studi-vz, karftreitagsfürbitte und antisemitismus

sind die drei top-quoten-bringer für meinen blog. täglich finden neue leserInnen über google und co. meine seite durch die suche nach einem dieser themen. ich frage mich, ob sie hier finden, was sie suchen. ich bin mir nicht so sicher.

in fragen der karfreitagsdebatte ist es in meinem umfeld ruhiger geworden (siehe meinen eintrag hier). in letzter zeit hatte ich keine „dialog-veranstaltungen“, so dass es auch zu keinen direkten gesprächen mit gläubigen der basis kam. die reisen und aussprüche des papstes sehe ich weiterhin sehr kritisch. es ist unglaublich wie arrogant und selbstherlich er in die öffentlichkeit tritt und den gebrauch von kondomen verbietet, wenn HIV und AIDS gerade auch in den ländern dramatische ausmaße angenommen hat, in denen die katholische kirche eine autorität besitzt, die ein verantwortungsvollen umgang mit dieser „macht“ ethisch gebietet. man kann nicht menschenrechte fordern, wenn man auf der anderen seite millionen menschen das recht auf ein gesundes leben verbietet. was ist das für ein verständnis von menschenwürde, wenn man mit ansieht, wie männer, frauen und kinder an AIDS sterben.

die frage, ob das studi-vz platz für antisemiten bietet, kann ich nicht sicher beantworten, aber ich denke schon. es ist nach meinen erfahrungen nicht mehr so, dass die antisemiten und anti-israel-hetzer das studi-vz zum offenen spielplatz für ihre kampagnen benutzt, aber mal da und mal da sieht man sie doch noch. da aber studi-vz eh seinen größten reitz verloren hat, ist dies vielleicht auch schon ein problem, welches sich auf natürliche weise selbst erledigen wird. wer andere erfahrungen dazu hat, den bitte ich um rückmeldungen. interessieren würde es mich schon. auch würde mich interessieren, wie es auf facebook hinsichtlich brauner elemente so zugeht. anhand von aktionen „Facebook: Delete the group „Israel is not a country“!“ scheint es auch dort zum unangenehmen begleiterscheinungen des web2.0 zeitalters zu kommen.

ein prominenter leser meines blogges ist übrigens ilan mor, der gesandte israels hier in berlin. auf der gedenkfeier für die beiden ermordeten soldaten sprach er mich auf meinen eintrag über seinen besuch in der uni an. er war nicht so glücklich mit meinem eindruck, aber ich war ja auch nicht 100% glücklich mit seinem besuch – damit waren wir ja schon mal auf einer gemeinsamen ebene. und ich kann seine kritik an meiner kritik gut verstehen. wahrscheinlich ist es wirklich nicht so einfach, die anderen seiten israels darzustellen, wenn die allgemeine erwartunghaltung an einen solchen besuch, wohl eher die darstellungen des konfliktes mit den nachbarn ist und selbst wenn dem nicht so war, ist es eine solche ausnahme, dass es dem gesandten nicht wirklich anzulasten ist. und wäre der konflikt nicht angesprochen worden, so wäre das geschrei sicher groß gewesen – nur von mir hätte es eine 1 mit sternchen gegeben. 🙂

wir sind übrigens zu dem entschluss gekommen, noch einmal eine andere veranstaltung zu organisieren, oder eine ganze veranstaltungsreihe. dann zu den themen arbeit, gleichstellung , bildung und so weiter. diese herausforderung nehme ich gerne an. den ich bin weiterhin davon überzeugt, dass israel mehr zu bieten hat, was einer kritischen analyse bedarf.

ansonsten allen besuchern: danke für euren besuch hier. 22.700 ist schon eine ganz ordentliche zahl. 🙂

Botschaften

Gestern war der Israelische Gesandte Ilan Mor in der Uni. Die Uni und das AGK hatten zu einer kritischen Bestandsaufnahme anläßlich des 60. Geburtstag Israels eingeladen.

Wie kritisch eine Bestandsaufnahme durch einen Botschafter sein kann, kann sich sicher jeder denken. Es war eher eine, mit leicht kritischen Untertönen versetze Rede zur politischen Lage im Nahen Osten. Eine Verteidigungsrede. SCHADE.

Erstens, weil unnötig. Der größte Teil der anwesenden Studenten ist pro-Israel und hat einen recht guten Überblick über die politische Lage. Ich denke, dass eigentlich kaum einer die groben Linien in Israels Verteidigungspolitik bestreiten würde. Und Detailfragen lassen sich in einem solchen Forum eh nicht vernünftig diskutieren.

Zweitens: Israel ist mehr als nur der Konflikt mit den arabischen Nachbarn. Viele von uns versuchen gerade diese Reduzierung des Geburtstagskindes etwas entgegenzusetzen, in dem man über die vielen anderen Facetten Israels spricht. Eine kritische Bestandsaufnahme hätte durchaus viele andere Themen in den Vordergrund stellen können:

– Einwanderungspolitik

– Religion mit/gegen eine sekuläre Staatsordnung. Schafft Israel den Spagat?

– Verhältnis zur Diaspora

– Die immer größere Schlucht zwischen Reich und Arm. Sozialpolitik in Israel?

Ilan Mor hätte mit einer Ausweitung seiner Themen vielleicht einem interessierten Studentenkreis mehr bieten können, aber vielleicht ist es nach 25 Jahren als Diplomat für Israel tatsächlich so, dass die Verteidigung von Israels Verteidigunspolitik so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass man den Rest nicht mehr sieht, bzw. nicht erwartet, dass die Gesprächspartner mehr interessieren könnte?

Eine weitere Betrachtung findet Ihr bei Juval.