der Journalisten zeigen, die Zeitungen wurden trotz der Urlaubszeit gut verkauft und richtig Schlimmes ist nicht passiert. Nach den Sommerferien kommen Angela Merkel und die anderen wieder zurück nach Berlin und alles ist so wie immer.

Im Grunde stimmte diese Regel auch für das diesjährige Sommerloch-Thema. Ein paar Journalisten fanden ein perfektes Thema für die Sommerloch-Debatte: Einige Wochen zuvor hatte ein recht unbedeutendes Gericht in Köln geurteilt, dass die Beschneidung von Jungen eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit von Kindern sei. Da in Deutschland erstaunlicherweise keine Regelung bezüglich religiöser Beschneidungen existiert, haben die Juristen aus Köln, ganz bürokratisch Gesetze verglichen und wie Mathematiker ein Urteil gefällt. Dass sie nicht bedacht haben, dass Beschneidungen für Muslime und Juden auch eine sehr emotionale Bedeutung haben, kann man ihnen nicht unbedingt vorwerfen. Für emotionale Komponenten sind Politiker zuständig, die die Gesetze machen. Juristen urteilen nach diesen Gesetzen.

Zurück zum Sommerloch. Die Journalisten fanden also ein Thema, das emotional perfekt in die Sommerlochdebatte passen würde. Mindest. 50% der deutschen Bevölkerung, nämlich alle Männer, konnten etwas dazu sagen. Wenn es um den Intimbereich des Mannes geht, dann wird jeder Mann zu einem Experten, auch wenn er nicht beschnitten ist und eigentlich keine Ahnung hat, worum es in der Debatte geht.

Bis dahin glich die Sommerloch-Debatte jeder anderen. Otto-Normalverbraucher durfte mal Experte sein und seine Meinung äußern. Neu war in diesem Jahr aber, dass es nicht um die richtige Aufstellung der Fußball-National-Mannschaft ging, oder die Kleidung von Prominenten. Es ging plötzlich um „Wir“ und „Die“. Mit der Debatte wurde ein Teil der Bevölkerung gegen einen anderen Teil der Bevölkerung gestellt. Mit einem Mal standen alle Juden auf der Anklagebank. Es war wieder da: „Juden sind Kinderschänder“. Und weil die wichtigsten Politiker Deutschlands im Urlaub war, konnten selbsternannte Kinderretter ungehindert alte Parolen in die Presse bringen.

Die Regel lautet, dass das Sommerloch-Thema nach ein paar Wochen wieder verschwindet und niemand verletzt zurückbleiben wird. In diesem Jahr war es aber anders. Ja, das Thema wird wieder verschwinden. Das Urteil war so unbedeutend, dass man in Deutschland natürlich weiterhin Beschneidungen vornehmen kann und in einigen Wochen wird der Bundestag ein Gesetz verabschieden und alles wird perfekt geregelt sein. Aber für uns Juden hat sich etwas geändert. Die Verletzungen der letzten Wochen haben Spuren hinterlassen. Wenn der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland sagt, dass „Jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr möglich“ sei, dann hat er vielleicht in der Hitze der Debatte übertrieben, aber dass er alleine zu solchen Worten greifen musste, zeigt, wie schwierig es bis heute ist, jüdisches Leben in Deutschland zu gestalten und wie stark alte Vorurteile gegenüber uns Juden bis heute vorhanden sind. Die Debatte um die Beschneidung hat alte Wunden neu aufgerissen und ich verstehe, dass viele Jüdinnen und Juden in Deutschland sehr verstört nach diesem Sommer überlegen, wie offen man noch jüdisch in Deutschland leben kann.

Im Zentrum des Tora-Abschnittes, den wir zu Rosch HaSchana lesen, steht der Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat. Die Beschneidung ist für uns Juden das andauernde Zeichen für diesen Bund. Wir Juden vertrauen seit Generationen darauf, dass Gott sein Versprechen gegenüber Abraham einhält, nämlich treu an unserer Seite zu stehen und wir Juden halten unseren Teil, in dem wir den Bund an unsere Kinder weitergeben. Wir geben unser Wissen weiter, so wie auch unsere Traditionen.

Ich weiß, dass nicht jeder männliche Jude beschnitten ist, und dass wir Juden natürlich darüber streiten sollten, ob wir eine Beschneidung der Vorhaut überhaupt noch für zeitgemäß halten. Als liberale Juden sollten wir sogar darüber diskutieren, denn jedes Gebot aus unserer Tradition sollte von jeder Generation neu diskutiert werden. Aber diese Diskussion müssen WIR führen. Wir sollten sie unabhängig von politischen Überlegungen führen, unabhängig von Ratgebern, die nicht verstehen, dass der Bund zwischen Gott und uns Juden eine Dimension hat, die über Gesetzestexte hinausgeht. Etwas, das so schwer zu beschreiben ist, wie Liebe oder Trauer. Unser Bund mit Gott ist so einmalig und unbeschreiblich, wie das Leben selbst.

Rosch HaSchana ist in der jüdischen Tradition der Geburtstag der Welt. Das wir uns gerade heute an die Erschaffung der Welt erinnern sollen, ist für mich kein Zufall. Es ist etwas Großartiges und etwas, das wir Menschen nicht einfach als etwas Selbstverständliches hinnehmen sollten. Genauso wenig wie den Bund zwischen Gott und uns Juden. Dass andere diese Besonderheit nicht wahrnehmen und ein Zeichen für diesen Bund, die Beschneidung, als etwas Barbarisches hinstellen, sollte uns nicht davon abhalten, trotzdem diesen Bund zu bewahren. Als Juden wissen wir, spätestens seit diesem Sommer, dass jüdisches Leben auch jetzt noch verteidigt werden muss. Wir wissen, dass Beschneidungen seit Generationen verantwortungsbewusst durchgeführt werden und wir unsere Kinder nicht verstümmeln. Eltern, die sich dafür entscheiden, an dieser Tradition festzuhalten, sollten die Möglichkeit dazu haben und wir alle sollten fest zu ihnen stehen. Womöglich sind wir nämlich die einzigen, die das tun werden.

Unsere Synagoge in Hameln, unsere Gemeinde, steht dafür, ein offenes Haus zu sein. Beiteinu, unser Haus ist offen für alle, die mit uns in den Dialog treten wollen, auch über die schwierigsten Fragen. An der Debatte in diesem Sommer hat mich gestört, dass es kein Dialog war, dass es wie gesagt eher ein „Wir“ und „Die“ war. Ich hoffe sehr und wünsche mir, dass diese unschöne Episode so schnell verschwindet, wie alle anderen Sommerloch-Themen und, dass das Miteinander, das hier in Hameln vorgelebt wird, wieder zur Normalität in Deutschland wird.

Und auch das sollten wir an diesem Rosch Ha Schana nicht vergessen: Gott hat die Welt nicht nur für uns Juden, oder für Muslime oder Christen erschaffen, sondern für alle Menschen, so wie Gott auch einen Bund mit allen Menschen geschlossen hat. Möge dies als Botschaft von diesem Rosch Ha Schana ausgehen. Möge das kommende Jahr für alle ein friedliches Jahr und ein Jahr des gegenseitigen Respektes werden.

Schana Tova

Ein Fall für die Öffentlichkeit – die Affäre Williamson

aus den beiden interviews ([hier] und [hier]) ist ersichtlich, dass der fall Richard Williamson ein ständiger begleiter meiner rom-reise war. und nicht nur, weil ich als rabbinerstudent mit dabei war und man sich gemüßigt gefühlt hätte, stellung zu beziehen. sondern im gegenteil: mein eindruck ist, dass es vor allem den katholischen teilnehmerInnen der studienfahrt wichtig war, aus dem zentrum der katholischen kirche eine stellungnahme zu dem jüngsten entscheidungen ihrer kirche zu erhalten.

Die Einheit der Kirche geht vor Diplomatie
Die Einheit der Kirche geht vor Diplomatie

natülich bewerte ich das bestreben der katholischen kirche, traditionalisten zurück in ihre gemeinschaft zu holen, als nicht wirklich sensibel gegenüber „uns juden“ (immerhin habe ich etwas dagegen, wenn mission an juden öffentlich propagiert wird und wir juden als jesus-mörder weiter diffamiert werden), aber im grunde ist dies kirchenpolitik, die ich als gläubiger einer anderen religion nicht zu kommentieren habe. wenn die kirche, wie derzeit unter dem pontifikat von benedikt, weiter eine konservative ausrichtung  ‚hin zum „fundamentalismus“‚ betreibt, ist dies ihre sache und die ihrer anhänger (die änderung der karfreitags-fürbitte hat mich als jude viel stärker verletzt und hat wesentlich tiefere wunden in das jüdisch-christliche vertrauensverhältnis gerissen).

wie gesagt, letztlich müssen die gläubigen der katholischen kirche entscheiden, ob sie dem weg hin zu einer „katholischen orthodoxie“ folgen wollen, oder nicht. jede religiöse intstitution, zumindest die, die anspruch auf moralische autorität erhebt, lebt letztendlich von denen, die sich ihr als gemeinschaft anschließen. und daher liegt der verdacht, dass der hintergrund der ausgestreckte hand in richtung der pius brüder nur ein prüfstein für die innerkirchliche flexibilität, bzw. biegsamkeit sein sollte, fast schon auf der hand.

pech nur, dass die entscheidungsträger der kurie für diesen belastungstest daneben gegriffen haben und ausgerechnet die abweichler am schopf gepackt haben, die nicht nur den innerkirchlichen konsenz in frage stellen, sondern auch diamentral zum europäisch-pluralistischen-demokratieverständnis stehen und somit zur belastungsprobe auch nach außen hin wurden.

meines erachtens ist richard williamson nur die grau-braune spitze eines eisberges, der durch tief braunes wasser dümpelt. er hat ausgesprochen, was konsenz in ultra-rechten kirchenkreisen sein dürfte. (ein blick auf kreuz.net zeigt ein paar nette weitere stilblüten.) seine äußerungen runden – sagen wir mal auf besonders geschmacklose art und weise – ab, was an menschenverachtenden gedankengut in den stuben der pius-klan-brüder gepredigt wird: von der herabwürdigung des islams, in dem der islamische prophet mohammad als kinderschänder beschimpft wird, über verschwöhrungstheorien, die eine unterwanderung deutschlands durch den islam, in form von einer erneuten türkischen eroberung europas, sehen, bis eben hin zu der leugnungsthese, dass die shoa nicht stattgefunden haben soll. [hier]

Die Affäre Williamson ist nur eine der typischen Aufgeregtheiten aus Deutschland
"Die Affäre Williamson ist nur eine der typischen Aufgeregtheiten aus Deutschland"

dass solche äußerungen mehr nur als ein entsetztes räuspern des zentralrates der juden in deutschland erwirken (was dem vatikan mehr oder weniger egal gewesen sein dürfte), sondern, im wahrsten sinne des wortes, eine staatsaffäre heraufbeschwören würden, war für besagte kurienpolitiker wohl ein nicht beabsichtigter unfall. für mich ist dies aber in vielerlei hinsicht ein gutes zeichen:

(die) kirche steht nicht in einem gesellschaftspolitisch luftleeren raum, in dem sie agieren kann, wie sie will. die gesellschaft nimmt anteil an dem, was im inneren jeder großen institution vor sich geht und wer diese gesellschaft ist, bestimmt (glücklicherweise) nicht die institution selbst. wenn also (die protestantin) angela merkel die ihr zugewählte aufgabe wahrnimmt, dann politisch einzugreifen, wenn der gesellschaftliche grundkonsenz durch eine gruppe innerhalb dieses gefüges in frage gestellt wird, dann tut sie recht so. dass einige kurienkardinäle dies als aufgeregtheit in deutschland und einmischung in innerkirchliche angelegenheiten abtun, ist meiner meinung nach ein falscher umgang mit kritik – und dazu ein äußerst schlechter.

der papst mag vielleicht die eine oder andere position der pius-brüder teilen (z.b. in liturgiefragen, oder die mission von juden u.d.g.), aber, dass er die neo-nazi-thesen teilt, halte ich für abwegig. problematisch ist aber, dass er nicht von beginn an eine „klare und deutliche“ position gegen den braunen dreck eingenommen hat, sondern sich erst hat bitten lassen müssen. wenn ich etwas in meiner woche in rom gelernt habe, dann, dass die römisch-katholische kirche in ihrer lehrmeinung absolut auf den papst ausgerichtet ist (abweichler haben echt ein problem). gerade deshalb wäre es in genau dieser absolutheit notwendig gewesen, eine sofortige stellungnahme vom „vorstandsvorsitzenden“ zu erhalten und nicht nur von seinen regionalen repräsentanten.

Die Meinung dieser Demonstranten auf einer Anti-Vatikan-Demo in Rom teile ich definitiv nicht, aber solche Vergleiche hätten durch ein offenes und klares Eintreten gegen Antisemitismus und für Menschenwürde bereits im Keim erstickt werden können.
Die Meinung dieser Demonstranten auf einer Anti-Vatikan-Demo in Rom teile ich definitiv nicht, aber solche Vergleiche hätten durch ein offenes und klares Eintreten gegen Antisemitismus und für Menschenwürde bereits im Keim erstickt werden können.

entgegenungen, wie die folgende: „offentsichtliches muss man doch nicht noch promulgieren“, wie die eines engagierter vertreter der kurie, sind natürlich grundweg falsch. wenn man möchte, dass offensichtliches offen sichtbar bleibt, dann muss man es auch der öffentlichkeit vorlegen.. andernfalls wird es zu einem öffentlichen geheimnis und gibt anlass zu spekulationen, wenn es nicht gar in vergessenheit gerät. gerade die „hüter“ von moral und glauben, sollten dies wissen.

wenn ich also an dem vorgehen der katholischen kirche kritik übe, dann in erster linie dahingehend, dass die kirche ein bild aufgezeichnet hat, welches höchst problematischen personen eine niesche innerhalb ihres gefüges einräumt. problematisch wird dies, weil sich die römisch-katholische-kirche sich per eigendefinition auch als moralisches vorbild für die gesamtgesellschaft sieht, und damit im übertragenen sinne legitimation für neo- und altnazis auch in der gesamtgesellschaft schafft. und, dass dies in keinem fall zutreffend ist, hat die deutsche (medien)öffentlichkeit dankenswerter weise erkannt und zu recht zu einem aktuellen diskussionsthema gemacht.

Sprachlos

angesichts der lage in israel bin ich derzeit – wie sicherlich viele von euch auch – sprachlos. auf der einen seite schlägt in meiner brust ein herz, dass zu israel in guten wie in schlechten zeiten hält, auf der anderen seite bin ich nun mal auch ein hoffnungsvoller pazifist und jede kriegshandlung versetzt mich in einen schock.

ich bin nicht in israel und kann schlecht beurteilen, ob die handlungen israels gerechtfertigt sind, oder übertrieben. ich bin kein militätexperte oder -stratege um abschätzen zu können, ob es keine anderen mittel und wege gibt, der hamas einhalt zu gebieten. ich denke jedoch, dass in der vergangenheit zu viele fehler gemacht wurden und wahrscheinlich der handlungsspielraum so eng wurde, dass es nun zu einem erneuten krieg gekommen ist. wir können nur hoffen und beten, dass wir später, rückblickend, keinen erneuten fehler in dem jetzigen vorgehen erkennen werden.

möge 2009 ein jahr werden, in der die weltgemeinschaft erkennt, dass israel und die region mehr benötigt als lippenbekenntnisse. israel darf nicht zum testfall für einen noch größeren konflikt mit dem iran werden. mögen die klaren worte von angela merkel nicht im allgemeinen EU-bürokratismus und hamasfreundlichen-gehabe untergehen, sondern einen neuen weg einer eu-friedenspolitik beschreiben. möge 2009 in diesem sinne nicht in sprachlosigkeit beginnen, wie 2008 leider endet.