Video von Noam Shalit

Heute bekam ich folgende Email, deren Bitte ich hiermit gerne erfülle. Bitte schließt Euch alle an:

(c) Wikipaedia // 2009 גלעד שליט בקלטת שהתפרסמה ב-2 באוקטובר Gilad’s Shalit’s father made a video clip on occasion of Yom Ha’atzmaut which has only had 7000 hits. That must be disheartening for the Shalits. I encourage everyone to watch and to send on to their family, friends, lists etc. For the bloggers on this list please help spread the word. Schools should encourage students to watch after all that is who Noam Shalit is addressing. http://www.youtube.com/watch?v=8VH9xQbYJP8&feature=related

Wikieintrag über Gilad in Englisch, Deutsch, Hebräisch.

Berechtigte Kritik !?

einer meiner leser hat zu meinem letzten artikel kommentiert, dass ich/juden zu wenig selbstkritisch bin/sind. hier meine stellungnahme:
Lieber Gray,
wenn sie sich ein bisschen meine ersten artikel zu der karfreitagsfürbitte durchgelesen haben, betrache ich die entwicklung durch aus in verschiedenen richtungen. ich honoriere vor allem die aus der kirche vorgeschlagenen lösungswege, wie z.b. die nach dem neuen ritus geltende fürbitte eins zu eins in den alten ritus zu übernehmen.
natürlich gibt es in der jüdischen liturgie auch polemiken gegen nicht-jüdische religionsverständnisse. und gerade die reformbewegung ist sich dem bewusst und hat viele traditionelle gebete abgeändert. bestes beispiel ist das gebet „Birkat Minim“ in der amida. auch wenn es sich in der ursprünglichen intention gegen die „abtrünnigen“ aus den eigenen reihen wendet, wurde es gerade durch christliche interpreten als anti-christlich eingestuft. in der reform-liturgie ist es nun dahingehend geändert, dass es der ursprünglichen intention näher kommt und über die wandlung des „bösen“ im menschen zum guten bittet. auch das aleinu gebet hat diese wandlung erfahren.
ich bin mir sicher, dass die katholische liturgie einige gebete aufweist, die sich gegen den nicht-monotheistischen glauben wendet und so finden wir auch diese in der jüdischen liturgie. da die kirchen die gleichen quellen (d.h. die heiligen schriften – vor allem die propheten) verwendet, die auch die basis für unsere liturgie darstellt, sind diese analogien schon von natur aus gegeben.
was mich aber dennoch zu der deutlichen kritik an der katholischen kirche veranlasst, ist die tatsache, dass die fürbitte „neu“ ist. sie ist wider die lehrmeinung, die nach dem zweiten vatikanischen konzil maßgebend war, vom papst selbst verfasst worden. und sie spricht nicht vom generellen wunsch, den eigenen glauben zu verbreiten, sondern spricht explizit nur von uns juden. es tut mir leid, aber ich fühle mich tatsächlich auf den fuss getreten. und im unterschied zu den jahrhunderten davor, schreie ich/schreien wir juden jetzt auf, wenn man uns zu nahe tritt. das gleiche recht hat auch die katholische kirche in umgekehrter richtung.
das gleiche gilt auch für den holocaust-leugner wiliamson. seit monate fährt die kirche zweigleisig. sie kritisiert zwar wiliamson, aber gleichzeitig steht sie weiter in direkten verhandlungen mit der bruderschaft und ist weiterhin bereit auch wiliamson wieder voll aufzunehmen. welches verheerende signal sendet uns da rom?
meine kritik an der aufarbeitung der missbrauchsfälle, die derzeit überall zum vorschein kommen richtet sich im wesentlichen nur an den papst. er schweigt. kirchen sind wie andere religiöse einrichtungen auch, institutionen, die werte vorgeben und besipielhaft vorangehen müssen. viele der missbrauchsfälle sind nur deshalb möglich (und damit meine ich nicht nur innerhalb der kirche, sondern gesamtgesellschaftlich), weil jemand schweigt, weil die hilferufe der opfer nicht gehört werden.
unsere gesellschaft steuert auf das große schweigen zu. lieber man schaut weg, als sich zu äußern. unsere religionen basieren aber eigentlich auf einem anderen konzept. wir sollen zeugnis geben. zeugnis geben verlangt, dass man den mund auf macht und stellung bezieht.
ich gebe zu, meine kritik war zuletzt sehr polemisch und ich akzeptiere die rüge. nicht ganz stehen lassen möchte ich aber, dass ich durchaus kritisch das judentum betrachte. insbesondere, wenn moderne entwicklungen zu einer spaltung des judentums führen, oder wenn eine strömung versucht, einer anderen ihren eigenen willen aufzuzwängen. aber wie so oft, ist selbstkritik schwerer als anders herum und ich freue mich auf kritische anfragen, die mir helfen, missstände zu erkennen.

Können Juden und Christen gemeinsam Beten?

„Ist es für einen Rabbiner denkbar, bzw. möglich, zusammen mit einem christlichen Geistlichen einen G’ttesdienst zu feiern?“.

Für eine Rabbinerin, für einen Rabbiner ist dies eine enorm wichtige Frage, mit alltäglicher Relevanz: Von meinen zukünftigen Kollegen, und auch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es regelmäßige Anfragen nach gemeinsamen religiösen Veranstaltungen, G‘ttesdiensten und Zeremonien gibt. Vom Eröffnungsg’ttesdienst für eine Konferenz, bis zum gemeinsamen Friedensgebet während einer politischen Veranstaltung, von der Jugendbegegnung bis zu einer gemischt-religiösen Hochzeit. Es gibt unzählige Veranstaltungen zu denen Rabbinerinnen und Rabbiner eingeladen werden. Aber auch ohne Rabbiner und Priester – allein schon die Begegnung von religiösen Menschen an sich wirft die Frage auf, ob man miteinander beten kann oder soll.
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"Kuenstliche Befruchtung" im Islam

Adrian Michael Schell
ZUR ASSISTIERTEN REPRODUKTION AUS DER SICHT DES ISLAMS
Eine erste Einführung

Begriffsbestimmung:

Unter assistierte Reproduktion versteht man aus medizinischer Sicht therapeutische Maßnahmen, die außerhalb der sexuellen Begegnung von Mann und Frau die Befruchtung von weiblichen Keimzellen (Eizellen) ermöglichen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Methode als „Künstliche Befruchtung“ bezeichnet. Dieser Ausdruck ist letztlich nicht ganz richtig, denn die Befruchtung zwischen Spermien und Eizelle verläuft genauso, wie sonst im Eileiter. Es ist also nicht die Befruchtung selbst, sondern nur ihr Ort „künstlich“.  Die Befruchtung außerhalb des Körpers (extrakorporale Befruchtung, auch kurz als IVF bezeichnet), wird seit 1978 in der Behandlung z. B. bei unerfülltem Kinderwunsch eingesetzt. Die Schwangerschaftsrate nach IVF ist in hohem Maße z.B. von der zur Sterilität führenden Störung abhängig. Ein zweiter wichtiger Faktor ist das Alter der Frau. Weltweit werden die Schwangerschaftsraten mit ca. 25% pro Transfer angegeben. Da man damit rechnen muss, dass ca. 20% der Schwangerschaften in einer meist frühen Fehlgeburt enden, liegt die Rate der Frauen, die tatsächlich ein Kind bekommen, bei ca. 20% pro Versuch.

Die am meisten diskutierten Therapien sind:

– die künstlich intrauterine Insemination (u.a. „Samenspende“)

– die In-vitro-Fertilisation (IVF) mit Embyonentransfer

– die intrazytoplasmatische Spermieninjektion („echte“ künstliche Befruchtung)

– und die Leihmutterschaft

Exkurs: Es wird diskutiert, überzählige Embryonen, die bei der IVF entstehen, für die Stammzellenforschung zu verwenden. Stammzellen sind Zellen in einem Entwicklungsstadium von dem aus sie sich in mehr als 200 verschiedene Gewebearten entwickeln können. Die überzähligen Embryonen werden aufgetaut und wachsen im Labor vier Tage lang. Ausgehend von diesem Entwicklungsstadium konnten US-Forscher erstmals 1998 Stammzellen gewinnen, die sich unentwegt teilen, jedoch nicht zu einem Baby heranwachsen.

(Wer auf der Suche nach medizinischen Ansprechpartnern ist, dem empfehle ich die Website: http://www.repromed.de/. Auf dieser Website kann man Fachärzte vor Ort suchen und kontaktieren.)

Vorbemerkung:

Die mir vorliegenden Quellen beschreiben nur einen kleinen Ausschnitt der aktuellen, innermuslimischen Diskussion zu diesem Thema. Wie im Judentum, so gibt es auch im Islam ein großes Spektrum von Lehrmeinungen. Da in deutscher Sprache nur sehr wenig veröffentlicht wurde,  stütze ich mich bei meinem Kurzüberblick im Wesentlichen auf die beiden folgenden Bücher: Gâd-al-Haqq Alî Gâ-al-Haqq: „Künstliche Befruchtung“ in: Moderne Medizin und Islamische Ethik, Thomas Eich (Hg./Übers.)und Ormi Rey-Stocker: “ Anfang und Ende des menschlichen Lebens aus der Sicht der Medizin und der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam“.

Auch kann ich leider nur mit einer deutschen Übersetzung des Qur’ans arbeiten, was dazu führt, dass ich eventuelle Wortvarianten und Übersetzungsmöglichkeiten bei der Beurteilung nicht eigenständig durchführen kann, sondern mich ausschließlich auf die Interpretation des Übersetzers verlassen musste.

Die herangezogenen Fatwas sind mir als Beispielhaft empfohlen worden, oder wurden im Rahmen der Fußnoten in den von mir verwendeten Quellen erwähnt. Dieser Text entstand für ein Seminar in der Uni, um einen kurzen Einblick zu gewinnen. Er stellt nicht die volle Breite des Diskussion dar. Viel mehr ist er die Ausgangsbasis für weitere, tiefergehende Diskussionen. Ich empfehle, auch die Fussnoten am Ende zu lesen 🙂 …

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Ist der Iran auf dem Weg zur Revolution?

gestern habe ich als statusmeldung in facebook folgenden text eingegeben:

Adrian Michael Schell fragt sich, wie die Iran-Euphorie zu bewerten ist, die gerade um sich greift. Glaubt den wirklich jemand, dass sich die grundsätzliche Haltung des Irans, z.B. gegenüber Israel, ändern wird. Zudem befürchte ich, dass Mir Hossein Mussawi nur eine Spielfigur im Machtstreben anderer ist.

erste rektionen hierzu erhielt ich über nacht:

S***: Ich glaube auch, da wird so einiges verwechselt…andererseits steht zu hoffen, dass Moussavi jetzt nach den Protesten fuer einen umfassenderen Wandel steht.

C***: Glaubt Ihr, die Demonstranten gehen nur noch für Mousawi auf die Straße? Da geht es doch grundsätzlich darum, dass das System die Menschen an der kurzen Leine hält… Um Mousawi könnte man sich später immer noch kümmern 😉

M***: Oh Adi, das schätzt du leider falsch ein. Die Faszination liegt in der Nutzung der neuen Medien gegen eine Diktatur. Ein Großteil der Demonstranten will nicht Mussawi, sondern einen Regimewechsel. Mousawi gehört zum System, ist aber Reformer wie Chatami. hat Chatami Israel jemals mit Vernichtung gedroht? Diese Proteste finden u.a auch statt, weil Obama mit seiner Respect-Politik den Mullahs ihr liebstes Feindbild geraubt hat. Wenn die Mullahs und die Bombe als Israels „größte Bedrohung“ verschwinden, hat auch Israel bessere Chancen für eine ehrliche Friedenspolitik ohne Rechtsextremisten wie Netanjahu und Lieberman, die auch nur aufgrund der geschürten Ängste regieren.

J***: zunächst mal: es kann nur besser werden. Und dann ist die Position Moussavis zu Israel und zur Shoa schon eine andere. Allerdings bin ich auch der Meinung, daß Scharfmacher wie Lieberman kaum das Recht haben, mit dem Finger auf andere zu zeigen – wenn sich die Situation für Israel nicht grundsätzlich ändern wird, liegt das auch an ihnen. Aber man wird sehen, was die nächsten Monate bringen – vielleicht nutzt Netanyahu ja die Gunst der Stunde und eröffnet Friedensgespräche mit Syrien, das wäre das klügste, was er jetzt tun könnte.

M***: …an den Mullahs hängen u.a Hamas und Hisbollah. Wenn die Unterstützung weg fällt, wäre das für Netanjahu ein schlimmer Tag. Er wäre gezwungen von seiner rassistischen und frevelhaften Politik abzuweichen und könnte von Obama zum Frieden gezwungen werden. Glaub mir, wenn Ahmadinedschad fällt, dann fällt auch Nasrallah.

S***: Jeder Spielt seinen Pion, wer den Zug vorher ahnt hat vorgesorgt, wer nicht muss sich in acht nehmen. Dieses Spiel in Iran wurde schon vor Jahren gespielt, jetzt wiederholt sich die sache, nur jetzt wurden die Zügeln in andere Hände gegeben. Ich bin mir sicher das in diese Region nur ruhe Herschen wird wenn andere Ihre Finger von dieser Region lassen.

M***: Bei den Demonstrationen geht es ja um Fragen wie: Wo ist meine Stimme. Es geht um das Menschenrecht auf freie Wahlen und die Möglichkeit, demonstrieren zu können ohne gehindert, verletzt oder gar umgebracht zu werden. und die eigene Geschichte hat mir bewusst gemacht, wie wichtig das ist. Ich glaube, niemand ist so naiv zu denken, dass sich im Iran grundsetzlich etwas ändert. Aber selbst die berühmten kleinen Tropfen auf dem heißen Stein werden mal zu einem Fluß. Die “ Iran-Euphorie“ ist eigentlich, so denke ich, vor allem ein Zeichen der Solidarität mit den Leuten auf der Straße. Man muss sich schon sehr stark Reformen wünschen um unter diesen Umständen noch auf die Straße zu gehen, ich kann nur hoffen, den gleichen Mut zu haben.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

die rektionen helfen mir, eure gründe für die solidarität zu verstehen und selbstverständlich teile ich diese. die bilder sind erschreckend und sind kaum auszuhalten. sie sind ein guter beweis dafür, dass es sich im iran nur um eine pseudodemokratie handelt, die sofort zuschlägt, sobald sie die kontrolle zu verlieren scheint. wie viele andere glaube ich auch, dass eine veränderung NUR aus dem system heraus kommen kann. wer auch immer veränderungen will, muss verbündete in den bestehenden strukturen haben, die ihn stützen und ggf. die lage beruhigen.

beunruhigend war für mich aber eine analyse, in den gestrigen tagesthemen , die einen blick auf die „verbündeten“ von mussawi freigab: „einige großajatollahs wollen wieder mehr macht; weg von der zentralen machtposition des präsidenten“. mussawi könnte daher wirklich nur eine spielfigur im schachspiel einiger älterer männer sein und meine angst besteht weiterhin vor einer zunehmenden islamischen fundamentalisierung. der preis für die revolution könnte genau dies sein.

ich bin zu weit weg und kenne mich zu wenig aus, um wirklich die lage auch nur annähernd einschätzen zu können. vom bauchgefühl her kann ich aber sagen, dass meine erwartungen nicht groß sind.

*** NACHTRAG *** – Weitere Reaktionen von meiner Facebook-Seite:

N***: oh mann!! den demonstranten geht es doch nicht um Mousawi! sondern um den Sturtz des Regiemes!! darum gibt es diese Euphorie! wenn das gelingt ändert dies schlagartig die Situation nicht nur im Iran, sondern im gesamten Nahen Osten!. Wer -außer den westlischen Medien – spricht denn von Mousawi? der wäre ja nur ne zweite Marionette des Regimes! das ganze wollen sie weg haben. der kleiner azzari der gerade herumspukt, ist doch nichts anderes als ein regime-kasperl. seit 1979 terrorisieren die Mullahs die Bevölkerung, wie die deppen nun heißen ist doch einerlei..

J***: ich bin mir ziemlich sicher, daß es den Leuten auch um Moussavi geht. Als Anlaß und als Führungsfigur. Wenn Moussavi überlebt und sich tatsächlich was ändert, wird er eine wichtige Rolle spielen. Ob er aus seiner Rolle als Revolutionär dann noch heraus kann, ist eine andere Sache. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, daß sich das System von innen heraus transformieren und erneuern wird, erste Anzeichen dazu sind da. Eine säkulare Demokratie wird Iran sicher nicht werden – ob das von der Bevölkerung gewünscht ist, halte ich auch für sehr zweifelhaft. Und – meiner beschiedenen Meinung nach – ist das auch nicht notwendig.

J***: Mousawi will keine grundsätzliche Änderung. Er wurde gegen seinen Willen zu einer Symbolfigur einer Demokratiebewegung, die er so nicht haben wollte und diese Bewegung will zwischenzeitlich mehr, als nur eine Neuauszählung der Stimmen.