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Mini-Beit-Midrasch
VERANSTALTUNGSHINWEIS: 9.7.2010, 9.00 Uhr
Auf der Jahrestagung der Union progressiver Juden in Deutschland (vom 08. Juli – 11. Juli 2010 in Berlin/Spandau) werde ich folgenden Workshop anbieten:
“Das Thema Adoption in der Bibel”
Ein Beit Midrash Workshop
In dem Workshop werden wir zunächst in Kleingruppen (Chevruta) verschiedene Textstellen aus der Bibel lesen und diskutieren und anschließend in einer gemeinsamen Schiur unsere Ideen zusammentragen. Wir werden schauen, ob es in der Bibel Adoptionen gab, welche Vorstellungen die frühen Gesellschaften von Familien hatten und wie sich diese auf die Entwicklung der Halacha ausgewirkt haben.
Der Workshop setzt keine Vorkenntnisse voraus. Alle Texte werden in hebräischer, deutscher und russischer Fassung vorliegen. In den Kleingruppen kann in russischer oder deutscher Sprache gelernt werden. Der Shiur selbst wird in deutscher Sprache sein.
Informationen zur Jahrestagung findet Ihr hier [PDF-Flyer] und [Anmeldung].
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CY – Infos zur Conservative Yeshiva in Jerusalem
Mein Studienjahr an der konservativen Jeschiva (Conservative Yeshiva – CY) nähert sich in großen Schritten dem Ende, und so erlaube ich mir, eine erste Bilanz zu ziehen, solange alles noch ganz frisch ist.
Als es vor gut einem Jahr darum ging, einen geeigneten Studienort für mich zu finden, galt es folgende Kriterien zu erfüllen:
- ein Ort, an dem ich Talmud und jüdische Quellen “traditionell” (d.h. in Chevruta – Kleinstgruppe oder mit eine(r) Partner(in), nicht mit einem akademischen Ansatz, sondern um ihrer Selbstwillen, mit rabbinischen Kommentaren und mit Rabbinern) lernen kann,
- ein Ort, an dem ich als liberaler Jude voll akzeptiert werde,
- ein Ort, der die Ausbildung von libreralen Rabbiner/innen unterstützt
- ein Ort, der die Gleichstellung von Frauen und Männern nicht nur predigt, sondern auch praktiziert,
- ein Ort, der Pluralität als eine Bereicherung für das Judentum sieht und nicht umgekehrt.
- ein Ort, der mich in meiner Ausbildung zum Rabbiner weiterbringt.
Das Studienjahr in Jerusalem gehört zur Rabbinerausbildung am Abraham-Geiger-Kolleg zwingend dazu, und so konnte ich bei der Suche meiner Ausbildungsstätte entsprechend auf die Erfahrungen meiner Vorgängerinnen zurückgreifen, obwohl – und das ist typisch am Kolleg – mein Fall sich von den meiner Kommilitonen unterschied. Die Ausbildung am HUC war nicht möglich, da ich bereits in der Mitte meiner Ausbildung bin und das HUC in Jerusalem nur ein Vollzeitprogramm für Studienanfänger anbietet und sich im wesentlichen auf die akademische Ausbildung konzentriert. Die akademische Ausbildung bekomme ich ja in Potsdam, das Programm für die israelischen Studenten ist nur zwei Tage die Woche, der Rest findet an Universitäten statt. So also nur eine Teillösung (im ersten Semester habe ich einen Tag pro Woche die Kurse des HUC-IL besucht).
Pardes war die Lösung für einen Teil meiner Vorgänger, aber ganz ehrlich hatte ich Probleme mit den orthodoxen Inhalten die dort vermittelt werden. Ich denke, es wäre eine Möglichkeit gewesen, aber mit Sicherheit wäre es keine Liebesheirat gewesen und wir hätten das eine oder andere Mal einen Therapeuten einbeziehen müssen
Der letzte Jahrgang am Kolleg hatte die wunderbare Möglichkeit, dass für ihn ein eigenes Programm am Steinsaltz-Institut zusammengestellt wurde. Da ich in meinem Jahrgang aber alleine bin, ergab sich diese Möglichkeit nicht (jedoch fand letzten Sommer ein drei-monatiger Kurs für mich und zwei weitere Geigerstudenten statt).
Ich meine mich zu erinnern, dass R’ Gesa Ederberg mir die CY als Lösung vorgeschlagen hat. Und nach dieser längeren Vorrede will ich mich nun dem zuwenden, warum ich der Meinung bin, dass es – um bei meinen Worten von vorher zu bleiben – eine sehr vernünftige Ehe war:
Mein erster Eindruck von der CY war alleine für sich gesehen umwerfend: Man hat mich mit offenen Armen empfangen. Vom ersten Augenblick begegnete man mir und dem Kolleg mit einer äußerst positiven Einstellung. Ich hatte den Eindruck, da freuen sich Menschen darauf, ihr Wissen weiterzugeben. Viele werden jetzt einwenden, dass dies nun wirklich eine typisch jüdische Haltung sei, worauf ich leider sagen muss, dass dies oft nur dann stimmt, wenn sich Schüler und Lehrer im selben “Rahmen” bewegen. Nicht jede konservative Institution verspürt den Wunsch, Studenten anderer Bewegungen auszubilden und umgekehrt (dies gilt auch für orthodoxen Institutionen). Wie gesagt, die Offenheit gegenüber dem Kolleg und meiner Person ist mit Sicherheit etwas, dass ich zu den herausragenden Merkmalen der Jeschiva zählen möchte.
Das Angebot an der Jeschiva ist sehr gut. Talmud wird an vier Tagen die Woche in vier verschiedenen Wissensstufen unterrichtet. Vom Einsteigerkurs bis zum Kollel. Wichtig ist zu betonen, dass die CY gegründet wurde, um “nicht professionellen Juden”, d.h. Laien, ein Angebot zur Weiterbildung zu bieten. Auch wenn zunehmend mehr RabbinerstudentInnen die Jeschiva als Ausbildungsstätte für ihr Israeljahr entdecken, bemühen sich die Dozenten darum, in sämtlichen Themenfeldern das Niveau so zu halten, dass die, die ohne jüdisches “Expertenwissen” kommen, Freude an der Ausbildung finden. Und so findet man neben den Talmudstudien in den verschiedenen Lehrstufen auch viele andere Angebote aufgeteilt in Einführungs- und Advanced-Stufen: Midrasch, Halacha, Bibel.
Die Jeschiva ist ein Ort, an dem alle Studentinnen ermutigt werden, sich selbst aktiv einzubringen. Beginnend bei den G’ttesdiensten, die in der Regel immer durch Studenten der CY geleitet werden. Ich persönlich habe schnell angefangen, regelmäßig Teile der Tfilah zu leiten, oder aus der Torah zu lesen. G’ttesdienste finden an der Jeschiva 3x täglich (im Sommer nur Schacharit und Mincha) statt, so dass sich genügend Möglichkeiten finden, selbst mal an die Reihe zu kommen (keine Angst, niemand muss, jeder kann). Eine andere Möglichkeit sich einzubringen ist, selbst zu unterrichten. Von Yiddisch bis “Frauen und Halacha”, vom Kippa häkeln bis Torah-Trope, es finden sich unzählige Angebote von Studenten für Studenten.
Bevor ich mich einigen “kritischen” Dingen Punkten zuwende, noch eine Sache, die ich gerne herausstellen möchte: die Jeschiva ist wie eine große JÜDISCHE Familie. Man hat wirklich die Möglichkeit, mal so richtig in jüdisches Leben einzutauchen. Nicht nur gemeinsames Lernen steht auf dem Programm, sondern auch feiern, traurig sein, Schabbat, Feiertage, soziales Engagement, Parties …. Das was viele als amerikanischen Über-Protektionismus abtun (die Sicherheitsemails, das sich Abmelden wenn man länger mal abwesend ist …) zeigt aber auch, dass man Wahrgenommen wird. Die Jeschiva ist klein genug, damit alle Studenten ihre Studenten kennen und als Individuen wahrnimmt. Und die Mitstudenten verfahren gleichsam. Man kümmert sich umeinander.
Bei aller Vielfalt, die die Jeschiva willkommen heißt, ist und bleibt sie doch eine Einrichtung des Konservativen Bewegung. Sie bewegt sich zwar auf der linken Seite, aber immer noch deutlich im Rahmen dessen, was konservatives Judentum ausmacht. Der G’ttesdienst ist zwar egalitär, aber traditionell. Die Auslegung der Halacha modern, aber nicht progressiv. Wer aus einer anderen Strömung kommt muss dies aushalten können. Ich habe dies als Bereicherung für meine eigenen jüdischen Weg empfunden, ich kann aber auch verstehen, dass der eine oder andere sich hierin nicht wiederfindet und frustriert sich etwas anderes sucht. Ich hatte nicht den Eindruck, dass man versucht, zu missionieren, man möchte sich aber erstens nicht missionieren lassen und b. ist man an der CY stolz auf den eigenen Standpunkt und vertritt den auch deutlich.
Die CY bemüht sich nachdrücklich um Studentinnen und Studenten aus Europa und Staaten, die nicht zu den USA gehören, u.a. mit Stipendien, die großzügig an solche Studenten vergeben werden. Ein Studienjahr kosten einige Tausend USD an Unterrichtsgebühren, die unter anderem durch die Legacy Heritage Foundation übernommen werden. Trotzdem sind 85-90% der Studenten aus den USA, mit der Folge, dass Englisch die alles dominierende Sprache ist. Mit den Studenten aus England hat Hebräisch keine Chance, zu einer Sprache aufzusteigen, in der kommuniziert wird. Auch wenn man die Quellentexte auf hebräisch oder aramäisch liest, besprochen werden sie in englischer Sprache. Obwohl alle Dozenten hebräisch können und Israel direkt um die Jeschiva herum ist, ist die CY eine englische Bubble (Blase), die dafür sorgt, dass sich mein Englisch im Laufe der letzten Monate mehr verbessert hat, als mein Hebräisch.
Es gibt mit Sicherheit noch vieles zu berichten, aber ich denke, dass schon jetzt mein Bericht so lange ist, dass kaum einer ihn bis zu Ende gelesen hat. Informationen zur Jeschiva findet Ihr auf den Websseiten der CY und natürlich könnt Ihr Fragen über die Kommentarfunktion jederzeit an mich richten.
Übrigens: Man kann sich jetzt für das kommenden Studienjahr bewerben. Ich weiss schon, dass mindestens ein Student aus Deutschland da sein wird. Es besteht also schon mal die Möglichkeit für eine kleine deutschsprachige Lerngruppe.
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Siehe (Rückblick auf Woche II)
der zweite wochenabschnitt meiner studienzeit hieß “re’e”, bzw. “siehe” (die parashat des letzten shabbats) und bildet eine wunderbare brücke zu meinen erfahrungen der zweiten woche hier am machon steinsaltz. es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. und meine dozenten zeigen es mir/uns (zusammen mit yael und paul werde ich von derzeit von vier dozenten unterrichtet).
letzte woche begann mit chassidut: die außen- und selbstwahrnehmung des baal shem tov markiert dabei den einstieg. wie hat er seine “erfahrungen” in den wenigen schriftlichen dokumenten beschrieben, die uns vorliegen (“der heilige brief“), wie haben die menschen, die ihn noch gekannt haben, gleiche oder ähnliche ereignisse beschrieben, und was ist daraus innerhalb der chassidischen bewegung entstanden. anhand dieser beispiele soll uns ein profunder einblick in die ideen der chassidischen bewegung gegeben werden. (der historische kontext kommt dabei übrigens nicht zu kurz). es ist wirklich ein faszinierendes thema und für jemanden wie mich, dem die chassidische welt sehr fremd ist, umso mehr. es gibt vieles, was ich für mich entdecke, um es näher kennenlernen zu wollen. ergänzt wird dieser unterricht durch einen zweiten, in dem wir die geschichten des rabbi nachman lesen, zusammen mit den kommentaren von adin steinsaltz.
fast nahtlos geht der unterricht in jüdische philosophie über. derzeit befindet sich mein freund RAMBAM mit seinem „führer für den unschlüssigen“ im ring. er wirft mich mit seinen gedanken von einer zur anderen seite und – ich schieb es jetzt mal auf meine unzureichenden hebräischkenntnisse – schafft es hin- und wieder, dass ich dabei k.o. gehe. der geduld meines dozenten ist es zu verdanken, dass es (zumindest gestern) zu einem versöhnlichen ende gekommen ist und noch nicht einmal ein blaues auge zurückgeblieben ist – vielleicht ein paar verwirrungen
).
geprägt wird unser studium hier aber in der hauptsache duch den talmud. mit allen vier dozenten studieren wir über die woche verteilt den gleichen talmud-abschnitt. mit weit geöffneten augen betrete ich dabei eine neue welt für mich. mein talmud-studium war bisher akademisch geprägt. wie kann ich eine these durch ein talmudzitat/-auszug belegen oder wiederlegen. ich denke, dass dieser zugang wichtig ist für die jüdischen studien, die einen grundpfeiler meiner ausbildung ausmachen, aber gleichzeitig verdeckte dieser weg den rabbinischen zugang.
es ist nicht einfach, für den unterricht hier, das mir in fleisch und blut übergegangene denken abzulegen, und mich vor allem in einem zu üben: in geduld. am liebsten würde ich den talmudabschnitt in einem durchlesen und nicht häppchenweise. wie bei einem krimi schon mal die letzte seite lesen, um zu erfahren, ob der held am ende noch lebt. aber alle meine dozenten (ich habe es bei allen probiert) beantworten meine fragen mit “ata zodek, aval salvlanut” , was soviel heisst wie: „die idee/frage hatten schon andere vor dir, die gemara beschäftigt sich noch damit“. und so werde ich fast dazu gezwungen, jedes einzelne wort auf die goldwage zu legen, und SIEHE, die sachverhalte werden klarer und spannender, wenn man sie wendet und wendet (die fragen aber auch). letzen donnerstag (zum wochenschluss) wagte ich den vermessenen vorstoß und behauptete, dass ich den abschnitt nun verstanden hätte und wir – von mir aus – weitermachen könnten. wahrscheinlich genau deshalb begann der dozent mit dem ersten satz der mischna erneut und stellte fragen, die alles, was ich bisher verstanden hatte, auf den kopf stellte. ich werde versuchen, in zukunft rhetorisch geschickter vorzugehen und in talmudischem sprachgebrauch zu formulieren, dass ich interesse daran hätte, einfach mal das blatt rumzudrehen.
der ganze unterricht hier ist in hebräisch. anstelle eines weiteren ulpans sind wir einfach ins wasser geworfen worden und sollen schwimmen. und es geht. natürlich gibt es momente, in denen ich mir denke, dass wahrscheinlich chinesisch einfacher zu verstehen wäre, als das was ich eben gelesen habe oder gehört habe, aber es gibt auch highlights. und ich sehe, wo meine stärken liegen und wo nicht. wenn wir zum beispiel über gebete sprechen und/oder G’ttesdienste ist es, als ob der unterricht in englisch wäre(ist er nicht!). die worte, der inhalt ist mir vertraut. und es macht richtig spass, in einer noch unvertrauten sprache zu diskutieren und neue ebenen zu erreichen.
und wenn es mal wieder so ist, dass ich nichts verstehe, dann räche ich mich und antworte einfach in einem unverständlichen hebräisch. in diesem moment schauen studenten und dozenten gleichsam verzweifelt. ausgleichende gerechtigkeit.
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The role of the rabbi
Zur Zeit habe ich leider sehr wenig Zeit, um hier länger zu schreiben. Gerne würde ich Euch von den beiden Konferenzen berichten, die ich in der vergangenen Woche in Jerusalem besucht habe, aber, da das Semester in fünf Wochen beendet sein wird, rufen viele Hausarbeiten und Papers, die noch geschrieben werden müssen und diverse Prüfungen, für die ich lernen möchte. Ganz will ich mich aber nicht ausblenden und werde weiterhin das eine oder andere hier posten. Und der Bericht über Jerusalem kommt auch noch.
Die Fragestellung, welche Rolle ein Rabbiner / eine Rabbinerin einnehmen sollte, habe ich schon mehrfach hier im Blog angerissen, Chajm auf Sprachkasse.de ebenfalls und bei Yoav war auch vor kurzem etwas dazu veröffentlicht. Heute gab es zwei Beiträge auf Eilu V’eilu, einem wöchentlichen Online-Unterrichts-Newsletter der Union for Reform Judaism.
Hier Beitrag 1:
What is the role of the rabbi in our congregations today?
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Empfang der Shabbat Braut
Studentenkonzert des Jewish Institute of Cantorial Arts
Die Kantorenstudenten laden Sie herzlich zu ihrem ersten Studentenkonzert
Empfang der Shabbat Braut
am Sonntag, den 14. Juni 2009, um 18:00 Uhr
in das Jüdische Gemeindehaus, Fasanenstraße 79/80, 10623 Berlin,ein.
Solisten: Juval Porat, Alexander Zakharenko und Nikola David
Atara – Chor des Jewish Institute of Cantorial Arts
Dirigentin: Varda Seelig
Orgel und Klavier: Mirlan Kasymaliev
Juval Porat wird sein Abschlusskonzert zum Thema seiner Arbeit: “Zur musikalischen Entwicklung des Abendgebets für Schabbat in Deutschland vom 17. Jahrhundert bis zu unserer Zeit“ präsentieren.
Studierende des JICA präsentieren israelische Kunstmusik
Eintritt frei!
Jewish Institute for Cantorial Arts • sacredmusic.eu
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