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ein jahr in hameln
im vergangenen jahr habe ich ja schon mehrfach über meine besuche in der jüdischen gemeinde in hameln gesprochen. nachdem ich mein praktikum dort nun abgeschlossen habe, möchte ich gerne meine eindrücke noch einmal revue passieren lassen.
hameln ist eine kleine stadt im mittleren westen
. jüdisches leben wurde dort wie in allen städten deutschlands durch die nazis im grunde ausgelöscht. die erst 1879 erbaute synagoge wurde im novemberpogrom von 1938 zerstört, mit ihr auch die bewegte jüdische geschichte der stadt, die mit der “Glikl von Hameln” eine bekannte protagonistin hatte.

(c) by Damaso Ryes
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ob sich was durch(in der) ZUKUNFT ändert?
auf der blog seite von jüdisches berlin ist ein artikel von rabbiner walter rothschild abgedruckt, der eine – vielleicht etwas bissige, aber leider doch sehr wahre – beschreibung des politischen berliner gemeindelebens wiedergibt. danke hierfür. der beitrag enthält viele eindrücke, die auch ich in meiner bisherigen berlin-zeit sammeln konnte, wobei ich “nur” von aussen das vorgehen innerhalb dieser gemeinde betrachten konnte.
mal schauen, ob mir jetzt eine “innenansicht” gewährt wird. nach meinem dritten anlauf war nämlich im büro der gemeinde jemand so gnädig, ein formular zur beantragung der mitgliedschaft auszufüllen (aber nur, nachdem ich mit nachdruck darauf bestanden habe, ansonsten wäre ich wieder weggeschickt worden, weil eigentlich auch diesmal überhaupt keine zeit dafür zur verfügung stand … (keine 10 minuten aufwand)) – in drei monaten – so wurde mir angekündigt – werde ich dann erfahren, ob ich mitglied bin, oder nicht).
ob die neue rv an der beamten-einstellung der meisten angestellten der gemeinde etwas ändern kann, bezweifle ich. wie rothschild richtig analysiert hat, handelt es sich um einen großbetrieb und hierfür braucht man eigentlich einen charismatischen geschäftsführer, der den mitarbeitern vermittelt, das die gemeindeangestellten dienstleister einer lebendigen gemeinde sind und keine verwalter eines toten museums, das für das deutsche gewissen ein bisschen judentum ausstellt. die gemeinde braucht jemanden, der visionen hat und bereit ist, andere mitzunehmen – selbstverwirklicher brauchen wir hier in berlin bestimmt nicht mehr.
ob die mitglieder von atid das schaffen – ich zweifle ein wenig daran. die geheimnisvollen ankündigungen von der designierten vorsitzenden, jemanden von außerhalb mit in den vostand zu holen (siehe jüdische allgemeinde vom 29.11.07, berliner seite) sind kein jetzt schon kein gutes vorzeichen für transparenz. wozu ein geheimnis machen, wenn man eine kompetente frau, einen kompetenten man hat, den man zutraut, die gemeinde auf ihrem weg hilfreich zu sein. ein wenig angst habe ich, dass man hier eher ein halbherziges spiel betreibt und womöglich sich atid missbrauchen lässt für die zeile eines einzelnen.
wir werden sehen. ich hoffe nur, dass rabbiner rothschilds pessimistische aussichten nicht ganz der wahrheit entsprechen werden.
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synagogentest herbartstraße
mein lieblingssport in berlin ist weiterhin synagogenhopping, auch wenn dieser sich inzwischen fast ausschließlich auf die mir schon bekannten synagogen eingeschränkt ist. nun habe ich den kreis der besuchten synagogengemeinden um eine weitere in der herbartstraße erweitert. die Leo-Baeck-Synagoge befindet sich im jüdischen seniorenheim.
der ritus ist vergleichbar der pestalozzistraße aber um ein vielfaches wärmer und familiärer. der kleine damenchor reicht sicher nicht an die stimmgewaltigkeit der kollegen in der p-str. aber man sieht ihnen die freude an, mit denen sie die atmosphäre des G’ttesdienstes bereichern.
männer und frauen sitzen in der synagoge getrennt, jedoch nicht weit von einander
. der gabbai ist sehr aufmerksam und und sorgt mit seiner, etwas rauen, aber nicht unfreundlichen art dafür, dass man den richtigen siddur und den richtigen platz findet. ob es eine richtige mitmachsynagoge ist, kann ich nicht so genau beantworten. in der regel singt der kantor und der chor, aber vereinzelt auch die beterinnen und beter – zumindest scheint sich niemand daran zu stören, wenn man selbst lauthals mitsingt (außer es ist sehr gegen die eingübte praxis, dann sieht man schon mal einen fragenden blick von seiten der chordamen).
kiddusch für alle etc. gibt es am ende nicht. die gemeinde löst sich recht schnell auf. übrigens, wer glaubt, nur ältere menschen anzutreffen, der irrt. die gemeinde ist ein schönes abbild von le dor va dor – von generation zu generation.
mit anfangszeiten von 17.30 uhr im winter, bzw. 18.00 uhr im sommer sind die G’ttesdienstzeiten am freitag abend so angenehm gelegt, dass man anschließend wunderbar shabbat zu hause oder bei freunden begehen kann, ohne zu spät dran zu sein. für mich ist die Leo-Baeck-Synagoge eine wunderbare alternative zu meinen bisherigen lieblingsgemeinden und bekommt 4 sterne in meiner wertung ****
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Eröffnungen
rund um den letzen shabbat standen für das jüdische berlin zwei eröffnungen auf dem programm, die deutlich machen, das jüdisches leben wirklich ein bestandteil dieser stadt ist. einen ganz guten artikel hierzu (wie immer) findet ihr im blog von “jüdisches berlin“.
ich habe bei beiden eröffnungen jeweils kurz vorbeigeschaut und kann sagen, dass beide mich beeindruckt haben.
erstere veranstaltung war die wiedereröffnung der synagoge in der rykestraße. hoffentlich wird die synagoge oft so voll werden, wie am freitag zur eröffnung:
zweite war das starßenfest von chabad in der münsterschen straße. leider kam ich auf grund der massen nicht in das zentrum von chabad rein, aber es wird sich mit sicherheit eine ruhigere gelegenheit finden lassen:
für meinen synagogentest werde ich beide gemeinden mal zu shabbat aufsuchen und dann hier wie immer ganz subjektiv berichten
p.s. Avraham Fried – coole mucke:
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synagogentest hüttenweg
es wird dringend zeit, dass ich meine “testreihe” der berliner synagogen fortsetze.
zu erst ein kleiner nachtrag zum fränkelufer. inzwischen habe ich es auch geschafft, mal zum shacharit samstags dort zu sein. wie freitag abends ist die stimmung sehr angenehm. wenn ich nicht so weit weg von der synagoge wohnen würde, könnte ich mir gut vorstellen, dass ich dort öfter anzutreffen wäre.
leider ist die gemeinde nicht ganz so progressiv, wie ich es mir gewünscht hätte, frauen erhalten keine torah aufrufe, aber trotzdem habe ich den eindruck, dass sie hier definitiv einen großen anteil daran haben, dass die atmosphäre in der synagoge stimmt
ein lob noch für den jungen mann, der zum teil vorgebetet hat und aus der torah gelesen hat. ich meine mich zu erinnern, dass er joschi heißt. wenn ich sehe, wie gut er ist, weiss ich, dass ich noch einen langen weg vor mir habe. kol ha-kavod – meine ganze hochachtung an ihn.
nun zum hüttenweg. in den vergangenen wochen habe ich zwei mal den weiten weg in den berliner südwesten unternommen um dem jüngsten mitglied der union progressiver juden einen besuch abzustatten. der G’ttesdienst am freitag abend beginnt um 20.30 uhr und ist damit, zumindest in den wintermonaten der absolute ausreißer in der berliner gemeinde.
letzten shabbat haben wir, ganz unorthodox, wie es sich wohl auch für diesen fall gehört, das shabbatessen VOR dem synagogenbesuch gelegt, den eines wusste ich schon von meinem ersten besuch dort. vor 23.00 uhr ist man nicht wieder zurück in charlottenburg, wenn man nach dem G’ttesdienst noch ein wenig mit dem mitbeterInnen reden möchte.
der G’ttesdienst an sich ist kurz, eine gekürzte version der pestalozzi-straße. inklusive “predigt” ca. 45 minuten. okay, das ist im orthodoxen verhältnissen genau im zeitrahmen, aber im liberalen kontext bedeutet dies eine deutliche straffung. leider geht diese – so empfinde ich es – zu lasten der amida. selbst ein geübter leser schafft es nicht, sie komplett zu lesen. also lieber augen zu und ein bisschen meditieren und so die zeit nutzen um mit G’tt zu kommunizieren. ich denke aber, dass die stammbeter sehr an den ablauf gewöhnt sind und ihre kawanah finden. die ca. 60-70 beterinnen und beter beteiligen sich auf jeden fall aktiv und das ist in meiner bewertung ein echter plusspunkt.
was man deutlich in dieser gemeinde spürt, dass viele der mitglieder aktiv zu ihrem entstehen beigetragen haben und immer noch beitragen. dies ist keine gemeinde, in der nur konsumieren möglich ist. die zuschüsse durch die berliner gemeinde beschränken sich auf einen kleinen sokel, der durch die mitglieder großzügig ergänzt wird. jeder hat eine kleine geschichte zu den erfolgen und auch misserfolgen der gemeinde zu erzählen und wie die gemeinde aus den amerikanischen ursprüngen heraus entstanden ist.
man merkt auch, dass die beter dort eine echte betergemeinschaft bilden. das kann dazu führen, dass man vielleicht bei dem ersten besuch dort ein wenig verlassen rumsteht, jedoch wird sich das sicherlich mit dem zweiten oder dritten mal, an dem man dort ist ändern. wir wurden herzlich willkommen geheißen und der rabbiner hat sich viel zeit für uns genommen, so dass es mit sicherheit nicht mein letzter gang in den süden berlins war. bald ist ja wieder sommer und es wird sich viel “natürlicher” anfühlen, erst um 20.30 in die synagoge zu gehen.
mein fazit: eine echte, liberale, egalitäre, moderne mitmach-gemeinde, die eine echte alternative zu den innenstadtsynagogen darstellt. an den G’ttesdienstablauf muss man sich aber gewöhnen, vor allem, wenn man etwas traditionelleres gewohnt ist.
dicke 4 sterne von mir.
website: http://www.huettenweg.de
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