Eröffnungen

rund um den letzen shabbat standen für das jüdische berlin zwei eröffnungen auf dem programm, die deutlich machen, das jüdisches leben wirklich ein bestandteil dieser stadt ist. einen ganz guten artikel hierzu (wie immer) findet ihr im blog von „jüdisches berlin„.

ich habe bei beiden eröffnungen jeweils kurz vorbeigeschaut und kann sagen, dass beide mich beeindruckt haben.

erstere veranstaltung war die wiedereröffnung der synagoge in der rykestraße. hoffentlich wird die synagoge oft so voll werden, wie am freitag zur eröffnung:

Rykestrasse

zweite war das starßenfest von chabad in der münsterschen straße. leider kam ich auf grund der massen nicht in das zentrum von chabad rein, aber es wird sich mit sicherheit eine ruhigere gelegenheit finden lassen:

           Chabad 1   Chabad 2

für meinen synagogentest werde ich beide gemeinden mal zu shabbat aufsuchen und dann hier wie immer ganz subjektiv berichten 🙂

p.s. Avraham Fried – coole mucke:

Avraham Fried

synagogentest hüttenweg

es wird dringend zeit, dass ich meine „testreihe“ der berliner synagogen fortsetze.

 zu erst ein kleiner nachtrag zum fränkelufer. inzwischen habe ich es auch geschafft, mal zum shacharit samstags dort zu sein. wie freitag abends ist die stimmung sehr angenehm. wenn ich nicht so weit weg von der synagoge wohnen würde, könnte ich mir gut vorstellen, dass ich dort öfter anzutreffen wäre.

leider ist die gemeinde nicht ganz so progressiv, wie ich es mir gewünscht hätte, frauen erhalten keine torah aufrufe, aber trotzdem habe ich den eindruck, dass sie hier definitiv einen großen anteil daran haben, dass die atmosphäre in der synagoge stimmt 🙂

ein lob noch für den jungen mann, der zum teil vorgebetet hat und aus der torah gelesen hat. ich meine mich zu erinnern, dass er joschi heißt. wenn ich sehe, wie gut er ist, weiss ich, dass ich noch einen langen weg vor mir habe. kol ha-kavod – meine ganze hochachtung an ihn.

synagoge hüttenweg - das teamnun zum hüttenweg. in den vergangenen wochen habe ich zwei mal den weiten weg in den berliner südwesten unternommen um dem jüngsten mitglied der union progressiver juden einen besuch abzustatten. der G’ttesdienst am freitag abend beginnt um 20.30 uhr und ist damit, zumindest in den wintermonaten der absolute ausreißer in der berliner gemeinde.

letzten shabbat haben wir, ganz unorthodox, wie es sich wohl auch für diesen fall gehört, das shabbatessen VOR dem synagogenbesuch gelegt, den eines wusste ich schon von meinem ersten besuch dort. vor 23.00 uhr ist man nicht wieder zurück in charlottenburg, wenn man nach dem G’ttesdienst noch ein wenig mit dem mitbeterInnen reden möchte.

der G’ttesdienst an sich ist kurz, eine gekürzte version der pestalozzi-straße. inklusive „predigt“ ca. 45 minuten. okay, das ist im orthodoxen verhältnissen genau im zeitrahmen, aber im liberalen kontext bedeutet dies eine deutliche straffung. leider geht diese – so empfinde ich es – zu lasten der amida. selbst ein geübter leser schafft es nicht, sie komplett zu lesen. also lieber augen zu und ein  bisschen meditieren und so die zeit nutzen um mit G’tt zu kommunizieren. ich denke aber, dass die stammbeter sehr an den ablauf gewöhnt sind und ihre kawanah finden. die ca. 60-70 beterinnen und beter beteiligen sich auf jeden fall aktiv und das ist in meiner bewertung ein echter plusspunkt.

was man deutlich in dieser gemeinde spürt, dass viele der mitglieder aktiv zu ihrem entstehen beigetragen haben und immer noch beitragen. dies ist keine gemeinde, in der nur konsumieren möglich ist. die zuschüsse durch die berliner gemeinde beschränken sich auf einen kleinen sokel, der durch die mitglieder großzügig ergänzt wird. jeder hat eine kleine geschichte zu den erfolgen und auch misserfolgen der gemeinde zu erzählen und wie die gemeinde aus den amerikanischen ursprüngen heraus entstanden ist.

man merkt auch,  dass die beter dort eine echte betergemeinschaft bilden. das kann dazu führen, dass man vielleicht bei dem ersten besuch dort ein wenig verlassen rumsteht, jedoch wird sich das sicherlich mit dem zweiten oder dritten mal, an dem man dort ist ändern. wir wurden herzlich willkommen geheißen und der rabbiner hat sich viel zeit für uns genommen, so dass es mit sicherheit nicht mein letzter gang in den süden berlins war. bald ist ja wieder sommer und es wird sich viel „natürlicher“ anfühlen, erst um 20.30 in die synagoge zu gehen.

mein fazit: eine echte, liberale, egalitäre, moderne mitmach-gemeinde, die eine echte alternative zu den innenstadtsynagogen darstellt. an den G’ttesdienstablauf muss man sich aber gewöhnen, vor allem, wenn man etwas traditionelleres gewohnt ist.

dicke 4 sterne von mir.

website: http://www.huettenweg.de

Mazal Tov

die synagogengemeinde „beit or“ in berlin (oranienburger straße) hat endlich einen rabbiner. besser gesagt, eine rabbinerin.

(c) www.or-synagoge.de

und zwar rabbinerin gesa s. ederberg.

sie ist damit, wenn ich mich nicht irre, die erste rabbinerin, die von der berliner gemeinde angestellt wurde. wenn wir immer wieder hören, dass jüdisches leben in deutschland in der realen welt ankommt, dann ist dies für mich mit absoluter bestimmtheit ein großer schritt dahin.

gesa ist übrigens auch bei uns am kolleg als dozentin. mehr zu ihr habe ich schnell mal den seiten „ihrer“ gemeinde entnommen: (http://www.or-synagoge.de)

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    • Rabbinatsstudium am Schechter Institute for Jewish Studies in Jerusalem – 2002 Smicha (Ordination)
    • Geschäftsführung Masorti e.V.
    • Executive Vice President of the European Region of the Rabbinical Assembly
    • Gründungsmitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz des Zentralrats
    • Amtiert regelmässig in der Synagoge Oranienburger Strasse in Berlin
    • Rabbinische Betreuung und Überwachung der Kaschrut im Kindergarten des Masorti e.V.

zur neuen aufgabe wünsche ich gesa alles gute und viel kraft. der gemeinde wünsche ich, dass sie durch die führung von gesa ederberg weiter wächst und neue impulse, über die oranienburger straße hinaus setzen kann. 

synagogentest II

seid simacht torah sind ja schon wieder einige wochen ins land gezogen und selbstverständlich habe ich meine hopping-tour fortgesetzt, jedoch in nicht so großen sprüngen, wie ursprünglich geplant.

meinem test kann ich als neu-entdeckung nur das fraenkelufer hinzufügen, jedoch möchte ich noch etwas auführlicher auf beit or in der oranienburger synagoge eingehen, da ich diese gemeinde am längsten in berlin kenne und hier schon oft mitbeter sein durfte.

zunächst ans fraenkelufer. es war insgesamt das dritte mal, dass ich dort war und immer wieder erfreut mich die freundliche begrüßung, die einem dort entgegen gebracht wird. es ist nicht nur der gabbai, der einem freundlich die hand reicht, sondern mehr oder weniger alle anwesenden strahlen aus, dass man willkommen ist.

der ritus ist konservativ-orthodox. als siddur liegen shma kolenu und die hefte der zwst aus. frauen und männer sitzen (irgendwie) getrennt, aber nicht räumlich getrennt, es ist irgendwie wie in einem fussballstadion – in block a sitzen die frauen, in den restlichen die männer. ob und wie weit frauen zur torah aufgerufen werden, oder anderweitig eingebunden werden, weiss ich noch nicht, aber vielleicht wisst ihr ja schon mehr, andernfalls bekomme ich das sicher in den nächsten wochen raus. grundsätzlich habe ich aber den eindruck, dass frauen ebenfalls herzlich willkommen sind. essen gibt es nicht. die synagoge am fraenkelufer erhält von mir 3 von 5 sterne.

welchseln wir die lokalität zu der frauenversteher-synagoge schlechthin. okay. das ist vielleicht böser gesagt als gemeint, aber, die gemeinde, die einer jüdische frau, die aktiv am syagogenleben teilhaben will, am meisten entfalltungsmöglichkeiten bietet, ist und bleibt beit or in der oranienburger synagoge. hier darf frau aus der torah vorlesen, wenn sie möchte auch mit ihrem kind auf dem arm, die draschah darf feministische züge haben und eigentlich alles darf von frauen gestaltet werden. manchmal, aber das ist wirklich die ausnahme, geht das ganze zu lasten einer ausgewogenen verteilung zwischen frau und mann, und die benachteiligung von männern kann ja wohl nicht sinn und zweck der ganzen übung sein.

am meisten stört mich an der synagogengemeinde beit or die unterschwellig schwelenden kämpfe. den einen ist die gemeinde zu liberal, den anderen zu konservativ, die einen mögen den nicht, die anderen das nicht, da gibt es den einen minjan, da den anderen …usw. auch mir, der nur unregelmäßig die gemeinde besucht, bleibt die spannung nicht verborgen – eindeutig ein schabbat-launen-abtörner.

aber, da ich ja auch eine vorstellung von dem habe, wie die G’ttesdienste dort aussehen sollten, hier meine zwei anmerkungen: eine weitere traditionelle synagoge braucht berlin nicht, also weg mit dem mussaf, den 7 alliot, und den 50tausend kaddisch-wiederholungen. man bzw. frau kann ab und an auch mal ein gebet auf deutsch oder russisch sagen, denn das ist die tradition in der eigentlich die gemeinde stehen sollte. böse könnte man sonst in einigen jahren behaupten, beit or sei ein orthodoxer frauen minjan.

der anschließende kiddusch mit ordentlichem (mitgebrachtem) essen ist ein echtes highlight. die stimmung ist fröhlich und er gibt auch gästen das gefühl, am shabbat teil einer jüdischen familie zu sein. aber – und dies ist meine zweite anmerkung – leider viel zu selten. warum nicht jede woche, und dann bitte freitag abends und samstags. es gibt genügend einsame jüdische menschen, auf die nur eine dunkle wohnung wartet. die gemeinde sollte hier ihr großes plus an offenheit nutzen. und seid nett mit dem menschen, der das ganze vorbereitet, eine echte meisterleistung.

eine weitere meisterleistung ist die aktuelle website . für beit or 3,5 sterne von 5 .

simchat-torah 2

es war natürlich selbstvertändlich, dass wir nach dem für mich so neuen, aber dadurch auch umso schöneren G’ttesdienst in der sefardischen synagoge zum Kiddusch eingeladen wurden. das was uns serviert wurde war sehr schmackhaft und aussreichend – übrigens scheint es nach meinen bisherigen erfahrungen die einzige gemeinde in berlin zu sein, die eine fleischige küche hat (bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege).

mit einem wohligen gefühl im bauch und eingigen ohrwürmern der dort vernommenen melodien folgte eine kurze nacht. das wiederkommen am ächsten morgen war für mich beschlossne sache und so änderte ich mein hopping durch die berliner synagogen-szene kuzfristig ab und kam auch am sonntag in der früh wieder in die gemeindeum simchat torah dort zu feiern.

ich bedaure, dass ich euch keine fotos oder einen film präsentieren kann. wie am vorabend wurden wir freundlich empfangen und herzlich in das was folgte mit eingebunden. es sei auch n dieser stelle erwähnt, dass in sefardischen gemeinden fast alles aus dem siddur laut vorgebetet wird, so dass der geneigte mitbeter wesentlich besser folgen kann und – zum beispiel der nicht-muttersprachler – sein hebräisch-kenntnisse durchaus aufpolieren kann (großes plus: sefardische aussprache).

ein kleiner warnhinweis: die bracha nach der Torah-lesung unterscheidet sich ein wenig von der aschkenasischen. also, besser nicht auswenig den segen sprechen, sondern ablesen. es verhindert eine enttarnung 🙂

um den bericht nicht in die länge zu ziehen und euch die möglichkeit zu geben, eigene eindrücke zu gewinnen, schließe ich an dieser stelle meinen bericht über die jüngste synagogengemeinde innerhalb der jüdischen gemeinde zu berlin ab. allen, die in der nächsten zeit nach berlin kommen, ist hiermit ein besuch der synagoge wärmstens ans herz gelegt. es gibt „selbstverständlich“ einen täglichen schacharit (um 7.30h).

mein synagogenhopping-wochenende endete am montag mit einem schacharit in der joachimsthaler synagoge. was erwartet einen: klassisch aschkenasisch-orthodox, ideal für leute, die auf der einen seite eine gemeinschaft suchen mit der sie beten können, auf der anderen seite, vor dem ersten kaffee eigentlich mit niemanden reden wollen. wenig junge menschen. alles in allem eine ruhige, medidative atmosphäre. sicher nicht der höhepunkt meines wochenendes, aber ein würdiger abschluss. (ach so, wer der aschkenasischn aussprache nicht so mächtig ist, sollte sich dringend neben jemanden setzten, der einem ab und an zeigt, wo man sich gerade im siddur befindet.)